Bayern/ ARCHIV: Verbluehter Lowenzahn (Pusteblume) steht auf einer Wiese vor dem Atomkraftwerk in Gundremmingen im Landkreis Guenzburg (Foto vom 14.05.11). Die Bundesregierung will angeblich die Abschaltung wichtiger Kraftwerke verbieten und so die Sicherheit der Stromversorgung aufrecht erhalten. Die "Frankfurter Rundschau" berichtete, die Betreiber der Stromleitungsnetze sollten bis Maerz mit der Bundesnetzagentur eine Liste systemrelevanter Kraftwerke erstellen. Falls die Betreiber diese Kraftwerke stilllegen wollten, sollten sie das ein Jahr im Voraus mitteilen muessen. (zu dapd-Text) Foto: Felix Kaestle/dapd

© Deleted - 1651299

Debatte
12/16/2012

Wie schaffen wir die Energiewende?

Experten diskutieren mit dem KURIER über das Energiesystem der Zukunft.

von Markus Stingl

Was noch vor ein paar Jahren als Thema der „Ökos“ belächelt und höchstens in politischen Sonntagsreden angedeutet wurde, ist spätestens seit dem deutschen Atomausstieg ein Faktum geworden: Die Energiebranche steht vor einem fundamentalen Wandel.

Dennoch, ein ganz grundsätzliches Auffassungsproblem bestehe nach wie vor, sagt Josef Plank, Präsident des Interessenverbandes Erneuerbare Energie Österreich: „Jeder versteht unter dem Terminus Energiewende etwas anderes.“ Wolfgang Hesoun, Chef von Siemens Österreich und Präsident der Industriellenvereinigung Wien, nickt: „Es gibt ja weltweit eine Menge an Energiewenden.“ Beispielsweise China, das durchaus auf neueste Energietechnologien setze und damit mittelfristig seinen Standortvorteil absichere. Oder die USA, wo der Schiefergas-Boom Energie im internationalen Vergleich extrem billig mache. Damit komme es gerade zu einer Reindustrialisierung Nordamerikas. Und Europa? „Hier gibt es einen eher heterogenen Zugang zum Thema Energie. Und das ist noch das Höflichste, was mir einfällt.“

Stabil und leistbar

Dabei stellt Hesoun ja außer Frage, dass es, auch im Lichte des Klimaschutzes, einer Energiewende bedarf. Die Botschaft der Industrie sei aber klar: „Energie muss stabil in der Versorgung und leistbar bleiben.“ Es gehe um die Wettbewerbsfähigkeit Europas.

Plank versucht mit dem Vorurteil aufzuräumen, die Erneuerbaren hätten die Preise zuletzt in die Höhe getrieben. „Es genügt allein ein Blick auf die aktuelle Statistik. Die Fossilen waren in den vergangenen Jahren immer der Preistreiber.“

Dem E-Control-Vorstand Martin Graf fehlt der gesamtheitliche Blick. „Wie kann ein europäischer Energiemix aussehen? Darin sehe ich den Schlüssel zum Erfolg einer Energiewende in Europa.“ Momentan sei alles nationalstaatlich geregelt. Für Plank müssen zwei zentrale Punkte außer Streit gestellt werden: „Energieeffizienz, denn ohne sie erreichen wir gar nichts. Und am Ende muss ein Energiesystem auf Basis Erneuerbarer stehen.“

Ganz ausklammern will Hesoun die fossilen Energieträger aber auch in Zukunft nicht. „Es ist kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch.“ Von Parolen wie „Energieautarkie für Österreich“ halte er nichts. Die Chancen für Erneuerbare seien da, „aber nur dort, wo es wirtschaftlich Sinn macht“. Immerwährende Subventions-Modelle lehnt Hesoun ab.

Graf ortet aber durchaus Aufbruchstimmung im Land. „Die muss man nützen. Österreich sollte sich in der Energiewende-Diskussion als Vorzeigeland positionieren.“ Plank versichert in dem Zusammenhang, dass die Erneuerbaren-Vertreter die Energiewende nicht als Industrievertreibungsprogramm verstehen. „Ganz im Gegenteil. Wir sehen sie als wirtschaftliche Chance.“

Technologie

Daran glaubt auch der IV-Wien-Präsident: „Bei Smart-Technologies können wir als kleines Land Dinge früher installieren und testen. Das ist ein Vorteil, den wir weiterhin nutzen sollten.“

Graf stimmt es zudem positiv, dass zuletzt immer neue Player ins System eingestiegen seien. Etwa Versicherungskonzerne oder Banken. „Es gibt viel Kapital am Markt, das nach stabilen, langfristigen Investments sucht.“ Fündig würden sie zunehmend im Bereich der Erneuerbaren oder der Netzinfrastruktur. Der Ausbau von Letzterer sei ohnedies unabdingbar für das Gelingen der Energiewende, sind sich die Diskutanten einig. Es bedarf intelligenter Netze, die die Steuerung der immer volatiler werdenden Stromflüsse handhaben können.

Übereinstimmung gibt es auch darüber, dass es das Gebot der Stunde sei, die Effizienz zu forcieren. Graf: „Wenn man das Thema ernst nimmt, muss man das Energieeffizienzgesetz noch heuer in Begutachtung schicken.“ Darüber diskutiert und lobbyiert wurde fast das gesamte heurige Jahr. Der Ball liegt beim zuständigen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner.

„Es fehlt der gesamtheitliche Blick: Wie kann ein europäische Energiemix aussehen? Das sehe ich als den Schlüssel zum Erfolg einer Energiewende in Europa.“ Martin Graf

„Die Message der Industrie ist klar: Energie muss stabil in der Versorgung und leistbar bleiben.“ Wolfgang Hesoun

„Es genügt allein ein Blick auf die aktuelle Statistik. Die Fossilen waren in den vergangenen Jahren immer der Preistreiber. Im Vergleich dazu sind die Kosten der Erneuerbaren überschaubar.“Josef Plank

„Es gibt durchaus eine Aufbruchsstimmung. Die sollte man nutzen. Österreich sollte sich in der Energiewende-Diskussion als Vorzeigeland positionieren.“ Martin Graf

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.