Wirtschaft
07.09.2017

"Zur Zeit herrscht ein leistungsfeindlicher Trend"

Münze-Chef Starsich glaubt nicht an die bargeldlose Gesellschaft. Und er wünscht sich, dass Leistung und Einsatzbereitschaft wieder belohnt wird.

KURIER: Erste-Chef Treichl prophezeit eine bargeldlose Gesellschaft. Glauben Sie das auch?

Gerhard Starsich: Nein. Wir erwarten ein Nebeneinander von verschiedenen Zahlungssystemen. Beim Bargeld verlieren wir zwar Marktanteile, haben aber dennoch ein jährliches Wachstum von fünf bis sechs Prozent. Bargeld ist oft praktischer, aber immer sicherer und überschaubarer.

Wo zum Beispiel?

Im Taxi, bei der Trafik, beim Maronibrater.

In den USA zahlt man aber doch schon seit ewig auch winzige Beträge mit Kreditkarte.

Bei Kleinbeträgen ist die Kartentransaktion allerdings teurer als das Produkt. Dabei werden in die Kosten nicht einmal die Kulanzzahlungen für Betrugsfälle hineingerechnet. Das sind zig Millionen pro Jahr.

Wer mit Geldbündeln im Hotel zahlt, verwendet aber wahrscheinlich Schwarzgeld.

Er könnte genauso mit Bitcoins zahlen.

Im Hotel nicht wirklich.

Noch nicht. Ein bedeutender Teil des internationalen Schwarzgeldmarktes wird angeblich schon über Bitcoins abgewickelt. Eigentlich müssten sich die nationalen Parlamente oder die Kommission längst mit dieser Frage beschäftigen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder Bitcoins werden als Geld betrachtet, dann müssten sie so reguliert werden wie alle Finanztransaktionen. Oder Bitcoin sind eine Ware, dann wäre jede Transaktion mehrwertsteuerpflichtig. Zur Zeit bewegen wir uns in einem Zwischenbereich, die Bitcoiner lachen sich ins Fäustchen.

Bei einem Riesen-Stromausfall ist man mit Bargeld besser dran.

In Singapur wollte man 2008 das Bargeld abschaffen. Durch den Tsunami ist man draufgekommen, dass das für Katastrophenfälle eine ganz schlechte Idee ist.

In diesem Fall wären dann aber Goldmünzen vielleicht die stabilste Währung.

Ja eh, daher mache ich mir keine Sorgen (lacht). Wir haben alle in der Schule "1984" gelesen. Wollen wir diesen Prozess weiter fördern? "Bargeld ist geprägte Freiheit", lautet unser Slogan.

Die Asiaten sind ohnehin ganz wild auf Ihre Münzen!

Ja, die Japaner lieben unseren "Philharmoniker", sie sind sehr musikbegeistert. Weltweit verkaufen wir davon eine Million Stück in Gold. Wir haben auch Sammlermünzen mit begrenzter Auflage, wo sich die Leute um vier Uhr Früh anstellen.

Warum produzieren Sie dann nicht mehr?

Eine hohe Auflage zerstört das Jagderlebnis und die Wertsteigerungsphantasie. Den großen Run gibt’s derzeit auf Tiertaler und die bunten Niob-Münzen. Sie sind aus einem seltenen Metall. Die Oxidschicht verändert unter Hitze ihre Kristallstruktur. Die Münzen werden dadurch bunt, ohne bemalt zu sein. Auf die Relief-Münzen haben wir sogar ein weltweites Patent.

Gold ist in der Niedrizinsphase für Anleger interessant. Was ist besser: Goldbarren oder Münzen? Sie verkaufen ja beides.

Ich rate zu Münzen. Goldbarren sind leichter zu fälschen. Und bezahlen Sie im Falle einer Krise beim Fleischhauer mit einem Kilobarren Gold? Unsere Münzen werden weltweit gehandelt und angenommen.

Sie sind auch Präsident des Managementclubs. Ihre Wünsche an die nächste Regierung?

Zur Zeit herrscht leider ein leistungsfeindlicher Trend, und ich habe wie viele andere Führungskräfte große Sorge, dass wir auf eine zersplitterte Gesellschaft zusteuern. Manche Politiker schüren bewusst Neid. Ich kenne Leute, die kaufen sich wegen dieses sozialen Drucks absichtlich ein schlechteres Auto. Das ist in Deutschland anders. Wenn ich einen tüchtigen Industrieangestellten habe, dann soll der viel verdienen und ein schönes Auto fahren und sich nicht verstecken müssen. Leistung und Einsatzbereitschaft müssen belohnt werden, sonst kommen wir in eine Spirale nach unten. Das trifft auch die Universitäten.

Weil es Angst vor Elitenbildung gibt?

