Woher das erste Gold kam

Maske, Das erste Gold, KHM…
Foto: /Krassimir Georgiev, NAIM 14 bulgarische Museen zeigen im Kunsthistorischen Museum mehr als 300 Gold-, Silber- Bronzefunde. <br />
 

Das Gold für Mykene und Troja stammt aus einer antiken Mine in Bulgarien, mutmaßen Forscher und präsentieren "Das erste Gold" sowie Erkenntnisse.

Jänner 2014: Hristo Popov betritt das Büro von Barbara Horejs in Wien. Der bulgarische Ausgräber hatte in den Jahren zuvor in seiner Heimat am Vulkan Ada Tepe im bulgarischen Rhodopen-Gebirge einen antiken Stollen ausgegraben. Der entpuppte sich als älteste und einzige prähistorische Goldmine Europas. Schon vor 3500 Jahren – in der Bronzezeit – haben hier Bergleute Gold geschürft. Jetzt deponiert Popov Fotos und Funde aus seiner Mine auf dem Schreibtisch der Forscherin an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und sagt dazu: "Wir wollen die Besten und suchen ein internationales Team, um die Funde auszuwerten."

"Mir fiel die Kinnlade hinunter", erzählt Horejs, die über die Spätbronzezeit in der Nordägäis ganze Bücher geschrieben hat. "Die Bulgaren haben uns das Projekt auf dem Goldtablett serviert", scherzt sie und nahm dankend an. In dem vom Österreichischen Wissenschaftsfonds finanzierten Projekt untersucht ihr Team nun "Das Gold des Balkans", so der Name.

Erstes Gold

Was die Archäologin und ihr Team – etwa 40 Metallurgen, Geologen, Geochemiker, C14-Physiker, Botaniker, Gold- und Marmor-Experten aus fünf Ländern – bisher herausgefunden haben, bildet den Rahmen der Schau "Das erste Gold", die ab heute im Kunsthistorischen Museum in Wien zu sehen ist. "Wir haben gleich mehrere Goldschätze aus der Region zusammengetragen", sagt Horejs. Im Zentrum stehen 12,5 kg Gold – der größte Schatz der Bronzezeit, 13 im Jahr 1924 in Vălčitrăn entdeckte Objekte. Insgesamt sind 300 Gold-, Silber- und Bronzefunde aus 14 bulgarischen Museen zu sehen.

Schatz von Valcitran, das erste Gold, KHM… Foto: /Krassimir Georgiev, NAIM Glänzend und rar – seit jeher übt das Edelmetall eine große Faszination auf Menschen aus. Das liegt vor allem daran, dass Gold nicht verwittert. Diverse Kulturen haben es daher in die Nähe von Göttern und Herrschern gerückt – denn auch deren Dasein sollte unvergänglich sein. Die Rolle von Gold in der Bronzezeit ist auch für Horejs ein spannender Aspekt. Es spiele eine soziokulturelle Rolle bei der Entstehung der Eliten, eine Entwicklung, die in der Bronzezeit begann: "Der, der das Gold trug, hatte die Insignien der Macht. Das gab es vorher nicht."

In der Ausstellung beleuchtet eine virtuelle Rekonstruktion den kulturellen Hintergrund der Bergwerkssiedlung und das tägliche Leben der Menschen, die sich vor 3500 Jahren abmühten, um dem Berg Ada Tepe sein Gold abzuringen. Werkzeuge zeugen vom Kraft- und Materialaufwand, mit dem die Bergleute den Fels bearbeiteten.

All diese Erkenntnisse waren nur möglich, weil sich im Jahr 2005 eine kanadische Firma im Rhodopen-Gebirge auf der Suche nach lohnenden Goldvorkommen gemacht hatte. Der Ada Tepe entpuppt sich bald als vielversprechender Berg. Grabungen begannen und förderten nicht nur Gold, sondern auch ältere Strukturen zu Tage, die die bulgarischen Archäologen auf den Plan riefen. Eine Rettungsgrabung begann. Bald tauchte eine uralte Mine samt erhaltener Handwerkssiedlungen, Häusern und Werkzeugen auf. Horejs: "Das ist die wahre archäologische Sensation."

Ada Tepe… Foto: /S. Molla Djafar/OREA Mittlerweile harren Tonnen von Fundmaterial aus der Zeit zwischen 1500 und 1000 v. Chr. am Fuß des Ada Tepe der Auswertung – Scherben, Werkzeuge für den Goldabbau und für den Alltag, erzählt Horejs. "Spinnwitteln belegen, dass dort auch Textilien hergestellt wurden – das bedeutet, dass die Bergleute in kleinen Gruppen nicht nur am Berg saßen und arbeiteten, sondern dort auch lebten, zumindest zeitweise. Sie haben gekocht und besaßen feines Tafelgeschirr, aufwendig verzierte Keramik, wie man sie aus Nordgriechenland kennt."

Arme Knappen

Noch wissen die Forscher nicht, wie die Handwerksgesellschaft strukturiert war. Eines ist für die Archäologin aber sicher: "Reich sind sie mit dem Goldabbau nicht geworden." In der Region gibt es keine Paläste, keine großen Zentralorte. "Sie haben die Gewinne offensichtlich nicht eingestreift. Wir vermuten, dass das Gold exportiert wurde." Denn: "Die bronzezeitlichen Menschen waren in ein internationales Kommunikations- und Handelsnetz eingebettet."

Geografisch und kulturell liegt der südöstliche Balkan nur einen Steinwurf von den spätbronzezeitlichen Hochkulturen in der Ägäis und in Anatolien entfernt. In Troja und Griechenland, wo zu dieser Zeit die mykenische Kultur erblühte, entstanden Paläste – inklusive berühmter Goldgräber und Goldschätze. Bisher ist nicht bekannt, woher das viele Gold für Ausstattung und Statussymbole wie Masken, Schilde, Dolche und Helme gekommen ist. Die Vermutung liegt nahe, dass Ada Tepe der Goldlieferant war. Der Abbau begann jedenfalls zeitgleich mit dem Palastbau im Süden.

Um das herauszufinden, hat Ernst Pernicka, international anerkannter Experte für antikes Gold, das Metall von Ada Tepe geochemisch analysiert. Vergleiche mit Goldschätzen aus dem Norden haben noch keine Übereinstimmung gebracht. "Als Nächstes schauen wir uns die mykenischen Goldobjekte an", sagt Horejs. "Wir vermuten, dass die Mykener das Gold zuerst vom Balkan bezogen haben und später auf das Gold aus Ägypten umstiegen."

Ausstellung: "Das erste Gold. Ada Tepe: Das älteste Goldbergwerk Europas" im Kunsthistorischen Museum Wien, 7. März bis 25. Juni 2017

(kurier) Erstellt am
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