Der Klimawandel macht keine Pause

PERU-FLOODS
Foto: APA/AFP/ERNESTO BENAVIDES Im März sorgte das Klimaphänomen "El Nino" in Peru für heftige Überschwemmungen

Von 1998 bis 2012 schien es nicht wärmer zu werden. Jetzt zeigt eine Untersuchung, dass das nicht stimmt: In Modellen wurden Äpfel mit Birnen verglichen.

Ganz neu ist die Erkenntnis nicht. Bereits 2015 fanden Forscher der National Oceanographic and Atmospheric Administration (NOAA) eine Erklärung dafür, warum die Temperaturen von 1998 bis 2012 je nach Messreihe gar nicht oder kaum anstiegen: In den Modellen seien unterschiedliche Daten oder Zeiträume betrachtet worden. Die Wissenschaftler hatten damals vor allem die Ozeantemperaturen analysiert. Ihr Fazit: Ein großer Teil der vermeintlichen Klimawandel-Pause ist dem veränderten Verfahren beim Messen der Meerestemperatur und vor allem dem Wechsel von Schiffsmessungen zu Bojen geschuldet.

Jetzt legen Forscher um Iselin Medhaug von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich nach: In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature argumentieren sie, dass die scheinbare Unterbrechung des Klimawandels für 15 Jahre nicht auf falsche Klimamodelle oder mangelhaftes Verständnis des Klimas zurückzuführen ist. Es sei vielmehr eine Folge davon, dass in den Modellen unterschiedliche Daten oder Zeiträume betrachtet wurden.

Delle in der Klimakurve

Als der Weltklimarat IPCC im Jahr 2013 seinen jüngsten Weltklimabericht veröffentlichte, sorgte eine Delle in der Klimakurve für Aufregung. Die Werte schienen auf eine verlangsamte Erwärmung hinzudeuten. Aber warum? Als Erklärungen für diese seltsame Klimawandel-Pause wurden eine verstärkte Pufferwirkung der Ozeane, stärkere Passatwinde und sogar die Schwefel-Emissionen Chinas bemüht.

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Manche Politiker, aber auch Wissenschaftler deuteten dies als ein Versagen der Klimamodelle – das Ausmaß des Klimawandels sei überschätzt worden. Der Mensch habe nichts damit zu tun. Einige leugneten sogar, dass es überhaupt einen Klimawandel gebe. Dem steht aber der Trend der vergangenen drei Jahre eindeutig entgegen: 2016 war das dritte Jahr in Folge, das den globalen Temperaturrekord seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880 gebrochen hat.

Umso mehr wollten die Schweizer Forscher wissen, wie es zu der scheinbaren Pause im Klimawandel hatte kommen können. Medhaugs Team sah sich die Problemfelder an:

Etwa wie in Studien diese Unterbrechung definiert wurde. Eine Definition besagt zum Beispiel, dass die durchschnittliche weltweite Lufttemperatur an der Oberfläche gesunken, nicht oder nur sehr leicht gestiegen ist. Dies treffe zwar auf kurze Zeitabschnitte zu, aber nicht auf längere.

Außerdem wurden bei der Aufbereitung der Messdaten die Lufttemperaturen und die Oberflächentemperaturen der Ozeane zusammengenommen, während die Modelle in der Regel nur die Lufttemperaturen berücksichtigten.

Weiters würden Klimafaktoren wie Feinstaub aus Vulkanausbrüchen oder die Sonnenaktivität meist nicht einkalkuliert.

Bei älteren Modellen beklagen die ETH-Forscher auch eine relativ geringe Abdeckung mancher Weltregionen durch Messreihen.

Wie real der Klimawandel ist, zeigen Veröffentlichungen der Weltwetterorganisation (WMO) in Genf im März über Temperaturrekorde in der Arktis: Auf dem Höhepunkt des Winters und der eigentlichen Gefrierperiode habe es Tage mit Temperaturen fast am Schmelzpunkt gegeben. Und spätestens mit den globalen Temperaturrekorden von 2014, 2015 und 2016 sollte das Klimawandelleugnen ohnedies ein Ende haben.

(kurier) Erstellt am
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