Möglichmacher: Hans Schmid ist Großwinzer, Eigentümer des Steffl und des Hotel Park’s in Velden.

© KURIER/Franz Gruber

Interview
04/27/2014

Wiener Großwinzer: "Feind der Gewinnmaximierung"

Millionär Hans Schmid macht Wein, besitzt das Kaufhaus Steffl, die Vienna Capitals und das Veldener Hotel Park’s.

von Nicole Thurn

Vom Weinmachen hatte Hans Schmid wenig Ahnung, als er 2006 das Weingut Rotes Haus und bald darauf den Mayer am Pfarrplatz in Wien-Heiligenstadt kaufte. Einen guten Riecher fürs Geschäft besaß er schon davor: Er baute Österreichs größte Werbeagentur "Wien GGK" auf, gründete die Zeitschrift Wiener, besitzt das Kaufhaus Steffl, die Eishockeymannschaft UPC Vienna Capitals und das Veldener Hotel Park’s. "Ich bin da reingerutscht", sagt er im Interview. Business mit Intuition.

KURIER: Wie sind Sie mit dem Jahrgang 2013 zufrieden?

Hans Schmid:Qualitativ war es ein gutes Jahr, mengenmäßig okay. Wir haben 400.000 Flaschen produziert.

Der Gemischte Satz ist vom der Schankwein zum Genusswein avanciert – mit Gütesiegel DAC. Wie viel Marketing war dabei?

Der Gemischte Satz ist durch das gelungene Marketing zum Kultwein geworden, aber wegen seiner Qualität ist er Gott sei Dank keine Modeerscheinung. Vor 15 Jahren wäre es undenkbar gewesen, in Kärnten Wiener Wein zu verkaufen, da war eher Spritzer angesagt. Heute sind wir stark vertreten, da hat sicher der Zusammenschluss der Wiener Winzer zu "Wiener Wein" viel bewirkt. Es gibt keinen schlechten Wiener Wein mehr. Schon mein Vorgänger, der Ingenieur Mayer, hat früh Qualität geboten. Ich führe seine Tradition fort. Ich wäre gern in allen Wiener Restaurants vertreten – sie haben enormen Nachholbedarf bei Wiener Wein.

Was müssen die Wiener Winzer besser machen?

Sie müssten die Preise erhöhen. Der Preisunterschied zu anderen Qualitätsweinen ab Hof liegt bei 10 bis 15 Euro.

Sie exportieren auch nach Hongkong und Osaka. Warum wollen die Asiaten Wiener Wein?

Wegen der Marke, der Tradition. Im Heurigen Mayer am Pfarrplatz wohnte früher Beethoven, das kommt gut an. Die Asiaten haben unsere Marke auch kopiert – mit Johann Strauss auf dem Etikett statt Beethoven.

Warum haben Sie die Weingüter gekauft? Aus Leidenschaft?

Aus Leidenschaft zum Weintrinken vielleicht. Das war Zufall, wie fast alles in meinem Geschäftsleben. Das Rote Haus am Nussberg war wunderschön, ich habe den Eigentümern gesagt, ich kaufe es, sie haben gemeint, niemals. Drei Jahre später haben sie mich angerufen, ob ich es ernst meine. Noch am selben Abend habe ich es gekauft, dann bin ich zum Mayer gegangen, (ihm gehörte das Weingut, der Heurigen und der Pfarrwirt, Anm.) wir haben mit Riesling angestoßen und er hat gemeint: Kauf alles.

Ihre Weine werden prämiert, von Falstaff bestens bewertet.

Die Kunst der Markenbildung ist es, konstante Qualität zu liefern. Die offizielle Anerkennung durch Preise ist wichtig, auch für die Mitarbeiter. Aber das Reizvollste am Wein ist: Man kann nicht alles steuern.

Apropos steuern: Welchen Führungsstil hatten Sie?

Wir waren bei Wien GGK fortschrittlich, hatten keine Hierarchien, haben keine Titel geführt, mein Zimmer war eines der kleinsten. Die Mitarbeiter hatten freie Arbeitszeiten, trotzdem waren sicher 25 von ihnen auch am Wochenende im Büro. Ich habe viel verlangt, es sind die Fetzen geflogen. Aber wir haben die Leute nicht gefeuert. Menschen sind keine Ware, man muss mit ihnen reden.

Wie kam es zum Kauf des Kaufhauses Steffl?

Der Masseverwalter bat mich zur Gerngross AG, die damals filetiert werden sollte. Ich sollte eine Broschüre machen. Ich beschloss am selben Tag, 25 Prozent der Aktien an der AG zu kaufen, nach der Sanierung übernahm ich das Steffl. Ich hatte keine Ahnung, wie ein Kaufhaus funktioniert.

Ein anderer würde sagen, das habe ich noch nie gemacht, ich lass es lieber.

Mich hat das Neue immer gereizt. Auch ins Eishockey bin ich reingeschlittert, habe für die Vienna Capitals Marketingberatung gemacht, ihnen Geld geborgt. So viel, dass ich gleich den Verein übernommen habe.

Wie wählen Sie Projekte aus?

Wir investieren nur in Unternehmen, die wir mögen. Wir wollen keine Verluste machen, aber auch nicht fünf Millionen Flaschen Wein mit mittelmäßiger Qualität. Wir sind Feinde der Gewinnmaximierung: Sie führt zu Frust, der Spaß an der Arbeit fehlt.

Ihr nächstes Projekt?

Wir planen ein Konzept für das Park’s Hotel in Velden, ein Spa mit Gesundheitsbad. Rund um mein Elternhaus in Villach habe ich Grund gekauft, dort will ich Mietwohnungen bauen.

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