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Bulgarien
10/24/2016

"Willst du einen Kuhstall kaufen?"

Blick nach Bulgarien: Wie die Mikrokreditbank Oikocredit half, die Abwanderung zu verringern.

von Irmgard Kischko

Auf den ersten Blick ist das kleine Dörfchen Slavyanovo im Nordosten Bulgariens ein Ort viele andere: Häuser mit Gärten rundherum, eine Kirche, eine Schule. Erst wer genauer hinsieht, erkennt: Irgendetwas stimmt hier nicht. Es fehlen nämlich die Menschen. Nur wenige Alte sind geblieben. Die meisten haben das Dorf nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und der Pleite der landwirtschaftlichen Kooperative, die den Leuten Arbeit gab, in Richtung Westeuropa verlassen.

Die Abwanderung ist auch in der nahe gelegenen Kleinstadt Popovo zu spüren, Gerade einmal die Hälfte der Einwohner von früher ist noch hier. Der Tierarzt Dobromir Dobrev ist einer davon. "Es war Mitte der 1990er-Jahre, als mich jemand fragte: Willst du einen Kuhstall kaufen?", erzählt er. Er wollte und setzte damit den Grundstein für ein landwirtschaftliches Projekt, das heute zum neuen Lebenselixier der Region geworden ist.

Der Kuhstall war Teil der inzwischen total heruntergekommenen Landwirtschaftskooperative. "Es gab ein paar sehr dünne Kühe. Aber das meiste sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Alle Gebäude kaputt, jedwedes Metall fehlte, alles weg", erinnert sich Dobrev.

Geldmangel

Zum Neuanfang aber fehlte ihm das Geld und obwohl er seinen Freund Ogniyan Ogniyanvo, einen Bankmitarbeiter, überredet hatte, in sein Projekt einzusteigen, war keine Bank bereit, dafür einen Kredit zu gewähren.

Aufwärts ging es erst, als die beiden auf Oikocredit gestoßen waren und von der Mikrokreditbank eine Projektfinanzierung erhielten. Mit dem Geld – über die Jahre insgesamt 5,5 Millionen Euro – renovierten sie die Stallungen, kauften Geräte und pachteten landwirtschaftlichen Grund von den Einheimischen. 880 Kühe haben sie heute, 3000 Hektar Grund, auf denen Weizen, Mais und Sonnenblumen angebaut werden, und 120 Mitarbeiter. "Aber es ist noch immer schwierig, Experten hierher zu bekommen", sagt Dobrev, dem es nicht an Ausbauplänen mangelt.

Vor wenigen Jahren hat er eine Biogasanlage von der österreichischen Firma Biogest erworben. Dort wird das Gas aus dem Kuhmist in Strom umgewandelt, der das Unternehmen versorgt. Jetzt will er noch eine eigene Molkerei errichten und Käse erzeugen.

Ogniyan Ogniyanvo (l.) und Dobromir Dobrev
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