Was soll im Sack sein? Bildung, Verwaltung oder Lohnkosten?

© APA/dpa/Peter Steffen

Wirtschaftsstandort
12/20/2015

Drei Wünsche an den Weihnachtsmann

Was sich Österreichs Unternehmer und Spitzenmanager an "Reformpackerln" für 2016 wünschen.

Jede(r) vom KURIER Befragte(r) durfte drei Wünsche äußern:

Wolfgang Hesoun, Siemens-Österreich-Boss

1. Ich wünsche mir mehr Optimismus. Die Stimmung im Land ist in vielen Bereichen schlechter als die Realität.

2. Die digitale Durchdringung der Industrie wird im globalen Standort-Wettbewerb immer wichtiger. Dieser Entwicklung dürfen wir uns in Österreich und Europa nicht verschließen.

3. Zu guter Letzt hoffe ich, dass die Verbundenheit unserer Mitarbeiter mit dem Unternehmen weiterhin so intensiv bleibt. Gemeinsam mit Menschen, die Begeisterung und Stolz für ihre Arbeit empfinden, können wir in diesem Land verwirklichen, worauf es ankommt.

Elisabeth Stadler, Chefin Vienna Insurance Group

1. Für die Erfüllung des Klimaabkommens sorgen. Die steigenden Wetterkapriolen kosten die Volkswirtschaft und die Versicherungen viel Geld. Risiken könnten unkalkulierbar und nicht versicherbar werden.

2. Umsetzung einer flächendeckenden Versicherungslösung für Naturgefahren. Der Katastrophenfonds des Landes stößt an seine Grenzen. Es gibt schon einen Lösungsvorschlag. Zur Umsetzung bedarf es politischer Schritte.

3. Ein klares Bekenntnis der Politik zur privaten Pensionsvorsorge durch neue und nachhaltige steuerliche Anreize.

Karl-Heinz Strauss, Chef des Baukonzerns Porr

Ich möchte mir heuer ganz besondere Geschenke wünschen:

1. Die beste Bildung für alle. Damit auch in Zukunft qualifizierte junge Menschen bei uns einen Arbeitsplatz finden, der Spaß macht.

2. Und sichere diese Arbeitsplätze, indem du der Politik die Einsicht schenkst, dass Österreich als Standort nur durch Bildung und eine bestens ausgebaute Infrastruktur international bestehen kann.

3. Und schließlich: Schenke uns Zuversicht und Vertrauen, damit wir in unsicheren Zeiten dennoch an uns glauben.

Walter Rothensteiner, RZB-Chef, Raiffeisen-Generalanwalt

1. Für den Bankbereich wünsche ich mir, dass wir Zeit bekommen, die Kapital- und Regulierungsanforderungen ordentlich umsetzen zu können, bevor man an neue Vorschriften denkt. Die Abschaffung der Banken-abgabe steht ganz oben auf der Wunschliste.

2. Für den Wirtschaftsstandort wünsche ich mir, dass unternehmerisches Denken und Handeln belohnt und nicht behindert wird.

3. Für die Menschen, die als Flüchtlinge in unser Land kommen, wünsche ich mir Respekt im Umgang und Unterstützung bei der raschen Integration.

Sabine Herlitschka, Chefin Infineon Austria

Mit Wünschen allein kommen wir nicht weiter. Im globalen Wettbewerb müssen wir rasch und proaktiv die Chancen für Österreich nutzen:
  1. Durch eine übergreifende Initiative zur Digitalisierung, die Aus- und Weiterbildung, Forschung und Innovation umfasst.
  2. Durch Schaffung von modernster Infrastruktur für die intelligente Industrialisierung – vorrangig ein flächendeckendes Breitband.
  3. Durch Rahmenbedingungen, die heimische Unternehmen international stärken, wie z. B. die Flexibilisierung der Arbeitszeiten.

Johann Marihart, Generaldirektor der Agrana

  1. Die zahlreichen Krisenherde auf der Welt geben Anlass zur Sorge. Nicht nur als Vorstand eines global agierenden Unternehmens, sondern auch ganz persönlich wünsche ich mir stabile politische Verhältnisse.
  2. Von der heimischen Politik wünsche ich mir den Mut, "heiße Eisen" – wie eine Verwaltungsreform oder eine Anhebung des Pensionsalters – anzugehen.
  3. Für die Wirtschaft wünsche ich mir die Aufhebung anachronistischer Arbeitsgesetze und eine Reduktion der Steuerlast, die auf jeder Arbeitsstunde lastet.

