Alzheimer ist eine der verbreitetsten Erkrankungen des Hirns.

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Alzheimer
09/19/2013

Puzzlestein für bessere Therapie

Ein neues Nahrungsergänzungsmittel wirkt im Frühstadium dem Gedächtnisverlust entgegen.

von Ernst Mauritz

Derzeit werden weltweit 70 Studien mit neuen Alzheimer-Medikamenten durchgeführt: „Aber in den vergangenen Jahren gab es auf diesem Gebiet keine Erfolgsnachrichten“, sagt Prim. Andreas Winkler, Leiter der Abteilung für Neurologische Rehabilitation der Klinik Pirawarth, NÖ, anlässlich des Welt-Alzheimer-Tages am Samstag. „Aber jetzt gibt es zumindest einen neuen Puzzlestein.“ Ein neues Nahrungsergänzungsmittel („Souvenaid“) – es wurde wie ein Arzneimittel in drei Studien mit 1000 Patienten unersucht – kann bei einer leichten Alzheimererkrankung die Gedächtnisfunktion signifikant verbessern. Konkret zeigte sich das nach zwölf Wochen bei 40 Prozent der Studienteilnehmer, in der Placebo-Gruppe waren es nur 24 Prozent. Wie lange der Effekt anhält, lässt sich derzeit noch nicht sagen: Positive Studiendaten sind derzeit für einen Zeitraum von sechs Monaten vorhanden, Langzeitdaten gibt es noch keine.

Das diätetische Lebensmittel enthält eine spezielle Nährstoffkombination von Aminosäuren, Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und Vitaminen. Winkler: „Es gibt fundierte Belege dafür, dass Patienten mit einer Alzheimer-Krankheit spezielle Ernährungsbedürfnisse haben und der Ersatz spezieller Nährstoffe dem Verlust von Synapsen (Kontaktstellen der Nervenzellen, Anm.) und ihrer Funktion entgegenwirken könnte.“ Die Einnahme sollte aber nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Eine Wirkung ist auch nur bei der frühen Alzheimer-Demenz nachgewiesen, im fortgeschrittenen Stadium zeigte sich kein Effekt. „Gesunde sollten das Mittel nicht vorbeugend einnehmen.“

Frühdiagnose wichtig

„Wir müssen viel sensibler auf die ersten Warnzeichen einer Demenz achten“, sagt Prim. Katharina Pils, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie. Eine Möglichkeit dazu wäre, im Rahmen der Gesundenuntersuchung einen kurzen Test zur geistigen Leistungsfähigkeit durchzuführen. „Und wir müssen Demenzerkrankungen aus der Ecke des Stigma herausholen – denn deshalb holen viele Angehörige viel zu spät Hilfe.“

Österreich braucht dringend einen nationalen Demenzplan, der u. a. Standards für die Behandlung und Betreuung festlegt“, sagt Antonia Croy, Präsidentin von „Alzheimer Austria“, einer Interessensvertretung von Betroffenen und ihren Familien. „Denn derzeit sind die Unterstützungsangebote regional sehr unterschiedlich.“

Mehr Krankheiten für Demenz verantwortlich als gedacht

Zwei krankhafte Veränderungen im Gehirn (siehe Grafik) gelten als Auslöser der Alzheimer-Demenz. Doch eine neue Studie der MedUni Wien, des SMZ-Ost und des Ludwig Boltzmann Institutes für Altersforschung (Journal Acta Neuropathologica) zeigt: Es gibt noch weitere krankhafte Veränderungen – verschiedene andere schädliche Eiweißablagerungen –, die oft in Kombination mit den beiden klassischen, Alzheimer-typischen Veränderungen im Gehirn auftreten: „Diese Kombinationen könnten erklären, warum manche Alzheimer-Erkrankungen sehr rasch, andere nur langsam voranschreiten“, sagt Hauptautor Gabor G. Kovacs vom Klinischen Institut für Neurologie, MedUni Wien.

In weiteren Studien soll geklärt werden, welche Kombinationen günstiger, und welche ungünstiger für die Patienten sind. „Unsere Ergebnisse bedeuten, dass man nicht auf ein Supermedikament gegen Alzheimer für alle warten kann. Die Behandlung wird sehr individuell sein müssen.“

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