Wirtschaft
24.07.2017

Wie man den ländlichen Raum stärken kann

20 Maßnahmen von der Auslagerung von Bundesstellen bis zu Jobs durch das Breitband-Internet.

"Das Ziel ist, zehn Prozent der Bundesbehörden, das sind etwa 3500 Dienstposten, in den nächsten zehn Jahren in den ländlichen Raum zu verlagern." Agrarminister Andrä Rupprechter will das flache Land durch einen Masterplan aufwerten. Diesen hat sein Ministerium unter wissenschaftlicher Begleitung und der Einbindung von mehr als 3000 Betroffenen erarbeitet.

Die Verlagerung von Bundesbehörden ist dabei nur eine von 20 Maßnahmen, die alle ein Ziel haben: Die zunehmende Abwanderung aus den ländlichen Gebieten soll durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze gestoppt werden. Vorbild dafür sind Deutschland und die Schweiz.

Während in Österreich 65 von 68 Zentralstellen des Bundes in Wien sitzen, sind in Deutschland 67 Bundesdienststellen auf 24 Städte aufgeteilt. In der Schweiz sitzen 47 Bundesbehörden in elf Städten. In Österreich hat etwa Rupprechter das Bundesamt für Wasserwirtschaft nach Mondsee (Oberösterreich) verlagert.

Digitalisierung

Zusätzliche Jobmöglichkeiten soll auch der flächendeckende Ausbau des Breitbandnetzes schaffen. Durch zunehmende Digitalisierung der Abläufe können viele Arbeitsleistungen unabhängig vom physischen Standort erbracht werden. Allerdings lässt der Breitbandausbau noch zu wünschen übrig.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verbesserung der Mobilität, vor allem durch Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Auf dem Land werden nur 2 Prozent der Wege mit Öffis, aber 83 Prozent wegen des Mangels an Öffis mit dem Pkw zurückgelegt.

Um ihre Chancen zu verbessern, müssen laut Masterplan allerdings auch die Gemeinden und Bezirke einen Beitrag leisten. Etwa durch bessere Kooperation der Gemeinden bzw. die Aufteilung verschiedener Aufgaben. Dadurch können auch neue Kompetenzzentren entstehen, die ihrerseits wieder neue Jobs schaffen.

Neue Modelle für Gesundheitsversorgung

Mehr Kooperation und Zusammenarbeit wird künftig auch in der Gesundheitsversorgung und bei der Pflege nötig sein. Im medizinischen Bereich rechnen sich, so der Ökonom Gottfried Haber von der Donau-Universität Krems, bestimmte Strukturen nicht. Es gehe nicht um die Schließung von Standorte, sondern um eine "abgestufte Versorgung". Eine Möglichkeit zur Verbesserung der medizinischen Versorgung könnten etwa auch mobile Arztpraxen sein.

Wann der Masterplan auch in einer Regierung beschlossen wird, ist offen, vor der Wahl im Oktober "geht es sich nicht mehr aus" (Rupprechter). Die Frage, was mit dem Masterplan geschieht, sollte die ÖVP der nächsten Regierung nicht angehören, will er nicht beantworten: "Das ist eine hypothetische Frage".