Wirtschaft
11.03.2013

Kaske folgt Tumpel nach

Nach 15 Jahren an der Spitze der Wiener Arbeiterkammer, räumt Herbert Tumpel den Chefsessel.

In der Vollversammlung der Wiener Arbeiterkammer ist am Montag eine personelle Weichenstellung vollzogen wurden: Der Wiener AK-Präsident Herbert Tumpel übergab das Szepter an seinen Nachfolger Rudolf Kaske, der bisher die Gewerkschaft "vida" geleitet hat. Tumpel stand mehr als 15 Jahre lang an der Spitze in Wien. Doch damit nicht genug der Rochaden: Auch in der Bundes-Arbeiterkammer wird derselbe Wechsel nachvollzogen, aber erst am Dienstag.

Zahlreiche Verbesserungen

Der scheidende AK-Präsident dankte in seiner Rede Gewerkschaften und Sozialpartnern: Die Kraft, so betonte er, schöpfe die Arbeiterkammer aus dem Wissen und Engagement der Arbeitnehmervertreter. Auf Basis der Anregungen der Betriebsräte und Personalvertreter und gemeinsam mit Gewerkschaften und Sozialpartnern sei es gelungen, auch in schwierigen Zeiten entscheidende Verbesserungen für die Beschäftigten zu erreichen, freute sich Tumpel.

Er erinnerte an die wirtschafts- und sozialpolitischen Auseinandersetzungen seiner Amtszeit. In vielen Fragen der Arbeitnehmerrechte sei Österreich etwa dem Nachbarland Deutschland weit voraus. Während dort über Mindestlöhne immer noch diskutiert werde, hätten in Österreich die Sozialpartner längst einen Mindestlohn von 1.000 Euro durchgesetzt: "Wir sind heute so weit, dass 95 Prozent aller Beschäftigten über 1.300 Euro brutto im Monat haben."

Auch bei der Absicherung der Leiharbeiter sei Österreich weiter als Deutschland: "Wir haben gleichen Lohn und gleiche Sozialleistungen durchgesetzt. In Deutschland verdienen Leiharbeitskräfte oft nur 40 Prozent dessen, was ihre festangestellten Kollegen und Kolleginnen verdienen", so Tumpel.

Er verwies auch auf die Auseinandersetzungen um die Abfertigung neu und erinnerte daran, dass bei der EU-Erweiterung die AK gemeinsam mit den Gewerkschaften auf die Ausnutzung der Übergangsfristen gedrängt habe: "Das war richtig und hat den österreichischen Arbeitsmarkt stabilisiert", versicherte der scheidende Präsident. Als weitere Erfolge seiner Amtszeit wertete er das Gesetz gegen Lohn- und Sozialdumping, die Verbesserung der sozialen Absicherung von Freien Dienstnehmern sowie der Mehrarbeitszuschlag für Teilzeitkräfte.

Kaske

Rudolf Kaske erhielt anschließend in der Vollversammlung in geheimer Wahl 138 von 170 abgegebenen (166 gültigen, Anm.) Stimmen, das sind 83,13 Prozent. Der gelernte Koch begann seine Karriere 1973/74 als Jugendvertrauensrat. In der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD) wurde er nach verschiedenen Stationen 1995 zum Vorsitzenden gewählt. Kaske war 2006 bis 2012 Vorsitzender der Gewerkschaft vida, die aus dem Zusammenschluss der HGPD mit der Gewerkschaft der Eisenbahner und der Gewerkschaft Handel, Transport, Verkehr entstand. In der Wiener Arbeiterkammer ist Kaske seit 1989 Kammerrat und seit Oktober 2012 Vizepräsident.