Wirtschaft 16.03.2016

Zwei magere Jahre für den Neubau von Wohnungen

Welche Normen sind für den  geförderten Wohnbau unverzichtbar? © Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

Die Preise für Grundstücke in Ballungszentren steigen weiter. Für die geplante Wohnbaubank fehlen nach wie vor Eigentümer.

Der Versuch, den Wohnungsneubau anzukurbeln, ist nicht von Erfolg gekrönt. Die Nachfrage nach leistbaren Wohnungen steigt weiter, aber es werden heuer und 2017 deutlich weniger geförderte Mietwohnungen fertiggestellt als im Vorjahr.

Der Obmann des Verbandes gemeinnütziger Bauträger, Karl Wurm, nennt als einen wesentlichen Grund dafür die vor allem in den Ballungszentren weiter steigenden Grundstückspreise. Es sei kaum möglich in Wien Baugrund zu kaufen, der weniger als 500 Euro pro Quadratmeter kostet. Bei schöneren Lagen würden die Preise 1000 Euro pro Quadratmeter übersteigen.

Voraussetzung für die Verwendung von Mitteln aus der Wohnbauförderung ist ein Grundstückspreis von maximal 250 Euro pro Quadratmeter. Bei Grundstückskosten, die diesen Betrag deutlich übersteigen, "ist geförderter Wohnbau nicht mehr möglich", lautete die Schlussfolgerung Wurms.

Durch die langen Genehmigungs-Verfahren komme es zudem häufig zu Verzögerungen bei der Terminplanung von Bauprojekten.

Eine Lösung all der Probleme wäre die Widmung von Bauland speziell für den geförderten Wohnbau. Laut Wurm wird derzeit auf Bundesebene daran gearbeitet, solche Widmungen durch ein Bundesgesetz zu erleichtern.

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Die Idee ist nicht neu. In Südtirol gibt es seit Jahrzehnten ein solches System. Bei der Umwidmung in Bauland werden Flächen für soziale Projekte reserviert. In Österreich gab es stets massive Widerstände gegen eine Zweckwidmung. Wegen der hohen Grundstückspreise scheint nun ein Umdenken möglich.

Finanzierung

Probleme gibt es nach wie vor mit der geplanten Wohnbau-Investitionsbank (WBIB). Über das Geldinstitut sollen Wohnbau- und Infrastrukturprojekte finanziert werden, die nicht zu 100 Prozent den Kriterien der Wohnbauförderung entsprechen. Wurm beklagt seit Langem, dass die anspruchsvollen Vorgaben der Wohnbauförderung zu hohen Baukosten führen. Konkret geht es dabei um Normen wie Schallschutz oder die Verpflichtung, eine bestimmte Anzahl von Stellplätzen für Autos zu errichten.

Allerdings ist nicht sicher, ob der Zeitplan für die Wohnbau-Investitionsbank eingehalten werden kann. Derzeit fehlen laut Wurm noch österreichische Wohnbau-Banken, die bereit sind, sich an der Wohnbau-Investitionsbank zu beteiligen. Für etwa 70 Prozent des Grundkapitals gibt es bereits Interessenten, für 30 Prozent gibt es derzeit allerdings noch keine Eigentümer.

( kurier.at ) Erstellt am 16.03.2016