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80 Jahre
06/14/2015

Die 12 Gebote der Anonymen Alkoholiker

Die Selbsthilfegruppe feierte vor kurzem ihr 80-jähriges Bestehen. Woran sich Mitglieder halten.

Mein Name ist Bernd und ich bin Alkoholiker." "Hallo Bernd!", ruft die Gruppe zurück. Dieser Dialog ist regelmäßig bei Treffen der Anonymen Alkoholiker (AA) zu hören und auch außerhalb sehr bekannt. Seit 80 Jahren besteht die wahrscheinlich berühmteste Selbsthilfeorganisation der Welt bereits. Mehr als zwei Millionen Menschen sind aktives Mitglied und bekämpfen mithilfe der Gruppe ihre Alkoholsucht.

Ihr Gründer, Bill Wilson, hatte seine Gesundheit und seine Karriere als Börsenmakler ruiniert, als er die Organisation im Juni 1935 gründete. Er nüchterte damals in einer New Yorker Rehabilitations-Klinik aus. Drei Mal war er schon ins Krankenhaus eingewiesen worden, hatte kurz nach der Entlassung aber wieder zur Flasche gegriffen.

Gründungsmythos

Was in jenem Krankenhaus geschah, wird in der AA-Lektüre bis heute als Art heiliger Gründungsmythos überliefert: Wilson, der eine Infusion der auch als Belladonna bekannten Schwarzen Tollkirsche erhalten hatte, krümmte sich unter dem Qualen und den Halluzinationen des Gifts. Dann habe ein weißes Licht das Krankenzimmer erhellt, das selbst den erklärten Agnostiker Wilson verblüfft haben soll. Er habe sich wie auf einem Berg gefühlt, berichtete er später, umweht von einem Gefühl von Heiligkeit. Diese Erscheinung sei der Befreiungsschlag gewesen – danach rührte er keinen Tropfen mehr an.

Wilson verbreitete seine Botschaft und schrieb "Alcoholics Anonymous", bis heute die heilige Schrift von AA. Die zwölf Schritte auf dem Weg aus dem Alkoholismus sind eng an biblische Grundsätze angelehnt. Das ist nicht jedermanns Sache, doch auch nicht religiöse Menschen können die AA-Regeln anwenden.

Die 12 Schritte

1. Schritt: Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind – und unser Leben nicht mehr meistern konnten.

2. Schritt: Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.

3. Schritt: Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes – wie wir Ihn verstanden – anzuvertrauen.

4. Schritt: Wir machten eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren.

5. Schritt: Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber unverhüllt unsere Fehler zu.

6. Schritt: Wir waren völlig bereit, all diese Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen.

7. Schritt: Demütig baten wir Ihn, unsere Mängel von uns zu nehmen.

8. Schritt: Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt hatten und wurden willig, ihn bei allen wieder gutzumachen.

9. Schritt: Wir machten bei diesen Menschen alles wieder gut - wo immer es möglich war –, es sei denn, wir hätten dadurch sie oder andere verletzt.

10. Schritt: Wir setzten die Inventur bei uns fort, und wenn wir Unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.

11. Schritt: Wir suchten durch Gebet und Besinnung die bewusste Verbindung zu Gott – wie wir Ihn verstanden - zu vertiefen. Wir baten Ihn nur, uns Seinen Willen erkennbar werden zu lassen und uns die Kraft zu geben, ihn auszuführen.

12. Schritt: Nachdem wir durch diese Schritte ein spirituelles Erwachen erlebt hatten, versuchten wir, diese Botschaft an Alkoholiker weiterzugeben und unser tägliches Leben nach diesen Grundsätzen auszurichten.

Wer bei AA-Treffen zermürbte Gesichter und düstere Stimmung vermutet, liegt übrigens falsch. Die Teilnehmer lachen, scherzen, erzählen von ihrem Kampf gegen die Flasche, verabreden sich zum Picknick am Wochenende und gratulieren sich zu Etappen der Nüchternheit.

Mehr zu den Anonymen Alkoholikern in Österreich finden Sie hier...

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