ARCHIV: F1 boss Bernie Ecclestone walks the paddock prior to the start of the Italian Formula One Grand Prix, at the Monza racetrack (Foto vom 13.09.09). In der Affaere um mutmassliche Bestechungsgelder aus der Formel 1 ermittelt die Staatsanwaltschaft Muenchen einem Medienbericht zufolge gegen Ecclestone. Der Verdacht laute auf Beihilfe zur Untreue, berichtet die "Sueddeutsche Zeitung" (Samstagausgabe vom 16.04.11). (zu dapd-Text) Foto: Luca Bruno/AP/dapd

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Wirtschaft von innen
07/21/2013

Ecclestone: Motoren und Milliarden

Noch läuft der globale Großkonzern unter Bernie Ecclestone wie geschmiert.

von Andrea Hodoschek

Sein Arbeitsplatz ist im Fahrerlager. Beim Grand Prix in Budapest am nächsten Sonntag wird der 82-jährige Bernie Ecclestone wieder in seinem mobilen Büro, einem karg möblierten Reisebus mit verdunkelten Scheiben, Termine im Viertelstunden-Stakkato abspulen. Der 1,58 Meter kleine Brite hasst nichts so sehr wie Zeitverschwendung. „Er spielt schneller Schach als alle anderen und ist immer um fünf Züge weiter“, bewundert ein Wegbegleiter Effizienz und Gewieftheit jenes Mannes, der zu sagen pflegt: „Die Formel 1 bin ich“. Die 44 Millionen Dollar an den verurteilten Bayern-Banker Gerhard Gribkowsky könnten allerdings das unrühmliche Ende seines Lebenswerkes bedeuten. Im September entscheidet die Münchner Justiz, ob Ecclestone wegen Bestechung der Prozess gemacht wird.

Aber noch zieht er alle Fäden. Mit eiserner Hand und einem untrüglichen Riecher für gute Geschäfte baute Ecclestone rund um die Königsklasse des Motorsports einen globalen Konzern auf. Die Formula One Group, ein undurchsichtiges, international kompliziert verschachteltes Firmenkonstrukt, an dessen Spitze die Delta Topco Holding auf der Steueroase Jersey positioniert ist, fährt Renditen ein, wie sie sonst nur im Drogenhandel üblich sind. Der ehemalige Gebrauchtwagenhändler dirigiert diese zentrale Steuerungsholding als Chief Executive Officer.

Die Eigentümer der Holding sind die großen Profiteure des Milliardengeschäftes. Am reichsten wurde dabei freilich Bernie selbst, der schon vor Jahren mit dem Verkauf von Anteilen groß abkassierte. Sein Vermögen wird auf drei Milliarden Euro geschätzt. Über Gewinne sprechen die Beteiligten nicht. Erst anlässlich des 2012 geplanten und wieder abgesagten Börsegangs der Formel 1 gewährte Ecclestone Einblicke in das Finanzkonglomerat.

Das Grundprinzip ist simpel. Die Formula One Group hat die Rechte und ist für die kommerzielle Verwertung der Rennen zuständig. Die Grand-Prix-Veranstalter müssen hohe Gebühren löhnen, in Summe rund 500 Millionen Dollar. Vor allem Newcomer wie Abu Dhabi oder Singapur dürfen zweistellige Millionenbeträge hinlegen. Zweitgrößte Einnahmenposition sind die TV-Rechte (siehe Grafik). Nur Fußball kann mehr Fans locken, bis zu 500 Millionen TV-Zuseher verfolgen das Im-Kreis-Fahren. Werbung an der Rennstrecke spült mehr als 200 Millionen in die Kasse, die VIP-Packages auch noch 80 Millionen Dollar.

Auf 1,5 Milliarden Dollar summierten sich die Einnahmen 2011, aktuellere Daten liegen noch nicht vor. Abzüglich der Aufwendungen für den Rennbetrieb und den Anteilen für die Formel-1-Teams blieben für die Investoren unterm Strich 464 Millionen.

