Wirtschaft
17.10.2017

Wiener Eden Bar GmbH ist pleite

Legendäres Nachtlokal hat fast 520.000 Euro Schulden.14 Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen.

"Da neulich, da sitz´n ma in der Eden und reden" mit dieser Zeile beginnt das legendäre Lied "Der Papa wird' s schon richten" von Gerhard Bronner aus dem Jahr 1958 - und die Eden Bar gibt es heute noch; nur steckt sie mittlerweile in argen finanziellen Schwierigkeiten.

Am Dienstag wurde über das Vermögen der Firma Eden Bar Ges.m.b.H. in der Wiener Liliengasse 2 am Handelsgericht Wien ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Das bestätigt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER. Es sind 14 Dienstnehmer, davon 13 teilzeitbeschäftigte, und zirka 15 Gläubiger betroffen, so der KSV1870 und der AKV. Den Gläubigern wird eine Quote in Höhe von 20 Prozent innerhalb zwei Jahren geboten. Das ist die Mindestanforderung in einem Sanierungsplanverfahren.

Treffpunkt der Reichen und Schönen

Das Traditionslokal wurde früher vom legendären "Bundesheer-Ranger" Heinz Werner Schimanko geführt und war Treffpunkt der Reichen und Schönen, der Schauspieler und Sänger, der Künstler und Filmemacher. Darunter waren Romy Schneider, Ella Fitzgerald, Orson Wells, Billy Wilder, Alain Delon, Udo Jürgens, Liz Taylor, Jack Lemmon, Zsa Zsa Gabor, Liz Taylor, Anita Ekberg, Curd Jürgens, José Carreras und auch viele österreichische Politiker. Seit seinem Tod im Jahr 2005 führt seine Tochter Michaela die Bar weiter.

Das Unternehmen der Eden Bar Ges.m.b.H.. wurde 2000 gegründet, im Jahr 2011 wurde das Einzelunternehmen Michaela Schimanko-StiedlEden Bar“ in die Gesellschaft eingebracht.

Unvorteilhafte Baustelle

"Die Insolvenzursachen liegen in Bauarbeiten am Haus in den Jahren 2011 bis 2013, in dem das Lokal seinen Sitz hat. Genau vor dem Eingang war eine Baustelle, welche den Geschäftsbetrieb stark behinderte", heißt es dazu von Creditreform. "Zudem gab es im September 2017 eine negative Gerichtsentscheidung (in Höhe von € 131.000) gegen die Antragstellerin, welche die wirtschaftlichen Verhältnisse selbiger überforderte. Dadurch ist die Zahlungsunfähigkeit eingetreten."

In der Bilanz 2015 wurde das negative Eigenkapital mit 203,468 Euro beziffert, der Verlustvortrag aus den Vorjahren mit 469.023 Euro. Die Verbindlichkeiten wurden mit 288.160 Euro ausgewiesen. "Eine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrechtes besteht nicht, weil die Gesellschafterin erklärt, die Finanzierung der Gesellschaft sicherzustellen", heißt es zur Bilanz 2015.

Schulden und Vermögen

Die Aktiva betragen rund 40.740 Euro und bestehen aus dem Warenlager (34.740 Euro) und einem Barguthaben (6000 Euro). Die Passiva werden mit rund 519.630 Euro beziffert, davon entfallen 201.000 Euro auf Lieferanten, 153.000 Euro auf ein Darlehen von Heinz-Rüdiger Schimanko, 131.000 Euro auf ein Gerichtsurteil des handelsgerichts Wien zugunsten eines Steuerberaters und 17.700 Euro auf die bestimmte Kosten dieses Gerichtsverfahrens. Ein Anwalt hat ein Honorar in Höhe von 11.300 Euro eingeklagt. Doch gegen das Gerichtsurteil des Handelsgerichts Wien wurde berufen und erst am 25. Oktober endet die Frist für die Berufungsbeantwortung.

Auch bei der Finanz, der Gemeinde und der Wiener Gebietskrankenkasse sind insgesamt rund 16.000 Euro offen.

Das Unternehmen soll fortgeführt werden. Seit 8. September 2017 läuft der Geschäftsbetrieb wieder und die Restrukturierungsmaßnahmen sollen greifen. In umsatzstarken Monaten ist der Umsatz doppelt so hoch wie die Fixkosten. Die 20 Prozent Quote für die Gläubiger soll aus dem Fortbetrieb und auch mit Hilfe Dritter finanziert werden. Heinz Rüdiger Schimanko, der Bruder der Geschäftsführerin und Inhaber des Hotel Orient, will während des Insolvenzverfahrens "kostenlos in der Eden Bar mithelfen".