Sports Direct-Filiale in Brighton.

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Wirtschaft
09/09/2016

"Zero hours"-Verträge: Sports Direct erneut im Visier

Angeprangert werden Arbeitsbedingungen, "die mehr Ähnlichkeit mit viktorianischen Zuchthäusern haben als mit einem modernen und anständigen Handelshaus"

Der britische Sportartikeldiskonter Sports Direct steht in Großbritannien erneut wegen seiner Arbeitsbedingungen unter Beschuss, die Aktie ist schon das ganze Jahr auf Talfahrt. Sports Direct sei ein "besonders schlechtes Beispiel für ein Unternehmen, das seine Arbeiter ausbeutet, um seine Gewinne zu maximieren", heißt es in einem britischen Parlamentsbericht, aus dem Die Presse am Freitag zitiert.

Sports Direct-Gründer Mike Ashley gelobte Besserung und versprach "einer der besten Arbeitgeber Großbritanniens" zu werden. Angesichts der anhaltenden Kritik entzogen die Aktionäre dem Vorstandsvorsitzenden Keith Hellaweel vorgestern bei der Hauptversammlung das Vertrauen, Mehrheitseigentümer Ashley blockierte diese Entscheidung aber. Stattdessen ließ er erstmals einen Gewerkschaftsvertreter in den Vorstand wählen.

Angeblich Verwarnungen wegen Trink- und WC-Pausen

Angeprangert werden vor allem die Arbeitsbedingungen, "die mehr Ähnlichkeit mit viktorianischen Zuchthäusern haben als mit einem modernen und anständigen Handelshaus", steht in dem Parlamentsbericht. So werde man für Trink- und WC-Pausen verwarnt, wer zu spät kommt, dem drohen Lohnabzüge.

Auf Abruf, ohne Sicherheit

Zudem würde Sports Direct einen Großteil seiner 17.000 Mitarbeiter nach umstrittenen Null-Stunden-Verträgen ("zero hours" contracts) beschäftigen. Dabei arbeiten die Beschäftigen nur dann, wenn sie vom Arbeitgeber gebraucht werden - stehen also auf Abruf bereit und haben keine Sicherheit.

Bei der Hauptversammlung kündigte Ashley an, innerhalb eines Jahres "alles in Ordnung" bringen zu wollen. Arbeitnehmervertreter warnen aber, dass Ashleys Versprechen zu den "Null-Stunden-Verträgen" nur für die vergleichsweise kleine Zahl der Verkaufsmitarbeiter gelte. "Die "überwältigende Mehrheit" werde über Zeitarbeitsfirmen für Lagerarbeit kurzfristig angeheuert, viele von ihnen sind osteuropäische Einwanderer", schreibt die Die Presse.

Sports Direct musste aufgrund der schwachen Geschäftsentwicklung in Österreich erneut Millionen-Abschreibungen für die Tochter (vormals Sport Eybl/Sports Experts) vornehmen, wie im Juli mitgeteilt wurde. Die genaue Höhe der Abschreibungen bezifferte der Sporthändler aber nicht. Die Gesamtsumme für Sonder-Abschreibungen belief sich laut den vorläufigen Geschäftszahlen für 2015/16 auf 58,5 Mio. Pfund (68,6 Mio. Euro).

"Die Umstellung der ehemaligen Eybl Megastores dauert länger als erwartet und der Umsatzverlust in diesen Kategorien ist schwieriger zu ersetzten als erwartet", schreibt Sports Direct. Die Anzahl der Filialen in Österreich ist bis Ende April 2016 im Vergleich zum Vorjahr von 46 auf 42 gesunken.