Wissen und Gesundheit
23.12.2011

30.000 Frauen mit Risiko-Brustimplantat

Nach acht Krebsfällen in Frankreich könnten alle Implantate einer Firma getauscht werden. Auch Österreich ist betroffen.

Nach mehreren Krebsfällen sollen sich 30.000 Frauen in Frankreich ihre Brustimplantate entfernen lassen: Die französischen Gesundheitsbehörden sollen bis Ende der Woche einen entsprechenden Aufruf starten, berichtet die Zeitung Liberation. Bei acht Frauen, deren Implantate der Firma PIP (Poly Implant Prothese) gerissen waren, seien Krebserkrankungen aufgetreten. Auch einen Todesfall soll es geben. Bisher wurden mehr als 520 Implantate entfernt.

Die Implantate waren nicht mit dem angegebenen Silikongel gefüllt. Stattdessen habe die Firma ein „hausgemachtes und zehn Mal billigeres Gel“ verwendet, so ein Staatsanwalt. „Das Außenmaterial ist brüchiger und das Gel entzündungserregender als es sein sollte“, sagt Univ.-Prof. Marcus Müllner vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG).
„In Österreich wurden die Implantate von fünf Ärzten eingesetzt“, bestätigt Müllner dem KURIER. „Die genaue Zahl der Patientinnen ist nicht bekannt – die werden wir in den nächsten Tagen erheben.“ Das Gesundheitsministerium habe die Behörde beauftragt, sich mit den Frauen in Verbindung zu setzen.

Zusammenhang noch nicht erwiesen

Die fünf Ärzte seien bereits im September 2010 informiert worden, dass es Probleme mit den Implantaten gebe – damals wusste man aber noch nichts von dem Krebsverdacht.

„Der Zusammenhang mit den Krebserkrankungen ist aber noch nicht gesichert“, betont Müllner. „Es handelt sich um Riesenzell-Lymphome (Tumore des Lymphgewebes, Anm.). „Diese könnten theoretisch die Folge von chronischen Entzündungsprozessen sein, die durch die Implantate ausgelöst wurden. Das ist nicht unplausibel.“ In Österreich ist bis jetzt bei den Behörden noch keine Beschwerde einer Patientin eingelangt (in Frankreich gibt es 2000 Beschwerden).

Frauen, die ein Implantat von PIP besitzen, sollen ihren Arzt kontaktieren, rät Müllner. „Ist alles in Ordnung, empfehlen wir bis auf Weiteres nicht, dass das Implantat sofort entfernt wird.“ Erst müsse genauer untersucht werden, ob ein Zusammenhang zwischen den Implantaten und den Krebserkrankungen bestehe.