Wirtschaft 05.12.2011

Wohlig warm für nur 20 Cent am Tag

Eine Studie zeigt, wie es sich in der größten Passivhausanlage in Tirol leben lässt. Der Energieverbrauch sinkt um 90 Prozent.

Minimale Heizkosten bei hohem Wohnkomfort - ein hohes Ziel, das sich der gemeinnützige Bauträger "Neue Heimat Tirol" auf dem Lodenareal, der weltweit größten und 51,8 Mio teuren Passivhausanlage, gesetzt hat. 354 Mietwohnungen mit 26.000 Nutzfläche entstanden seit 2007 in der Innsbrucker Reichenau.

Ob die neue Bautechnik hält, was sie verspricht, klärt ein Forschungsprojekt zu Energieverbrauch, Wohnkomfort und Zufriedenheit. Am Donnerstag wurden erste Ergebnisse präsentiert.

"Ein Musterprojekt, die ersten Ergebnisse sind sensationell" schwärmte Landeshauptmannstellvertreter Anton Steixner. Denn: Die Heizkosten einer 80 großen Wohnung liegen hier bei nur sechs Euro im Monat. "Die Bewohner sparen rund 90 Prozent an Energiekosten. Wir rechnen mit 60 bis 70 Euro - bei einer konventionellen Wohnung muss man 600 bis 700 Euro im Jahr veranschlagen", erklärte Bruno Oberhuber vom Verein "Energie Tirol", der die Studie durchführt. Es wurden 18 Wohnungen untersucht, "quer Beet, um Nutzer-Einflüsse möglichst auszuschließen."

Gute Noten

Gute Noten gab es auch für die Wohnqualität: Mehr als 90 Prozent der Mieter sind "sehr" bzw. "eher zufrieden." Als die Mieter im Herbst 2009 einzogen, wurde der Hausmeister mit Fragen bombardiert. Diese seien inzwischen selten geworden. Dass die Technologie so reibungslos funktioniert, war anfangs nicht klar. "Die Lüftungssysteme sind mittlerweile technisch viel besser und auch einfacher geworden", erklärte Oberhuber.

Bedenken gab es, ob das Prinzip bei städtischen Mietwohnungen funktioniert. "Man nahm an, es braucht eine gewisse Lebenseinstellung, um sich in einem Passivhaus wohlzufühlen", betonte Steixner. Die Zweifel erwiesen sich als unbegründet. Die Erkenntnisse des Projekts sollen in weitere Anlagen und die Tiroler Energiestrategie einfließen. Die Mehrkosten beim Bau wurden über die Wohnbauförderung finanziert.

Passivhaus: Die Besonderheiten

Definition Ein Passivhaus ist ein Gebäude mit einer Lüftungsanlage, das aufgrund seiner guten Wärmedämmung keine klassische Heizung mehr benötigt. Diese Häuser werden "passiv" genannt, weil der überwiegende Teil des Wärmebedarfs aus "passiven" Quellen gedeckt wird: Sonneneneinstrahlung, Abwärme von Personen und Geräten.

Lodenareal Den Wohnbau zeichnen hohe Dämmwerte und große Verglasungsqualität aus. Zudem verfügt er über eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung. Um die Luft vorzuwärmen bzw. vorzukühlen, werden zwei Grundwasserbrunnen eingesetzt. Der Restenergiebedarf wird mit 1000 Solarfläche und Pelletsanlage gedeckt.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011