Windkraft-Rekord mit Gegenwind

Windkraft
Foto: Zürich An Windräder werden sich die Österreicher gewöhnen müssen. In den kommenden Jahren wird sich der Anzahl noch kräftig erhöhen

Noch nie wurden in Österreich so viele neue Windräder aufgestellt wie heuer. Der Widerstand von Anrainern wächst.

Ein windreicher Sonntag ist das Beste, was sich Öko-Energiebetreiber wünschen können: Die rund 600 Windräder in Österreich produzierten auf Hochtouren Strom. Der Großteil der Haushalte in Ostösterreich wurde ausschließlich mit Windenergie versorgt. Und wenn der Ausbau dieser Erneuerbaren Energie so weitergeht wie geplant, wird Österreich schon bald nicht nur Wasserkraftstrom exportieren, sondern auch Windenergie.

Heuer jedenfalls erreicht der Ausbau der Windenergie in Österreich noch nie da gewesene Ausmaße. Windräder mit einer Gesamtleistung von 328 Megawatt werden bis Jahresende aufgestellt. Mehr als drei Milliarden Kilowattstunden Strom werden dann in Österreich dank des Windes erzeugt, 800.000 Haushalte können auf diese Art versorgt werden. Bis 2020 soll jährlich die Rekordmenge von 330 Megawatt Windanlagen-Kapazität dazu kommen – der Großteil davon zwischen Weinviertel und Brucker Becken. Voraussetzung: Der geförderte Einspeisetarif für Windstrom (9,5 Cent je kWh) bleibt. Führend bei der Windenergieleistung ist mittlerweile Niederösterreich, wo fast die Hälfte der gesamten Windrad-Leistung von aktuelle 1100 Megawatt stehen. An zweiter Stelle liegt das Burgenland.

Tabuzonen

Doch die Stromunternehmen, die auf Wind setzen – EVN, Bewag, ImWind, Püzpök-Gruppe – haben zunehmend mit Widerständen von Umweltschützern und lokaler Bürgerinitiativen zu kämpfen. Der Umweltdachverband hat ein Positionspapier ausgearbeitet, das Tabuzonen für den Windenergie-Ausbau auflistet. Dazu zählen Nationalparks, Vogelschutzgebiete, Kulturlandschaften und "naturnahe Wälder". Umweltdachverbands-Präsident Gerhard Heilingbrunner will das Papier an alle Landesregierungen schicken und wünscht sich eine gesetzliche Vereinbarung zu den Schutzgebieten.

Stefan Moidl, Chef des Interessenverbandes IG Windkraft lehnt Tabuzonen nicht grundsätzlich ab, sieht in dem Positionspapier aber eine Bruchlinie zwischen den Umweltschützern und der Ökoenergie. Man könne nicht für alle Bundesländer nach den gleichen Vorgaben Windenergie-freie Zonen festlegen. Da müsse regional angepasst erfolgen.

Eines der aktuell umstrittensten Windkraft-Projekte ist jenes in Gries am Brenner. Umweltschützer gehen gegen den geplanten Windpark sogar gerichtlich vor. Heftig ins Zeug gegen die Windräder an der Grenze zwischen Nord- und Südtirol legt sich der Alpenverein. Dessen Präsident Robert Renzler wohnt ja auch in Gries.

Solar Foto: REUTERS Fotovoltaik: Bayern stellt die Sonnenländer im Süden in den Schatten.

Deutschland: Solar-Boom drückt den Preis für Spitzen-Strom

Wer von Salzburg in Richtung München fährt, dem ist nach Überqueren der Grenze nach Bayern schlagartig eines klar: In Deutschland boomt die Solarenergie. Kein Einfamilienhaus, kein Stall und keine Fabrik ohne Fotovoltaik am Dach.

Kein anderes Land auf der Welt hat so viel Sonnenenergieanlagen wie Deutschland. Das sonnenreiche Spanien, das weltweit bei Fotovoltaik an zweiter Stelle liegt, bringt es auf nur ein Sechstel des deutschen Sonnenstroms. Ausgelöst wurde der Sonnen-Boom in Deutschland durch großzügige Förderungen, die allerdings jetzt reduziert werden.

Der deutsche Sonnen-Strom hat für die Verbraucher einen positiven Nebeneffekt: Gerade zu Mittag scheint die Sonne meist am stärksten und die Solarstromerzeugung steigt. Zu Mittag aber schnellt üblicherweise auch der Stromverbrauch zu Tagesspitzen-Werten hoch. Daher ist an den Strombörsen dieser Mittags-Spitzenstrom bisher sehr teuer gewesen. Die hohe Menge des deutschen Sonnenstroms aber drückt den Preis erheblich.

Österreichs Verbund, der mit seinen Pumpspeicherkraftwerken bisher den teuren Spitzenstrom geliefert hat, trifft dies. Von den früheren Spitzen-Strompreisen kann er nur noch träumen.

Mehr zum Thema

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?