In den nächsten Tagen könnte es weiter abwärts gehen.

© APA/dpa/Boris Roessler

Konunktur-Schwäche
02/08/2016

Wiener Börse stürzte besonders kräftig ab

An Europas Börsen hagelte es am Montag Verluste, Wien war unter den Top-Verlierern.

von Irmgard Kischko

Sorgen um die weltweite Konjunktur, Unsicherheit und Zukunftsangst: All das sind die besten Ingredienzien für einen Verfall der Aktienkurse. Anleger fliehen in diesem Umfeld in sichere Werte und Cash. Genau das ist zu Wochenbeginn passiert.

Besonders schlimm erwischte es die Wiener Börse. Der ATX ist im Handelsverlauf um knapp mehr als fünf Prozent abgestürzt und näherte sich gefährlich nahe der 2000 Punkte-Marke. "Wenn die fällt, geht es wohl weiter nach unten", befürchten Analysten. Dass die Wiener Börse gleich hinter dem griechischen Aktienmarkt (minus neun Prozent) zu den Spitzenverlierern in Europa zählt, hat zwei Gründe: Erstens ist Wien ein kleiner Markt. Da sorgen Verkäufe gleich für hohe Verluste. Und zweitens sind Finanzwerte im ATX hoch gewichtet. Bank-Aktien sind europaweit die größten Verlierer dieses schwarzen Börsen-Montags. Die Titel der Erste Group sackten im Handelsverlauf um bis zu neun Prozent ab, jene der Raiffeisen Bank International (RBI) verloren fast sechs Prozent.Auch an der Frankfurter Börse führen Bank-Aktien die Verlierer-Liste an: Deutsche Bank minus 6,4 Prozent, Commerzbank minus acht Prozent. Unter Investoren krassiert wegen der niedrigen Zinsen und der Gefahr höherer Kreditausfälle die Angst vor Bank-Pleiten. Das zeigen die deutlich gestiegenen Risikoprämien für Kreditausfallsversicherungen. Der Frankfurter Aktienindex DAX rauschte kurzfristig sogar unter 9000 Punkte. So tief war er schon eineinhalb Jahr nicht mehr.

Übertreibung

In den nächsten Tagen könnte es weiter abwärts gehen. Christoph Schultes, Senior Analyst der Erste Group: "Für eine Bodenbildung ist es noch zu früh. Die Unsicherheit wird uns noch einige Zeit begleiten", sagt er. Trotzdem glaubt er, dass die Verluste bereits übertrieben seien – vor allem in Wien. Denn die börsenotierten Unternehmen machten im Durchschnitt ein Drittel ihres Umsatzes in Zentral- und Osteuropa. "Diese Länder verfügen über ein robustes Wirtschaftswachstum", betont er.

Bei Europas Investoren kommt diese Botschaft derzeit aber nicht an. Der Sentix-Index aus der Befragung von 1100 Anlegern, Analysten und Ökonomen ist ungewöhnlich stark um 3,6 auf sechs Punkte gefallen. Das heißt: Börsianer trauen der Eurozone wegen der globalen Wirtschaftsabschwächung nur wenig Wachstum zu.

Ölpreis auf Talfahrt

Ein Grund für die Verunsicherung der Anleger ist das anhaltende Tief der Ölpreise, das die Förderstaaten zusehends destabilisiert. Ein Treffen der Ölminister Venezuelas und Saudi Arabiens am Wochenende brachte keine Änderung der Förderpolitik. Die Saudis wollen die Ölhähne offen lassen. Am Montag fiel der Preis für Nordseeöl Brent um 2,1 Prozent auf 33,40 Dollar je Fass. Ian Taylor, Chef des weltgrößten unabhängigen Ölhändlers Vitol Group, glaubt, dass der Ölpreis auch in zehn Jahren nicht über 50 Dollar springen werde.

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