Hans Staud, Besitzer von Staud’s Marmeladen

  1. Angesichts der Flüchtlingssituation wird uns vor Augen geführt, wie essenziell Verteilungsgerechtigkeit ist. Die Unterstützung wenig privilegierter Menschen ist für mich sehr wichtig, denn Verteilungsungserechtigkeit spaltet die Gesellschaft und ruft Missstände hervor.
  2. Punkto Nachhaltigkeit sind vor allem im Lebensmittelbereich die Qualitätsunterschiede deutlich spürbar. In Österreich verfügen wir noch über gute Böden – genau das soll unsere Landwirtschaftspolitik fördern.
  3. Eine faire Regelung für rentables Unternehmertum in Wien ist mir ein großes Anliegen.

Richard Lugner, Shoppingcenter-Betreiber

Mein Wunsch wird Sie wenig überraschen:
  1. Ich möchte eine Freigabe der Ladenöffnungszeiten zumindest in der Adventzeit. Wenn wir im Handel am Samstag länger offenhalten oder am Sonntag aufsperren dürften, würde das mehr Jobs und mehr Steuereinnahmen bringen.
  2. Dann wünsche ich mir noch weniger Bürokratie bei Bauvorhaben. Diese Papierwut ist ja der blanke Horror.
  3. Für die Lugner City wäre es gut, wenn es noch kürzere Intervalle bei der U6 gebe. Es kommen ja schon 30 bis 35 Prozent unserer Kunden mit der U-Bahn.

Peter Oswald, CEO Mondi International

  1. Ich wünsche mir eine Reduktion der Staatsausgaben von 52 auf etwa 47 Prozent des Bruttosozialproduktes, aber nicht durch Leistungskürzungen, sondern durch Reduktion der Verwaltungskosten, die ja seit der Krise 2008 munter weitersteigen.
  2. zweitens eine Pensionsreform mit Anhebung des Pensionsalters auf 65 Jahre für Männer und Frauen und pro futuro Koppelung an Sterbetafeln, sodass sich das Pensionsalter automatisch erhöht.
  3. drittens eine Schulreform: Das Niveau soll gehoben werden ohne Kostenanstieg.

Robert Hartlauer, Chef der Hartlauer-Kette

"Ich wünsche mir vom Christkind in Sachen Wirtschaftsstandort Österreich drei Änderungen", sagt der Eigentümer und Geschäftsführer der gleichnamigen Elektrohandels- und Optiker-Kette zum KURIER.
  1. erstens, dass die Verwaltungsreform endlich begonnen wird;
  2. zweitens, dass es zu einer Deregulierung kommt und nicht zu noch mehr Vorgaben und Regeln;
  3. und drittens, dass statt einer Pflichtversicherung eine Selbstversicherung ermöglicht wird.

Ulrike Rabmer-Koller, WKO-Vizepräsidentin, Bauunternehmerin

  1. Taten statt Worte! Das gilt für die dringend notwendige breite Entlastung der Betriebe, ohne die ein echter Aufschwung 2016 nicht denkbar ist, ebenso wie für die Umsetzung notwendiger Reformen, etwa im Bereich der Verwaltung und Bürokratie.
  2. Mehr öffentliche Wertschätzung für alle, die etwas für unser Land leisten
  3. egal ob es Selbstständige oder Unselbstständige, Frauen oder Männer sind.– Wir brauchen mehr Mut, Optimismus und Zuversicht in unsere eigenen Stärken. Nur so können wir die Herausforderungen meistern.

Josef Zotter, Inhaber von Zotter Schokoladen

  1. Lass uns Unternehmer mehr Selbstverantwortung übernehmen. Diese elendige überbordende Bürokratie können wir bald nicht mehr bewältigen. Mir kommt das Fürchten, wenn ich denke, was ich alles falsch machen könnte.
  2. Schaffe ein Steuersystem, das nicht die Arbeit so stark belastet. Besteuere mehr die Konsumprodukte. Wer viel konsumiert, zahlt viel. Dann wären alle importierten Produkte teurer, was gut für die heimische Wirtschaft wäre.
  3. Und gib den Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen (muss ja nicht so hoch sein). Damit die Lebensqualität für ALLE steigt.
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