Wie Trumps "Jobwunder" funktioniert

Jack Ma und Donald Trump im Trump Tower
Großspurige Ankündigungen von Alibaba bis Toyota: Die Firmen-Bosse reden Ihre US-Investitionen groß.

Die Firmenbosse haben rasch vom künftigen US-Präsidenten Trump gelernt: Sie übertreffen einander mit großspurigen Ankündigungen, wie viele Jobs sie in den USA schaffen werden.

Den Vogel schoss Jack Ma ab, der Chef des chinesischen Online-Händlers Alibaba. Nach einem Treffen im Trump-Tower am Montagabend stellte Ma in Aussicht, dass in den nächsten fünf Jahren eine Million Arbeitsplätze in den USA entstehen würde. Was auf absurden Annahmen basiert: So soll eine Million US-Kleinunternehmen via Alibaba Zugang zum chinesischen Markt erhalten. Die Jobs würden entstehen, wenn jede Firma einen Mitarbeiter zusätzlich einstellt.

Tatsächlich ist Ma auf Werbetour für eine Händler-Plattform, die Geschäfte von privat zu privat erleichtern soll. In den USA läuft dazu ein witzig gemeinter TV-Spot, in dem etwa eine "österreichische Jazzband" mit dem Triangel musizieren muss, weil eine Trompeten-Herstellerin nicht liefern konnte.

Alibaba unter Beschuss

In den USA hatte Alibaba bisher einen schweren Stand, daher wohl die Charmeoffensive. Kurz vor Weihnachten hatte der US-Handelsbeauftragte die Alibaba-Tochter Taobao unter strenge Beobachtung gestellt: Die Händlerplattform unternehme zu wenig gegen Fälschungen und Produktpiraterie, beschwert sich die US-Handelsbehörde in ihrem jährlichen Bericht (zum "Notorious Markets Report 2016" geht es hier, zur Alibaba-Reaktion hier).

Brisant ist der Besuch auch, weil Trump im Wahlkampf auf harsche Konfrontation mit China gegangen war. Ma werden gute Kontakte zur Führung der Kommunistischen Partei in Peking nachgesagt. Er sprach sich für "verbesserte Beziehungen" aus. Trump lobte Ma im Gegenzug als "einen der besten Unternehmer der Welt".

Reaktion auf Kritik

Die Autoindustrie bemüht sich ebenfalls intensiv um das Wohlwollen des 45. US-Präsidenten – auch wenn das keiner so zugibt. Ein Firmenchef nach dem anderen kündigte bei der Automesse in Detroit an, Milliarden in die US-Werke zu stecken. Die Manager sind aufgeschreckt von Trumps Drohung, Fahrzeug-Importe für den US-Markt mit hohen Zöllen zu belegen.

So will Toyota binnen fünf Jahren 10 Milliarden Dollar in den USA investieren. Der japanische Autoriese hat schon jetzt zehn amerikanische Werke mit 136.000 Mitarbeitern. Dennoch wurde Toyota von Trump hart dafür angegangen, weil es vor zwei Jahren angekündigt hatte, eine Fabrik im mexikanischen Guanajuato zu bauen.

Fiat und Ford

Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne sagte, man werde eine Milliarde Dollar in die Werke in Ohio und Illinois stecken und 2000 Jobs schaffen. Ford war bereits zuvor vorgeprescht und hatte versprochen, Investitionen in Mexiko zugunsten der US-Fabriken zurückzustellen.

Trump lässt sich dafür als Retter der Arbeiter feiern. Reichlich verfrüht, denn ihre US-Investitionen hatten die Autobauer schon vor vielen Monaten angekündigt. Sie hängen vor allem mit den starken Absatzzahlen auf dem US-Markt zusammen. Aber woher kommt der große Optimismus und die Zuversicht der Konsumenten? Was für eine Frage...

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