Wirtschaft
14.04.2017

Wienwert will 2018 an die Börse

Immobilienfirma kauft gewerbliche Liegenschaften in Wien, um später darauf 3000 Mietwohnungen zu errichten.

Die Ziele des gelernten Investmentbankers Stefan Gruze sind äußerst ambitioniert. Rund 3000 leistbare, frei finanzierte Wohnungen will er in den nächsten Jahren in Wien errichten. Außerdem will er die Ende 2016 neu gegründete Wienwert AG im nächsten Jahr an die Wiener Börse bringen.

"Wir wissen, dass in Wien leistbare Wohnungen im frei finanzierten Bereich fehlen. Bei leistbarem Wohnen ist meist von Eigentumswohnungen die Rede, wir setzen aber ausschließlich auf Mietwohnungen", sagt Gruze zum KURIER. "Wir bringen ein Wohnungsangebot in Wien auf den Markt, das viele Politiker schon länger fordern." Dazu will der Wienwert-Chef gewerbliche Liegenschaften ankaufen und von der Stadt entsprechend umwidmen lassen. Er baut darauf, dass sein anspruchsvolles Geschäftsmodell bei der Stadt Wien gut ankommt.

Fakt ist: 40.000 Menschen ziehen jedes Jahr in die Bundeshauptstadt zu. Der Bedarf an neuen Wohnungen ist somit enorm.

Gruze will Neubau-Wohnungen in drei Größen (30, 45 und 60 Quadratmeter) errichten, um zehn bis zwölf Euro pro Quadratmeter vermieten und langfristig im Bestand halten. Der etwas höhere Quadratmeter-Preis wird dem höheren Wohnungsstandard geschuldet. Fußbodenheizungen, Sicherheitstüren, TV-Geräte samt Internet-Anschluss und Einbauschränke sollen zur Grundausstattung gehören.

Fünf Projekte hat Gruze derzeit im Fokus. Das größte betrifft die Floridsdorfer Siemensgründe. Grundstücksfläche: 64.000 Quadratmeter. Hier soll es laut Branchenkreisen zwei Bestbieter geben: den Wiener Immobilienentwickler Anton Bondi und Wienwert. Gruze will das nicht bestätigen. Ein anderes Projekt soll am Wiener Rennweg im dritten Bezirk hochgezogen werden. Hier gibt es eine gewerbliche Liegenschaft mit 50.000 Quadratmeter Gesamtnutzfläche. Rund 800 Wohnungen sollen darauf entstehen.

Pensionskasse

Laut Gruze wird eine 45 Quadratmeter große Wohnung für rund 550 bis 600 Euro im Monat zu mieten sein. Die Vermietung und die Verwaltung der Wohnungen wird der Immobiliendienstleister EHL übernehmen. Die Mieter zahlen weder Makler-Provision noch Kaution. Letztere soll durch eine entsprechende Kautionsversicherung ersetzt werden.

"Gerade die Einmalkosten reißen jungen Familien ein Loch in ihr Haushaltsbudget", sagt der Manager. "Wir werden unseren Mietern mehrere Tausend Euro ersparen." Die Mietverträge sollen unbefristet sein, die Kunden müssen aber eine entsprechende Bonität nachweisen.

Apropos Geld: Auch in Sachen Finanzierung geht der Ex-Banker neue Wege. "Wir haben mit einer staatlichen Pensionskasse eine generelle Kooperationsvereinbarung für die Finanzierung aller neuen Wohnbauprojekte abgeschlossen", sagt der Kärntner. Grund ist die künftige Rendite: Während man mit Altbauten im Schnitt einen Euro pro Quadratmeter verdiene, seien im Neubau zwei bis drei Euro drinnen.

Dazu muss man wissen, dass Gruze erst vor einem Jahr als neuer Vorstandsvorsitzender bei der alten Wienwert an Bord ging. Diese hatte sich in den vergangenen Jahren ihren schlechten Ruf bei Investoren regelrecht erarbeitet und ausschließlich Altbauten revitalisiert. Bis auf zwei Immobilien als eiserne Reserve hat der Ex-Banker den Altbestand bereits abgestoßen.

Hohe Altlasten

Doch Gruze muss in den nächsten Jahren noch 40 Millionen Euro schwere Anleihen bedienen.

"Die Gewinne, die wir erwirtschaften, werden in die alte Wienwert-Holding fließen, um die Anleihen zu tilgen", sagt der Ex-Banker. "Wir gehen davon aus, dass wir die Zinsen bezahlen und auch das Kapital zurückzahlen können." Bis Ende 2018 sind dafür rund 18 Millionen Euro nötig, bis 2026 muss dann der Rest der Anleihen zurückgezahlt werden.