Wirtschaft
05.12.2011

Zuckerbrot und Steuer

Schwellenländer wie China sind die neuen Auto-Großmächte. Warum das ihre Regierungen unter Zugzwang bringt.

Eines haben Kauf-Aspiranten in Schwellenländern mit den meisten Autokäufern in Industrieländern gemeinsam: Freiwillig zahlen sie nichts für spritsparende Maßnahmen. Sie können es sich auch nicht leisten. "Kunden in Schwellenländern versuchen immer das billigste Auto zu bekommen", so Yoshihiko Matsuda, Toyota, auf dem Wiener Motorensymposium von Prof. Lenz.

Neue Herausforderung

Matsuda rechnet damit, dass 2030 in Schwellenländern wie China, Russland, Indien, Brasilien mehr Autos fahren werden als in allen OECD-Ländern (westlichen Industriestaaten) zusammen. Das sei eine große "Herausforderung für die Treibhausgasreduktion, Luftqualität und Energie-Sicherheit."

Es liegt an den einzelnen Regierungen, durch entsprechende Rahmenbedingungen für umweltfreundlichere Fahrzeuge zu sorgen. "Wenn die Staaten entsprechende Steuern schaffen, können wir auch in Schwellenländern umweltfreundlichere Systeme in Autos einbauen", so Thomas Stephens, Chefentwickler von GM.

Besonders strikt geht inzwischen China vor, wie Karl-Thomas Neumann, VW-Chef in China, auf dem Motorensymposium aus eigener Erfahrung berichtete. So dürfen Autos mit Verbrennungsmotoren etwa in Peking nicht an allen Tagen fahren. E-Autos dagegen schon. Die Steuern auf Motoren mit mehr als 3 Liter Hubraum wurden enorm erhöht. Auto-Zulassungen werden limitiert.

Die CO2-Reduktionsziele werden dagegen stufenweise drastisch erhöht. Wohl auch, um die enorme Ölimportabhängigkeit zu senken. So soll etwa der Flottenverbrauch von 2012 bis 2015 auf 7 l/100 km und danach auf 5,9 l/100 km (inklusive E-Mobile) gesenkt werden. Gleichzeitig sollen aber künftig neue Autos zumindest in Großstädten aktuelle EU-Abgasstandards erfüllen.

Chinas Regierung hat, so Neumann, auch erkannt, dass E-Mobile mit Strom aus Braunkohle-Kraftwerken die Emissionen nur verlagern. Pro Kilometer entstehen so 188 g . Einen Ausweg sieht die Regierung in der Errichtung von AKW. Neben den bestehenden 11 sind 30 in Bau, bis 2030 plante China weitere 60 AKW. Nach der Katastrophe in Japan wurde der Bau neuer AKW aber gestoppt, so Neumann.

Chancen

Grundsätzlich besteht aber gerade in den Schwellenländern, wo die Massen-Motorisierung erst beginnt, eine gute Chance für alternative Antriebe. Neben der E-Mobiliät in Städten ist dies vor allem Ethanol in Lateinamerika und Südafrika, so Matsuda.

In den Industriestaaten dagegen sieht Stephens, GM, keine schnelle Wende. Nach wie vor tanken hier fast 98 Prozent der Autos Benzin oder Diesel. Das werde sich nur langsam ändern, weil einfach "der Kfz-Bestand so groß ist."

Milliarden für die Elektro-Mobilität

China ist bereits der größte Automobilmarkt der Welt und als Hersteller so groß wie die USA und Japan zusammen. Aber China soll künftig auch bei der E-Mobilität weltweit führen. Dafür sieht die Regierung Folgendes vor:

- Bis 2020 sollen 5 Mio. E-Pkw in China fahren, 11 % des Gesamtmarktes. In Zukunft würden dort 6 bis 10 Mal mehr E-Fahrzeuge verkauft als in Deutschland.

- In 25 Demonstrations-Städten soll die E-Mobilität "geprobt" werden. In diesen Städten, so Neumann, VW-Chef in China, wird der Kauf eines E-Mobils (privat oder für Betriebe) bis 2012 mit 6500 € vom Staat gefördert, dazu kommen 7500 € von den Städten. Zum Vergleich: Das mittlere Einkommen eines Chinesen beträgt 8000 € Jahr.

- Insgesamt will die Regierung 10,7 Mrd. € in den Aufbau der E-Mobilität investieren (inkl. Infrastruktur).

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