Wissen und Gesundheit
22.05.2017

Wie Tiere ihren Lebensraum prägen

Am heurigen Tag der Artenvielfalt steht nachhaltiger Tourismus im Mittelpunkt. Zum Schutz der Tiere - und ihres Ökosystems.

Säugetiere, Fische, Vögel, Würmer, Käfer, Algen, Pilze, Pflanzen - es gibt Millionen Arten auf der Welt. Doch die Vielfalt ist vielerorts bedroht. Denn Klimawandel, Umweltverschmutzung, die Vernichtung von Lebensraum, Wilderei und nicht zuletzt der Tourismus setzen Flora und Fauna schwer zu. Den größten Schaden in der Natur richtet der Mensch an.

Seit 1970 sind die Wirbeltierbestände um 58 Prozent zurückgegangen, zeigen Erhebungen der Umweltstiftung WWF. Seit 1990 wurden Waldflächen vernichtet, die sechseinhalb mal so groß sind wie Deutschland. 24.000 Arten weltweit sind nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN bedroht.

Auch Touristen tragen zu Problemen bei, wenn für sie Naturgelände in Golfplätze oder Skigebieten verwandelt werden, oder empfindliche Ökosysteme wie Küstengebiete Besucher-Anstürmen ausgesetzt sind. Dabei könnten Reisende auch zum Artenschutz beitragen. „Nachhaltiger Tourismus“ ist das Motto des Tags zur Erhaltung der Artenvielfalt am 22. Mai 2017. Einige Tierarten haben besondere Funktionen in ihrem Lebensraum - und ihr Verlust hätte besonders verheerende Konsequenzen. Eine Auswahl:

DerFlachlandtapir, Tapirus terrestris, lebt in tropischen Wäldern. Dort fressen die Tiere mit dem markanten Rüssel vor allem Blätter, Obst und Knospen. Durch ihren Magen geschleust keimen viele Samen besser, mit der Ausscheidung über den Kot sorgen die Tiere in ihrem großen Lebensraum zudem für die Verbreitung der Samen. Tapire gelten deshalb als „Gärtner des Waldes“ oder „Ökoingenieure“. Status Rote Liste: verletzlich.

Der Indische Geier, Gyps indicus, säubert seinen Lebensraum von Tierkadavern. Durch seinen Schwund verrotten in Indien mehr Kadaver an der Luft und verseuchen damit u.a. Trinkwasser. Wilde Hunde sind auch Aasfresser, aber während Geier immun gegen die Mikroben der Kadaver sind und sie vernichten, können Hunde manche der Krankheitserreger übertragen. Mehr noch: Durch das Verschwinden der Geier wächst die Zahl der wilden Hunde in Indien, die etwa auch Tollwut übertragen. Status Rote Liste: vom Aussterben bedroht.

Der Seeotter, Enhydra lutris, ist in Küstennähe vor Alaska und der nordamerikanischen Pazifikküste beheimatet. Dort stehen die intelligenten Raubtiere auf der obersten Stufe der Nahrungskette. Das heißt, sie kontrollieren die Bestände anderer Nahrungssucher, etwa der Seeigel, die sich im Zuge des Seeotterschwundes rapide ausgebreitet haben. Die Seeigel wiederum fressen den Seetang, den zahlreiche Fischarten als Spielwiese für ihre Jungen brauchen. Seetang bindet zudem Unmengen klimaschädliches CO2 und schützt Küsten vor Stürmen. Status Rote Liste: stark gefährdet.

DerTiger, Panthera tigris, erfüllt in seinem Lebens, was der Seeotter vor der Küste tut. Er reduziert die Zahl der Pflanzenfresser und sorgt dafür, dass Pflanzen in Ruhe nachwachsen können. Gesunde Wälder wiederum sind unter anderem für den Wasserkreislauf wichtig. Status Rote Liste: stark gefährdet.

Die Crau-Schrecke, Prionotropis rhodanica, kommt ausschließlich in der Crau-Steinsteppe in Frankreich vor. Die Heuschreckenart ist dort als größte vorhandene Art überlebenswichtiges Nahrungsmittel für viele bedrohte Vögel wie Zwergtrappe, Rötelfalke und Spießflughuhn. Status Rote Liste: vom Aussterben bedroht.

Das Spitzmaulnashorn, Diceros bicornis, produziert mit seinem Mist eine Nährstofffundgrube für Insekten und Vögel. Es ist Wirt bestimmter Biesfliegen, die nirgends sonst vorkommen. Weil Nashörner von keiner Safari wegzudenken sind, kommt dieser Tierart auch als Touristen-Attraktion eine wichtige Rolle zu. Die Besucher spülen mit ihrem Urlaub Geld für Naturschutz in die Kassen von Regierungen. Der Schutz großer Nashorn-Lebensräume käme auch hunderten anderen dort lebenden Arten zugute. Status Rote Liste: vom Aussterben bedroht.

Das Beispiel Spitzmaulnashorn zeigt, dass Artenvielfalt, gesundes Ökosystem und Tourismus einander nicht ausschließen. Im Gegenteil: Nachhaltiger Tourismus kann das Wirtschaftswachstum in der Region fördern und helfen, die biologische Vielfalt durch Einnahmen aus dem Fremdenverkehr beizubehalten oder sogar zu erhöhen.

Woche der Artenvielfalt

Österreich zählt zu den artenreichsten Ländern Europas: Insgesamt 67.000 Arten, darunter ungefähr 45.000 Tierarten (93 Säugetier- und über 37.000 Insektenarten), 3.000 Farn- und Blütenpflanzen kommen bei uns vor. Auf den „Roten Listen gefährdeter Tierarten“ stehen 27 Prozent der Säugetiere, 27 Prozent der Vögel, 60 Prozent der Kriechtiere.

Um einen Rückgang der Artenvielfalt zu verhindern und die Bevölkerung für die Zusammenhänge zu sensibilisieren, haben das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und der Naturschutzbund die Kampagne "vielfaltleben" ins Leben gerufen. „Die Woche der Artenvielfalt ist jedes Jahr ein besonderer Höhepunkt der Kampagne "vielfaltleben". Mit ihr wollen wir allen zeigen, welche Naturschätze Österreich zu bieten hat und wie bereichernd das Leben in und mit der Natur sein kann“, sagt Naturschutzbund-Präsident Roman Türk. So finden noch bis 28. Mai 2017 zwischen Boden- und Neusiedler See rund 300 Veranstaltungen statt - mit Führungen, Wanderungen und Workshops. Hier finden Sie das Programm.