Hand counting money, closeup on blue background with reflections

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Umfrage
08/27/2013

Zahlungsmoral: Öffentliche Hand lässt sich viel Zeit

Bund, Länder und Gemeinden zahlen Rechnungen erst nach 41 Tagen.

von Kid Möchel

Die Zahlungsmoral von Bund, Länder und Gemeinden ist noch nicht europareif. Zwar verpflichtet die EU die öffentliche Hand seit März 2013, Rechnungen binnen maximal 30 Tagen zu begleichen, doch die Realität sieht hierzulande anders aus. Das belegt eine Umfrage des KSV1870 unter 2500 Unternehmen. In Wien und in der Steiermark dauert es im Durchschnitt 44 Tage, bis der öffentliche Sektor seine Lieferanten bezahlt, in Niederösterreich und im Burgenland 43 Tage; gefolgt von Oberösterreich mit 41 Tagen. Indes ist die Zahlungsmoral in Kärnten und in Vorarlberg fast vorbildlich. Mit 33 bzw. 32 Tagen Zahlungsdauer (Zahlungsziel plus Zahlungsverzug) liegen sie nur knapp über der EU-Vorgabe. „Im bundesweiten Durchschnitt warten Unternehmen nach wie vor 41 Tage auf die Begleichung der Rechnungen durch Bund, Land und Gemeinden, das ist ein Tag weniger als im Vorjahr“, weiß Johannes Eibl, oberster Forderungsmanager des KSV1870. Es gibt somit eine Tendenz zu einer besseren Zahlungsmoral.

Sonderfall Burgenland

Fakt ist auch: Nur 25,2 Prozent der öffentlichen Kunden sind säumige Zahler. Sie lassen sich im Schnitt aber zehn Tage länger Zeit, als es in der Privatwirtschaft üblich ist. „Im Osten Österreichs zahlen die Unternehmen ihre Rechnungen im Schnitt sogar um zwölf Tage schneller als die öffentliche Hand“, ergänzt Eibl. „Je größer die Bundesländer, desto später wird gezahlt.“ Mit einer Ausnahme: dem Burgenland. Beim Zahlungsverzug führt das Burgenland klar. Im Vergleich zum Vorjahr dauert es nämlich eine Woche länger, bis die pannonischen Gebietskörperschaften ihre Rechnungen beglichen. Zwölf Tage schießen die Burgenländer über das Zahlungsziel von 31 Tagen hinaus. „Die öffentliche Hand ist ein ganz wesentlicher Auftraggeber der Wirtschaft“, sagt KSV1870-Geschäftsführer Johannes Nejedlik. „In gewissen Regionen haben Kommunen als Auftraggeber eine gewisse Macht, die sie ausspielen.“ Da nützt es wenig, dass die EU-Zahlungsverzugsrichtlinie den Unternehmen einräumt, säumigen Auftraggebern Verzugszinsen in Höhe von 9,2 Prozent auf den Basiszinssatz aufzuschlagen.

Mächtige Auftraggeber

Mehr als 90 Prozent der befragten Unternehmen zieht etwaige Strafzahlungen gar nicht in Betracht. „Sie haben Angst den öffentlichen Sektor als Kunden zu verlieren“, weiß Eibl. Die Unternehmen wollen weiter mit Bund, Ländern und Gemeinden im Geschäft bleiben – auch wenn es oftmals zäh ist.

Indes hat sich das Zahlungsverhalten österreichischer Unternehmen nicht verändert. Die Zahlungsdauer beträgt wie im Vorjahr 31 Tage. Drei Viertel der Firmen zahlen pünktlich. Das Gros nützt auch Preisnachlässe (Skonti) bei kurzfristiger Bezahlung aus. Eibl: „In zwei Drittel der Fälle, in denen Skonti angeboten werden, werden diese angenommen.“

Auch bei den Privatkunden hat sich die Zahlungsmoral nicht verschlechtert. Sie begleichen im Schnitt nach 18 Tagen ihre Rechnungen. Die burgenländischen Privatkunden zahlen schon nach 16 Tagen – damit haben sie die niedrigste Zahlungsdauer.

GmbH light wird gerne von bestehenden Firmen genutzt

Seit 1. Juli ist die Gründung einer sogenannten GmbH light möglich. Dies ist mit deutlich weniger Kapital und Kosten verbunden als bei einer „normalen“ GmbH. Laut KSV wurden im Juli insgesamt 699 GmbH gegründet. Davon waren 340 light, wovon 147 mit anderen, bereits bestehenden Unternehmen verknüpft sind. Davon wiederum seien 56 Unternehmen von namhaften und etablierten Unternehmen gegründet worden.

Während die Wirtschaftskammer die GmbH light als wichtigen Impuls für die Wirtschaft feiert, erneuerte der KSV die Kritik daran. Von einem Gründerboom könne angesichts der Zahlen keine Rede sein. Zudem warnten die Kreditschützer davor, dass es durch die geringe Kapitaleinbringung für Gläubiger noch schwieriger werde, ihre Rechte durchzusetzen. Der KSV empfiehlt, sich noch genauer über Geschäftspartner zu informieren.

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