Wissen und Gesundheit
26.01.2015

Armut verkürzt das Leben deutlich

Initiative übernimmt Therapiekosten in Notfällen – und organisiert einen Benefizabend.

"Armut stellt für alle Menschen das größte sozial bedingte Gesundheitsrisiko dar." Darauf macht jetzt der renommierte Internist Univ.-Prof. Siegfried Meryn, Gründer der Initiative "Nein zu Krank und Arm", anlässlich einer Benefizaufführung im Akademietheater aufmerksam. "In Österreich sterben Männer der niedrigsten Einkommensschicht um bis zu elf Jahre früher als Männer der höchsten Einkommensklasse – Tendenz steigend." Die Unterschiede bei den Lebensjahren in Gesundheit sind noch größer (Grafik).

"Drei Ursachengruppen sind dafür verantwortlich", sagt Meryn: "Die materielle Benachteiligung und erhöhten psychosoziale Belastungen, die oft schon ab der Geburt vorhanden sind. Zweitens die dadurch begünstigten gesundheitsschädigenden Lebensstile, die in der Kindheit erworben und im frühen Erwachsenenalter verfestigt werden. Und als drittes die erhöhten psychischen und körperlichen Belastungen durch Armut im Erwachsenenleben."

"Nein zu Krank und Arm" hat sich auf die Unterstützung bei psychischen und neurologischen Erkrankungen spezialisiert. Ob Depressionen, Burn-out oder Angsterkrankungen: Innerhalb von drei Jahren könnte ein Drittel der Betroffenen zur Gänze und ein weiteres Drittel zumindest teilweise wieder ins Berufsleben einsteigen – aber damit das gelingt, müsse es ausreichend Angebote, etwa für Psychotherapie, geben, betont Meryn. "Doch oft wird sie von den Kassen nur sehr kurzfristig bezahlt. Wir erleben immer wieder, dass man auf einen von der Kasse finanzierten Therapieplatz bis zu zwölf Monate warten muss – und das bei extrem schwierigen Familiensituationen bzw. schweren Erkrankungen, wo Eltern oder Kinder sofort Hilfe bräuchten. Das ist wie bei einem Vulkanausbruch: Da kann ich auch nicht sagen, warten wir mit den Rettungsmaßnahmen neun Monate."

"Nein zu Krank und Arm" finanziert mit Mitteln aus seinem Nothilfefonds zum Beispiel Selbstbehalte für Therapien und medizinische Geräte von Eltern und Kindern – von der Psychotherapie über Hörgeräte bis zu Insulinpumpen." Zunehmend werden Menschen über längere Zeiträume unterstützt und begleitet, wird nach nachhaltigen Lösungen ihrer Probleme gesucht. ",Gesundheit gemeinsam verantworten‘ ist hier unser Motto."

Ausgeschlossen

Armut bedeute aber auch, "von der Teilhabe an den wertvollsten gesellschaftlichen Gütern und Chancen ausgeschlossen zu sein oder nur sehr am Rande partizipieren zu können. Uns ist aber wichtig, die Menschen wieder stärker in die Gesellschaft zu integrieren", so Meryn. Etwa mit dem Projekt "Max und Lara gehen in die Oper" – Kindern und Jugendlichen und ihren Angehörigen wird dabei der Besuch von Kultur- und Sportveranstaltungen ermöglicht.

Für die Benefizveranstaltung im Akademietheater sind auch Patenschaftsspenden für Theaterbesuche möglich (siehe unten.). Meryn: "Vielleicht gibt es KURIER-Leser, die selbst am 5. 2. zwar auf Semesterurlaub sind und deshalb nicht kommen können, dies aber einem unserer Klienten ermöglichen wollen."

Benefizabend Am 5. 2. findet im Wiener Akademietheater die Voraufführung von „Das Konzert“ von Hermann Bahr mit Peter Simonischek, Regina Fritsch, Florian Teichtmeister, Stefanie Dvorak, u. v. m. statt – als Benefizveranstaltung für die Initiative „Nein zu Krank und Arm“. „Wir haben eine lange Liste von Klienten, die gerne kommen würden – für die wir aber noch Paten bräuchten, die die Kosten übernehmen“, sagt Jarmila Satrapa von der Hilfsorganisation.

Karten und Patenschaften Kartenbestellungen bzw. Vereinbarung einer Patenschaftsspende (95 Euro pro Karte oder Patenschaft) unter office@neinzukrankundarm.org
0664 / 50 50 944.
http://www.neinzukrankundarm.org

Spendenkonto Erste Bank, IBAN AT95 2011 1289 3091 9500