© RTS/RALPH ORLOWSKI

Wifo/IHS
09/29/2016

Wifo/IHS senken Wachstumsprognose für 2017 auf 1,5/1,3 Prozent

Schwache internationale Konjunktur belastet heimische Wirtschaft.

Die beiden führenden heimischen Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS prognostizieren für das kommende Jahr 2017 eine schwächere Entwicklung der österreichischen Wirtschaft. Beide Institute senken in den aktuellen Herbstprognosen ihre bisherige BIP-Prognose für 2017 um 0,2 Prozentpunkte auf 1,5 bzw. 1,3 Prozent. Die Wachstumsprognosen für heuer werden mit 1,7 (1,5) Prozent bestätigt.

Binnenkonjunktur flaut ab, Preise steigen wieder stärker

Vor allem die durch den privaten Konsum und Anlageinvestitionen getragene Binnenkonjunktur sollte im kommenden Jahr wieder abflauen. Die Wirtschaftsforscher rechnen damit, dass die positiven Effekte der Steuerreform nachlassen und das Wachstum der privaten Konsumnachfrage von 1,5 Prozent in diesem Jahr auf 1,2 (IHS: 1,1) Prozent und das Wachstum der Bruttoanlageninvestitionen von 3,4 (2,7) Prozent auf 2,3 (2,2) Prozent zurückgeht.

Die Preise werden laut Wifo und IHS im kommenden Jahr wieder stärker steigen, weil der Basiseffekt bei den Energiepreisen auslaufen wird. Nach 1,0 (0,9) Prozent in diesem Jahr werde die Inflationsrate 2017 auf 1,7 (1,6) Prozent steigen.

Arbeitslosenrate dürfte auf 9,5 Prozent steigen

Die nationale Arbeitslosenrate dürfte aufgrund des höheren Arbeitskräfteangebotes von heuer 9,2 Prozent auf 9,4 (9,5) Prozent steigen. Die Zahl der unselbstständig aktiv Beschäftigten steigt heuer mit 1,4/1,5 Prozent stärker als 2015 und dürfte sich auch 2017 um 1,1 Prozent erhöhen. Das reicht jedoch nicht aus, um die Arbeitslosigkeit zu verringern.

Insbesondere die Zahl der Arbeitskräfte aus den ost- und mitteleuropäischen EU-Mitgliedsländern steigt. Auch erhöht sich die Erwerbsneigung von Frauen und Älteren. Zusätzlich ist noch die starke Zuwanderung von Asylwerbern zu berücksichtigen, betont das IHS. Die Arbeitslosenquote wird laut den Prognosen von 9,1 Prozent im Vorjahr auf heuer 9,2 Prozent und auf 9,4 (9,5) Prozent im kommenden Jahr steigen.

Belastend auf die Entwicklung der österreichischen Wirtschaft wirken sich zudem die Schwäche der internationalen Konjunktur und die hohen Unsicherheiten aus, die unter anderem durch den Brexit, protektionistische Tendenzen und geopolitische Risiken hervorgerufen werden.

Exporte steigen weniger stark als im Vorjahr

Die österreichischen Exporte werden heuer nur um 2,8 Prozent steigen, nach 3,6 Prozent im Vorjahr. Auch 2017 bleibt die Exportentwicklung mit 2,8 Prozent verhalten. Das IHS erwartet um 3,3 Prozent mehr Exporte. Und auch die Importe sollten sich im kommenden Jahr abschwächen, nämlich von 4,5 bzw. 4,0 Prozent auf 3,0 bzw. 3,4 Prozent

Die sehr geringe Preissteigerung in diesem Jahr geht den Ökonomen zufolge primär auf die gefallenen Energiepreise zurück. Da der Basiseffekt der Rohölverbilligung in den nächsten Monaten auslaufen wird, wird die Inflationsrate wieder etwas anziehen: Laut Wifo von 1,0 auf 1,7 Prozent, laut IHS von 0,9 auf 1,6 Prozent. Ein spürbarer Preisdruck dürfte weder von den Energiepreisen noch von der heimischen Lohnstückkostenentwicklung ausgehen, so das IHS.

Defizit steigt auf 1,8 Prozent

Für heuer erwarten die Wirtschaftsforscher eine Zunahme der Finanzierungslücke der öffentlichen Haushalte. Das Defizit dürfte von 1,0 Prozent 2015 auf 1,6 (1,8) Prozent steigen. Dafür werden unter anderem die nicht vollständig gegenfinanzierte Steuerreform und die Zusatzausgaben im Zusammenhang mit der Flüchtlingsbetreuung von rund 2,25 Mrd. Euro verantwortlich gemacht.

Prognoserisiken

Die Prognoserisiken werden eher abwärtsgerichtet gesehen. Das größte Risiko betrifft laut IHS die wirtschaftlichen Folgen des Brexit, ein für das Wifo eher geringer Unsicherheitsfaktor. Für das Wifo ergibt sich dagegen das größte Risiko aus der weiteren Entwicklung in den Schwellenländern China, Brasilien und Russland, und vor allem in den USA, wo Präsidentenwahlen bevorstehen, deren Ausgang einen nicht abwägbaren Unsicherheitsfaktor bilden.

Das IHS sieht weitere Risikofaktoren in einer Ausweitung der Konflikte im Nahen Osten und in Nordafrika. IS-Terrorismus und Flüchtlingskrise könnten die Wirtschaftsstimmung weiter trüben und wohl auch zu einer Erhöhung der Energiepreise führen. Dazu kämen noch die polit-ökonomischen Probleme in der EU selbst. Des weiteren könnten durch die weltweit expansive Geldpolitik Blasen auf den Aktien- und Immobilienmärkten auftreten.

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