Wirtschaft
05.12.2011

Zehn Prozent Inflation in der Eurozone?

Der deutsche Ökonom Lüder Gerken rechnet damit, dass die meisten Regierungen in der Eurozone zehn Prozent Inflation hinnehmen würden.

Seit Mai 2010 kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen - entgegen ihren Statuten. Anleihen im Wert von 203,5 Mrd. Euro hält die Zentralbank aktuell in ihren Büchern - überwiegend von Schuldenstaaten wie Griechenland und zuletzt auch Italien. Die EZB begründet die Käufe mit der Stützung der Märkte, marode Staaten müssen so keine utopischen Zinsen für ihre Schulden bezahlen. Doch: Je weiter die EZB ihre Geldschleusen öffnet, umso größer ist die Gefahr der Geldentwertung.

Der deutsche Ökonom Lüder Gerken hat nun vor einer Inflationsrate von knapp unter zehn Prozent in der Eurozone gewarnt. Er rechne damit, dass die meisten Regierungen in der Eurozone und die EZB politisch eine Inflationsrate von knapp unter zehn Prozent in Kauf nähmen, "in der Hoffnung, dass die Deutschen dabei nicht allzu sehr aufmucken", sagte der Vorsitzende des Freiburger Centrums für Europäische Politik der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Dienstag. Inflationsgefahr drohe insbesondere, wenn die EZB den bereits begonnenen Aufkauf von Staatsanleihen hilfsbedürftiger Euro-Länder stark ausweite.

Eurobonds

Der Wirtschaftsprofessor warnte zudem vor einer Ausgabe gemeinsamer europäischer Staatsanleihen, der sogenannten Eurobonds. "Damit würden die Anreize in den hilfsbedürftigen Staaten deutlich gesenkt, sich zu reformieren und wettbewerbsfähige Wirtschaftsstrukturen aufzubauen", sagte Gerken und ist damit voll auf Linie mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Kritisch äußerte sich Gerken ebenfalls zu den sogenannten Elite-Bonds für Euro-Staaten mit hoher Kreditwürdigkeit. "Es bestünde die Gefahr, dass sie doch auf hilfsbedürftige Staaten ausgedehnt würden." Die Frage sei, welchen Nutzen gemeinsame Anleihen wirtschaftlich starker Euro-Staaten hätten, wenn nicht den, marode Euro-Staaten zu stützen.

Die deutsche Regierung hatte zuvor einen Pressebericht über die Einführung gemeinsamer Anleihen der sechs Euroländer mit der höchsten Kreditwürdigkeit dementiert. Es gebe keine Planungen für "Elite-Bonds", sondern es werde weiter an einer "Stabilitätsunion" gearbeitet, erklärte das deutsche Finanzministerium am Montag. Auch in Wien wurden Berichte über "Elite-Bonds" dementiert.