Der Bürokomplex am Wiener Franz-Josefs-Bahnhof gehört einem deutschen Immobilienfonds. Nach der Verhaftung des Fonds-Chefs haben die Aktionäre das Ruder übernommen.

© KURIER /gruber franz

Wölbern-Affäre
10/17/2013

Wiener Glaspalast im Mittelpunkt eines brisanten Anlage-Krimis

Neue Führung des Immobilienfonds IFÖ 4 sichert sich per Handelsgericht Gebäude und Konten.

von Kid Möchel

Der Anleger-Skandal um das Hamburger Fonds-Haus Wölbern Invest und ihren Chef Heinrich Maria Schulte schwappt nach Österreich über. U-Häftling Schulte steht im Verdacht, 137 Millionen Euro aus Fondsgesellschaften illegal abgezogen zu haben, davon bis zu zehn Millionen Euro aus dem „IFÖ Vierten Immobilienfonds für Österreich“ (IFÖ 4). Dem Vernehmen nach werden die Vorwürfe bestritten.

Nach einer Rebellion der Aktionäre wurde Wolfgang Valentini, Ex-Chef des deutschen Bäckerei-Konzerns K & U (4000 Mitarbeiter), als neuer Geschäftsführer der Fondsgesellschaft IFÖ 4 mit Sitz in Hamburg eingesetzt – per Gerichtsbeschluss. Seine Besetzung wird aber nach wie vor gerichtlich bekämpft.

Valentini hat aber jetzt per Einstweiliger Verfügung des Handelsgerichts Wien auch die alte Geschäftsführung der Wiener „Objektgesellschaft Julius-Tandler-Platz“ absetzen lassen.

„Es geht um die Sicherung des Eigentums des Fonds“, sagt IFÖ-Beirat Bernd Gans zum KURIER. Denn: Die neue Führung des Fonds hatte keinen Zugriff auf ihr Asset, den 69.400 Quadratmeter großen Glaspalast „Bergkristall“ über den Franz-Josefs-Bahnhof in Wien-Alsergrund, und die Konten.

Immerhin fließen daraus jährlich elf Millionen Euro Mieteinnahmen, davon stammen 9,2 Millionen vom Hauptmieter Bank Austria.

„Wir haben den Zugriff der alten Geschäftsführung auf unsere Konten unterbunden, unsere Handlungsfähigkeit ist hergestellt“, sagt Valentini zum KURIER. „Wir versuchen den Fonds ins normale Alltagsgeschäft zu führen und wollen die Außenstände in Höhe von zehn Millionen Euro für den Fonds einfordern.“ Alleine 2011 sollen rund 6,5 Millionen Euro aus dem IFÖ 4 abgesaugt worden sein. Lediglich vor den Bilanzierungs-Stichtagen soll laut Valentini „kurzfristig Geld zurückgeflossen“ sein.

Geldkarussell?

„Auch nach der Entziehung der Geschäftsführung in Deutschland wurde munter weitergemacht“, behauptet der neue Manager. So sollen noch Mitte September, wenige Tage vor Schultes Verhaftung, 250.000 Euro auf ein niederländisches Konto im Einflussbereich Schultes geflossen sein.

Vor acht Jahren kaufte der Hamburger Fonds der Bank Austria die Immobilie ab. Kaufpreis: 156 Millionen Euro. Etwa 88 Millionen Euro steckten 3500 Anleger, darunter auch Österreicher, in den Fonds, der Rest wurde über die Bank Austria finanziert. Der Buchwert der Immobilie dürfte derzeit bei 89 Millionen Euro liegen.

Der Mietvertrag der Bank Austria läuft bis zum Jahr 2020. Zieht sie früher in ihren Campus am ehemaligen Wiener Nordbahnhof um, geplant ist 2017, muss sie einen Nachmieter bringen.

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