300 Jahre Maria Theresia: "Das Reserl von Wien"

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Foto: KURIER/Reinhard Vogel Maria Theresia verdanken wir auch das imperiale Schloss Schönbrunn in seiner heutigen Form.

Sie war nie Kaiserin, zählt aber zu den bedeutendsten Herrschern des Habsburgerreichs.

Das Wort Frauenquote war zu Kaisers Zeiten unbekannt – und doch war es eine Frau, die zu den mächtigsten, aber auch zu den fähigsten Herrschern des Hauses Habsburg zählte. In keiner anderen Epoche der Monarchie wurde so viel verändert, reformiert, der Neuzeit angeglichen wie in der der Kaiserin Maria Theresia.

Jedoch hoppla, sie war ja gar keine Kaiserin, dieser Titel wurde ihr – weil Frau – nie verliehen, offiziell war sie Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn. Weil man aber hierzulande die Frau eines Arztes Frau Doktor nennt, galt und gilt das auch im Fall der Maria Theresia. Ihr Mann, Franz Stephan I., trug den Titel Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, also blieb auch sie im Volksmund Kaiserin. Viel öfter genannt wurde sie aber, nicht nur im Wienerlied, "das Reserl von Wien". Auch wenn aus heutiger Sicht so mancher Schatten über ihrer Regentschaft liegt.

Die vielen Kinder

Die 300 Jahre nach ihrer Geburt (am 13. Mai 1717) unverminderte Popularität hat sie sich nicht nur durch bahnbrechende Reformen erworben, sondern auch weil sie das Kunststück zuwege brachte, über ein riesiges Reich zu herrschen, dabei fast jedes Jahr ein Kind zur Welt zu bringen und sich vorbildlich um den Nachwuchs zu kümmern.Es war nicht ganz so, wie man sich das vorstellen mag: Regieren von 8 bis 18 Uhr, dann ab in die Privatgemächer, in denen 16 Kinder herumtollen, mit ihnen spielen und sie dann zu Bett bringen. So war’s schon deshalb nicht, weil nie so viele Kinder auf einmal versammelt waren. Einige starben früh, der Rest wohnte aufgeteilt in verschiedenen Hofgebäuden, jedes Kind hatte seinen eigenen Hofstaat, bestehend aus Erziehern, Kammerdienern, Kammerfrauen, Kammerheizern und Kammertürhütern.Leicht hatte es die einzige Frau auf Österreichs Thron von Anfang an nicht. Maria Theresia war erst acht Wochen in Amt und Würden, als König Friedrich II. über das seit 200 Jahren österreichische Schlesien herfiel. Auch in den folgenden Jahren wurde die junge und anfangs auch unerfahrene Regentin von ihrem preußischen Feind, aber auch von anderen Nationen immer wieder auf die Probe gestellt. Erst nach Ende des Erbfolgekrieges gelang es ihr, Österreichs Machtstellung in Europa zu wahren, womit sie ihre Reformen angehen konnte.

Das erste Papiergeld

Zu ihren historischen Leistungen zählen neben Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahr 1774 ihre gewaltigen Verwaltungs-, Heeres- und Justizreformen. Sie förderte Industrie und Handel, ließ das erste Papiergeld drucken, baute neue Verkehrswege. Und wir danken ihr nebst anderen Schlössern auch Schönbrunn in seiner heutigen Pracht. Außerdem trat sie für eine Angleichung der Stände ein: "Ein Fürst besitzt keine andere Berechtigung", sagte sie ausgerechnet zu ihrem Staatskanzler, Fürst Kaunitz, "als jeder Privatmann".

LiebesheiratWährend Maria Theresia den alten Spruch "Tu felix Austria nube" für ihre Kinder sehr ernst nahm und diese meist gegen deren Willen zugunsten der Politik verheiratete, hat sie sich selbst eine Liebesheirat gegönnt – eine der wenigen bei den Habsburgern. Als sie im Februar 1736 Franz Stephan heiratete und damit das Haus Habsburg-Lothringen gründete, war sie 18 und er 27. Sie liebte ihn uneingeschränkt, er sie nicht minder, allerdings hatte er ständig Amouren, man weiß von den Sängerinnen Gabrielli und Astria, von den Gräfinnen Pálffy und Colloredo und seiner langjährigen Geliebten Wilhelmine von Auersperg. Maria Theresia lebte fast 30 Jahre mit der Schmach, von ihrem Mann betrogen zu werden.Als sich ihr einmal eine Kammerfrau mit ihrem Liebeskummer anvertraute, erteilte Maria Theresia dieser aus vollem Herzen den Rat: "Mein Kind, lass dich warnen! Heirate nie einen Mann, der nix zu tun hat!"

Franz Stephan hatte weit weniger zu tun als Maria Theresia, interessierte sich aber für Naturwissenschaften und Alchemie, gründete den Tiergarten Schönbrunn, in dem er die Vielfalt des Tierreichs erforschen ließ und war Mitglied einer Freimaurerloge.Maria Theresia war erst 48 Jahre alt, als sie den schmerzlichen Wendepunkt ihres Lebens erleiden musste. Am 18. August 1765 fand anlässlich der Hochzeit ihres Sohnes Leopold in der Hofburg zu Innsbruck eine Theatervorstellung statt. Der 56-jährige Franz Stephan applaudierte an deren Ende noch, verließ die Loge, wurde von einem Herzschlag getroffen und starb.

Der neue Mitregent

Die Herrscherin hat mit ihm nicht nur den geliebten Mann verloren, sondern auch eine wichtige Stütze in Regierungsfragen. Sohn Joseph, der politisch oft ganz anders dachte und mit seiner Mutter große Meinungsverschiedenheiten hatte, wurde anstelle des Vaters Mitregent.

Wie viel ihr die Zeit mit Franz Stephan bedeutet hat, zeigt eine Berechnung, die sich nach ihrem Tod auf einem handgeschriebenen Zettel in ihrem Gebetbuch fand: Die 29 gemeinsamen Jahre "waren 354 monat, 1416 wochen, 9912 täge, 237.888 stunden".

Nie wieder froh

Franz Stephans Tod hat ihr jegliche Freude genommen, sie konnte nie wieder richtig froh werden. "Ich habe den liebenswürdigsten aller Männer verloren", schrieb sie an eine Freundin, "er war der Trost meines harten Daseins; jetzt ist für mich nichts mehr da."

Sie starb 15 Jahre später, 63 Jahre alt, am 29. November 1780 in der Wiener Hofburg an "Wassersucht, Katarrh und Brand", wie die Leibärzte diagnostizierten. Selbst Friedrich II., ihr lebenslanger Gegner, zollte ihr zuletzt noch Respekt, als er aus Anlass ihres Todes schrieb: "Sie hat ihrem Thron und ihrem Geschlecht Ehre gemacht; ich habe mit ihr Krieg geführt, aber ich war nie ihr Feind."

(kurier) Erstellt am
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