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Wirtschaft
12/05/2011

Wolong will ATB-Motor auf Touren bringen

A-TEC-Abverkauf: 105 Mio Euro zahlt die chinesische Wolong-Gruppe für die ATB. Der Umsatz soll binnen fünf Jahren verdoppelt werden.

von Andreas Anzenberger

Nach dem Scheitern des Insolvenzverfahrens wird der Mischkonzern A-TEC von Mirko Kovats wie berichtet einzeln abverkauft. Das erste Filetstück sicherte sich die Wolong-Gruppe: Der Kauf der ATB-Antriebstechnik ist für die Chinesen eine Premiere. Zum ersten Mal wurde ein Unternehmen außerhalb von China erworben.

Der Kaufpreis beträgt - abhängig von den Bankenforderungen - zwischen 100 und 105 Millionen Euro. Außerdem sollen 35 Millionen Euro für die Begleichung von Verbindlichkeiten als Kapitalreserve zurückgestellt werden. Geplant ist eine Verdoppelung des Umsatzes binnen fünf Jahren Das Ergebnis soll binnen drei Jahren verdoppelt werden. Im ersten Halbjahr 2011 waren es 12,4 Millionen Euro. Für das Engagement der Chinesen gibt es Gründe: Wolong produziert ebenfalls Motoren. Die ATB-Produktpalette mit Spezialmotoren für Tunnelbelüftungen, Pumpen von Ölleitungen oder auch Elektro-Rasenmähern ist daher eine passende Ergänzung.

Synergieeffekte

Der neue und alte ATB-Chef Christian Schmidt formuliert es so: "Eins plus eins ist in diesem Fall nicht zwei, sondern zweieinhalb."Außerdem will Wolong auch stärker am europäischen Markt präsent sein.

Befürchtungen, es könnten nun Mitarbeiter am Standort Spielberg abgebaut, oder die Produktion nach China verlagert werden, versuchte der Vorstandsvorsitzende von Wolong, Jiancheng Chen, zu zerstreuen: Dieser Schritt sei nicht geplant. Vielmehr soll in Europa ein Zentrum für Forschung und Entwicklung der gesamten Wolong-Gruppe entstehen. Der Standort wurde noch nicht festgelegt.

Der Treuhänder der insolventen A-TEC, Matthias Schmidt, kann noch nicht genau sagen, was der Verkauf von ATB an die Chinesen für die A-TEC-Gläubiger bedeutet. Der
Verkaufspreis sei jedenfalls "eine gute Basis für eine ansprechende Quote."
Die 1984 gegründete Wolong-Gruppe erwirtschaftete 2010 mit über 6000 Mitarbeitern einen Umsatz von 700 Millionen Euro.

Chinesische Investments: Zulieferer FACC, Mobilfunker ZTE

Flugzeuggeschäft Das erste größere Engagement eines chinesischen Unternehmens in Österreich war die Übernahme des Flugzeugzulieferers FACC mit Mehrheitseigentümer Hannes Androsch durch die chinesische XAC im Oktober 2009. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt. Investiert wurden seitdem 60 Millionen Euro. Die Zahl der Jobs blieb mit 1580 konstant, der Vorstand österreichisch. Die Chinesen brachten FACC aus der Verlustzone, im Geschäftsjahr 2010/'11 (bis 28. 2.) betrug der operative Gewinn 26,3 Mio. Euro. Seit dem Vorjahr ist der chinesische Telekomriese ZTE in Österreich vertreten. Mit 130 Mitarbeitern, zum Teil Chinesen, werden u. a. Services für "3" durchgeführt.