Wirtschaft 07.06.2014

Wo Sparer jetzt noch halbwegs gute Zinsen bekommen

Kleinanleger, die sich mit den mickrigen Sparbuchzinsen der Großbanken nicht zufrieden geben wollen, müssen zu Online-Banken ausweichen.

Sparen ist ein Verlustgeschäft: Wird die Inflation von zuletzt 1,6 Prozent von den Sparzinsen abgezogen, ergibt das ein dickes Minus – zumindest bei Bindungsfristen von bis zu einem Jahr. Kleinanleger haben daher nur zwei Möglichkeiten: Sie können die schleichende Enteignung murrend hinnehmen oder Sparangebote suchen, die die Verluste zumindest minimieren.

Fündig werden sie dabei nur bei Online-Banken. Diese meist ausländischen Institute bieten mit Abstand die höchsten Zinsen für täglich fällige Einlagen und auch für kurze Bindungsfristen. Mit 1,4 Prozent Zinsen für jederzeit behebbares Geld liegen die französische Renault-Bank mit ihrer Österreich-Niederlassung (www. renault-bank-direkt.at) und die spanische Santander Bank an der Spitze. Die zur russischen Sberbank gehörende Deniz-Bank bietet 1,15 Prozent, die türkische Vakif-Bank 1,125 Prozent.

Für all diese Banken gilt die Einlagensicherung: Bis zu einem Betrag von 100.000 Euro sind die Spargelder auch bei einem Crash dieser Banken garantiert. Dass Auslands-Institute in Österreich höhere Zinsen zahlen können, liegt daran, dass in ihren Heimmärkten die Zinsen noch weit höher sind. Die 1,4 Prozent für Spareinlagen in Österreich sind für sie also vergleichsweise wenig. In Frankreich etwa liegen die Sparzinsen bei 1,7 bis 1,8 Prozent. Wie lange diese Online-Banken nach der Leitzinssenkung von Donnerstag ihre Zinsen für österreichische Sparer auf dem aktuellen Niveau halten ist offen. "Der Trend geht sicher nach unten", heißt es in der Branche.

Fixzinsen sichern

Anders als bei täglich fälligen Spareinlagen, wo ein Zinsrutsch auch alle bestehenden Kunden betrifft, wird eine Zinssenkung bei längerfristig gebundenen Fixzins-Sparbüchern nur bei Neuabschlüssen angewandt. Wer also, Geld für eine gewisse Zeit zur Seite legen will, ist gut beraten, rasch abzuschließen. Damit sichert er sich noch die bestehenden Zinsen. In wenigen Wochen könnten die Banken nämlich die Zinssätze der gebundenen Sparbücher reduzieren.

Für ein dreijähriges Sparbuch etwa zahlt die Santander Bank derzeit noch 2,1 Prozent Zinsen und liegt damit laut dem Vergleichsportal www.durchblicker.at österreichweit an der Spitze. Das zweitbeste Angebot finden Sparer bei der Deniz Bank, die zwei Prozent für drei Jahre Bindungfrist zahlt. Unter den heimischen Großbanken findet sich die Bawag/PSK-Tochter easybank mit 1,1 Prozent unter den Bestbietern.

Bausparen

Auch Bausparern droht ein weiterer Rückgang der ohnehin schon mageren Zinsen. Sowohl s-Bausparkasse als auch ABV überlegen eine Reduktion von 0,75 auf 0,5 Prozent. Raiffeisen und Wüstenrot zahlen jetzt schon nur 0,5 Prozent Zinsen.

Weniger Einnahmen für den Staat aus der Kapitalertragssteuer

Die rückläufigen Sparbuchzinsen wirken sich zwar nur langsam auf das Anlegeverhalten der Österreicher aus. Dennoch ziehen sie seit geraumer Zeit sukzessive Geld ab. Das spürt auch der Finanzminister, fallen doch auf Zinserträge 25 Prozent Kapitalertragssteuer an. Ursprünglich waren aus dieser Position (inklusive der 2012 eingeführten Steuer auf Erträge von Wertpapieren) 3,2 Mrd. Euro veranschlagt. Geworden sind es im Vorjahr unterm Strich nur 2,6 Milliarden. Davon entfallen auf die Sparbuch-KeSt 1,28 Mrd., um 50 Millionen weniger als 2012.

Heuer sollen insgesamt erneut 2,6 Mrd. Euro hereinkommen. Während es bei den Wertpapieren von Jänner bis April schon um 20 Mio. Euro mehr waren als im Vorjahreszeitraum, sind es bei Sparbüchern um 35 Millionen weniger. Generell sind die Erträge aus der Kapitalertragssteuer stark schwankend. 2006 waren es 2,2 Mrd. Euro, zwei Jahre später 3,75 Milliarden.

( Kurier ) Erstellt am 07.06.2014