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Telekom
11/21/2013

Zornige Aufsichtsräte, fatale Folgen der teuren Frequenzen

Die Tage des glücklosen Finanzvorstands Hans Tschuden dürften gezählt sein.

von Andrea Hodoschek

Sitzung des Telekom-Kontrollgremiums am 12. November. Die Aufsichtsräte packten schon ihre Aktentaschen. Was Finanzvorstand Hans Tschuden zum Abschluss lapidar unter dem Punkt „Allfälliges“ erwähnte, ließ das Gremium allerdings schnell wieder die Plätze einnehmen.

65,1 Millionen Euro Verlust wurden aus einem vor drei Jahren abgeschlossenen Zins-Swap realisiert. Auch für ein Großunternehmen wie die Telekom nicht gerade eine Kleinigkeit. Man hatte sich gegen steigende Zinsen abgesichert. Pech nur, dass die Zinsen nach unten gingen. Doch nicht so sehr der Hedge-Verlust empörte die Aufsichtsräte, so was kann bei Swaps eben passieren, sondern die Art der Kommunikation. Vor allem Vize-PräsidentRonny Pecik(Bild) soll, ist zuhören, mit scharfer Kritik nicht gespart haben. Aber auch andere Aufsichtsräte goutierten diese Vorgangsweise gar nicht.

„Laut Geschäftsordnung sind Absicherungen nicht aufsichtsratspflichtig, weil Teil des operativen Geschäfts. Im Dezember 2012 wurde der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates sehr wohl über diese Zinsabsicherung informiert“, argumentiert Tschuden. Der Verlust wurde freilich erst heuer realisiert.

In Zeiten wie diesen und bei der angespannten Finanzlage der Telekom sollte sich das Management nicht formalistisch auf veraltete Geschäftsordnungen berufen, sondern besser informieren, monieren die Aufsichtsräte. „Der Deal ist in Ordnung und korrekt verbucht. Die Kommunikation hat möglicherweise eine Rolle gespielt“, kalmiert TA-Aufsichtsratspräsident Rudolf Kemler, Chef der Staatsholding ÖIAG, gegenüber dem KURIER. Pecik war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Das Thema wird auf der nächsten Aufsichtsratssitzung im Dezember auf der Tagesordnung stehen. „Wenn die Aufsichtsräte sich mehr Kommunikation wünschen, werden wir dem nachkommen“, sagt Kemler. Die internen Richtlinien würden entsprechend nachgeschärft.

Tschuden dürfte mit dieser patscherten Aktion seine Kritiker in Aufsichtsrats- und Aktionärskreisen endgültig gegen sich aufgebracht haben. Nicht nur Kapitalvertreter, auch die Betriebsräte nahmen die Finanz- und Dividendenpolitik wiederholt ins Visier. Gut möglich, meinen Insider, dass Tschuden 2014 abtreten muss. Bis zum März 2014 muss der Aufsichtsrat entscheiden, ob Tschuden für die zweite Phase seines insgesamt bis 2017 laufenden Vorstandsvertrags verlängert wird.

Während die Telekom (TA) permanent beteuert, für das operative Geschäft keine Kapitalerhöhung zu benötigen, sehen das alarmierte Kapitalvertreter ganz anders: „Nur noch rund 300 Millionen Euro Cash und eine Nettoverschuldung von fast vier Milliarden Euro, aber das Management will den Ernst der Lage nicht wahrhaben.“ Nach dermilliardenteuren Versteigerung der Mobilfunk-Frequenzen stuften die Ratingagenturen die Bonität der Telekom, wie berichtet, zurück. „Noch eine Stufe hinunter, und wir sind auf Junk-Bond-Niveau“, befürchten TA-Kontrollore höhere Refinanzierungskosten. Die Milliarde für die Frequenzen soll aus der Liquidität und zum Großteil über eine Unternehmensanleihe oder Kredite finanziert werden. „Die Versteigerung ist der Telekom-Control-Kommission entglitten“, ärgert sich Kemler. Die Liquidität, die man nun für die Frequenzen ausgeben müsse, „hätten wir in sinnvolle Akquisitionen investieren können“. Die Telekom musste aus diesem Grund aus dem Rennen um den vielversprechenden serbischen Kabelnetzbetreiber SBB aussteigen. „Erschüttert“, sagt Kemler, sei er „von der Ignoranz und Nichtkommunikation“ der Kommission bei der vorherigen Anhörung der Bieter gewesen. Der ÖIAG-Chef verweist auf den zehn Mal größeren Markt Deutschland, wo die Frequenzen um vier Milliarden Euro versteigert wurden. „Wir haben die niedrigsten Kundentarife Europas und mussten am meisten zahlen.“ Obnach T-Mobileauch die Telekom gegen die Auktion vor die Höchstgerichte geht, werde derzeit geprüft.