Ja, aber dadurch wird die Gesellschaft in Wahrheit sogar undurchlässiger. Dadurch, dass alles runternivelliert wird, geben zum Beispiel die, die es sich leisten können, ihre Kinder in eine Privatschule. Es war ein großer Verdienst von Bruno Kreisky, dass seinerzeit alle eine öffentliche Schule besuchen konnten. Das Gymnasium war für jetzige Begriffe ein Elitegymnasium. Heute erzählen Schulberater von erschreckend vielen Kindern, die den Berufswunsch "AMS" äußern. Man muss den Leuten wieder Leistungs- und Einsatzbereitschaft schmackhaft machen und ihnen sagen: Bilde dich, dann bist du glücklicher. Und außerdem wirst du belohnt. Wobei natürlich niemand fallengelassen werden darf, der an seinem Schicksal schuldlos ist.

Was wünschen Sie sich für die Universitäten?

Unsere Musikuniversität ist unter den ersten drei der Welt. So etwas brauchen wir auch in der Technik.

Wir haben Leoben.

Stimmt, das ist aber eine sehr kleine Sparte. Es gibt auch einzelne tolle Institute, aber wir brauchen eine technisch-naturwissenschaftliche Universität von Weltruf. Die sollen sich die Studenten aussuchen dürfen – und diese sollen, umgekehrt, auch wieder die Professoren bewerten. Ich finde die Studieneingangsphase sehr fair – an der ETH Zürich dauert sie ein Jahr. Das heißt nicht, dass sie so lange sein muss. Aber man sollte den jungen Leuten zu Beginn sagen, ob sie geeignet sind – und nicht wie bei uns, die letzte Prüfung zur schwersten Hürde machen. Ein Problem ist auch die Professorenentlohnung. Ich würde sie ordentlich bezahlen, Nebenverdienste verbieten. Und sie müssten Geld aus der Privatwirtschaft für das Institut mobilisieren.

Seit 4.30 Uhr wird gewartet

Die Warteschlange vor dem Shop der Münze Österreich ist um 8.30 Uhr schon deutlich über 50 Meter lang. Ein älterer Herr hat es sich im mitgebrachten Gartensessel vor dem Eingang des Shops am Wiener Heumarkt bequem gemacht. Die Frage; wann er gekommen ist, kostet ihn nur ein mildes Lächeln „Ich bin seit 4.30 Uhr da.“

Eine Dame, die seit 6.30 Uhr wartet, steht schon ein gutes Stück vom Eingang entfernt.
Für den Andrang beim Shop gibt es einen guten Grund, nämlich die Erstausgabe neuer Münzen. Das neueste Objekt der Begierde ist ein Geldstück mit einem Eisvogel zum Nennwert von drei Euro und einem Kaufpreis bei der Erstausgabe von 9,90 Euro. Die Münze hat eine Besonderheit. Das Motiv leuchtet im Dunkeln.

50.000 Stück

Die Auflage von 50.000 Stück wird rasch ausverkauft sein. So war es auch bei drei Tiermünzen derselben Serie, die davor ausgegeben worden waren.Die Homepage der Münze Österreich war jedenfalls am Mittwochvormittag wegen des Ansturms der Münzsammler offline.
Es gibt auch die Möglichkeit, über Münzklubs ein Münzabo zu bestellen. Dann müsste man sich nicht anstellen. Doch Sammler haben gute Gründe, die Wartezeit bei der Erstausgabe in Kauf zu nehmen, weiß Manfred Matzinger-Leopold, Direktor der Münze Österreich. „Die Sammler können sich die Münze bereits am ersten Tag der Ausgabe persönlich abholen.“ Bei einem Abo dauert es einige Tage, bis die Münze eintrifft. A. Anzenberger

Honig auch als „flüssiges Gold“

Mehr als 100.000 neue Mitarbeiter produzieren jährlich etwa 200 Kilo „flüssiges Gold“ für die Münze Österreich. Alles am eigenen Dach. „Flüssiges Gold“ ist der Markenname des Honigs von den Bienenstöcken am Haus der Münze Austria. Durch die unmittelbare Nähe von Stadtpark und Prater ist das Pollensammeln kein Problem. Die Bienen haben es sogar leichter als wenn der Bienenstock nur von landwirtschaftlichen Monokulturen mit kurzer und auch einheitlicher Blühzeit umgeben ist.

Ähnlich wie auch der Baukonzern Porr gehört jetzt auch die Münze zur Kategorie der Stadtimker. Die Annahme, dass Honig von Stadtbienen höhere Schadstoffwerte aufweist als Honig von Landbienen, konnte bei Tests nicht bestätigt werden. „Flüssiges Gold“ ist ein durchaus passender Name für den Honig der Münzprägeanstalt. 50 Gramm werden im Shop im kleinen Glas für drei Euro verkauft. Da kostet das Kilo Honig satte 60 Euro.

Bioqualität

Von solchen Preisen können die heimischen Imker nur träumen. Österreichischer Imkerhonig kostet im Lebensmittel-Einzelhandel rund 14 Euro das Kilo. Bei Bioqualität dürfen es auch ein paar Euro mehr sein. Billig-Honig aus dem Ausland ist ab sieben Euro zu haben.
An den hohen Importen wird die zusätzliche Produktion in der Stadt nicht viel ändern. 2015/16 wurden in Österreich laut Landwirtschaftsministerium etwa 5000 Tonnen Honig produziert. Der Selbstversorgungsgrad beträgt derzeit unter 50 Prozent.