Haupteigentümer ist mit 42 Prozent der Finanzinvestor CVC. Das ist jener Fonds, dem Gribkowsky die Anteile der Bayerischen Landesbank zuschanzte. Die Bayern-Banker hatten das Aktienpaket vom verstorbenen Film-Mogul Leo Kirch geerbt und fordern von Ecclestone noch 400 Millionen Dollar ein. Mit CVC hat Ecclestone einen Großaktionär, der ihn unumschränkt herrschen lässt.

Persönlich und über die Bambino-Stiftung seiner Ex-Frau Slavica kontrolliert er immer noch 13,8 Prozent. CVC gab im Vorfeld des Börsegangs 21 Prozent an drei große Investmentfonds ab. An Blackrock, den weltweit größten Vermögensverwalter, den US-Investor Waddel & Reed sowie an die Norges Bank Investment der Norwegischen Zentralbank. Umgelegt auf den Verkaufspreis von 1,6 Milliarden Dollar ließ sich erstmals ein Gesamtwert der Formel 1 abschätzen: 9,1 Milliarden Dollar (knapp sieben Milliarden Euro). Als Kleinaktionär ist der Österreicher Peter Brabeck-Letmathe mit im Cockpit, ihn holte Ecclestone auch ins Board der Holding. Der Nestlé-Präsident war schon als Chef der mit den Börsegang geplanten neuen Formel-1-AG nominiert und hätte dabei seinen Anteil günstig aufstocken können. Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz wurde für einen Vorstandsjob gehandelt.

Die wichtigsten Einnahmequellen sind jedenfalls vertraglich langfristig abgesichert. 7,1 Milliarden Dollar sollen aus dem laufenden Rennverträgen garantiert sein, 1,4 Milliarden Dollar aus den Fernsehrechten.Ein Risikofaktor ist das Concorde-Abkommen mit den Rennställen, die immer wieder aufbegehren und heuer zwei Drittel des Gewinns bekommen. Als die Teams mit der Gründung einer eigenen Rennserie drohten, köderte Ecclestone Ferrari mit 100 Millionen Dollar. Auch den australischen Medientycoon Rupert Murdoch, der mit Fiat in die Holding drängte, konnte Bernie ausbremsen. Selbst seine dummen Sprüche über Diktatoren und Hitler überstand er unbeschadet.„Alle haben letztlich von Ecclestone profitiert“, hält der dreifache Weltmeister Niki Lauda, heute Chef des Mercedes-Teams, seinem ehemaligen Boss zugute. Lauda fuhr zwei Saisonen lang für Ecclestones Rennstall Brabham. Am Höhepunkt seiner Karriere war Lauda mit vier Millionen Dollar Jahresgage der bestbezahlte Rennfahrer. Heute kommen die Stars auf bis zu 30 Millionen Dollar. DO&CO-Chef Attila Dogudan verdankt Ecclestone den Aufstieg in die Top-Liga der internationalen Sport-Events. 1992 bewirtete der heimische Gourmetkonzern erstmals die VIP-Klientel beim Grand Prix in Budapest, inzwischen catert DO&CO die meisten Formel-1-Rennen. Bis zu 18.000 Gäste (Abu Dhabi) werden an einem Wochenende verköstigt. Zwischen zehn und 20 Sattelschlepper sind permanent mit dem Equipment unterwegs. Mit dem „absoluten Qualitätsfanatiker“ Ecclestone kann’s da schon Diskussionen über die Bügelfalten in den Tischtüchern geben.

Das größte Risiko für das reibungslose weitere Funktionieren der Milliarden-Maschinerie Formel 1 ist allerdings Bernie selbst. „Wenn er geht, entsteht das absolute Vakuum“, befürchtet Lauda. „Ein Mann alleine schafft das nie, die werden dann mindestens fünf Vorstandsdirektoren brauchen.“

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