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Serie Lehre mit Zukunft
10/19/2019

Wie das Steuern eines Krans bei der Berufswahl helfen soll

Talente-Checks helfen Jugendlichen bei der Wahl des Berufs oder der Ausbildung.

von Simone Hoepke

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Digitalisierung und Globalisierung stellen immer höhere berufliche Anforderungen. Besonders an unsere Jugend. Aus diesem Grund dokumentiert der KURIER die neuen und verschiedenen Formen der Lehre. In einer sechsteiligen Serie werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und analysieren mit Lehrlingen, Unternehmern und Ausbildnern die künftigen Herausforderungen für Jugendliche. In diesem Teil besuchen wir den Talente-Check in Salzburg.

Talente-Check klingt nach grauem Büro mit langen Sitzreihen und Schülern, die mit gespitzten Bleistiften Multiple-Choice-Tests machen. Weit gefehlt, zumindest im Talente-Check-Center in Salzburg.

Hier testen 13- und 14-Jährige virtuell das Abladen eines Lkw mit einer original Palfinger-Kransteuerung. Sie checken bei Geschicklichkeitstest und beim Draht biegen, ob sie eine ruhige Hand haben oder am Computer, ob ihre Stärke doch eher in der Sprachkompetenz liegt.

Bis zu 4,5 Stunden dauert das gesamte Programm, 4.800 Schüler nutzen es im Jahr. „Damit liegt die Zielgruppenabdeckung in Salzburg bei 88 Prozent“, sagt Lukas Mang, Leiter des Talente-Checks Salzburg.

Ähnliche Angebote gibt es in allen Bundesländern – wenn auch unter anderem Namen. Mit Ausnahme von Kärnten (20 Euro) und der Steiermark (15 Euro) sind sie – zumindest für Klassen – kostenlos. Österreichweit nutzen sieben von zehn Schülern das Angebot.

Elisabeth Rohrmoser hat von einer Bekannten vom Talente-Check erfahren. Da die Schule keinen Termin vereinbart hatte, nahm sie die Sache selbst in die Hand und kam an einem schulfreien Tag mit fast der gesamten Klasse ihres Sohnes ins Talente-Center. Rohrmoser: „Das Angebot an Schulen und Schwerpunkten ist enorm, die Entscheidung für den weiteren Bildungsweg schwer. Zudem sieht man sein eigenes Kind ja immer aus einem bestimmten Blickwinkel. Da ist es gut, eine andere Perspektive zu bekommen.“ Sie sei für jedes Ergebnis offen.

So wie auch Evi Brunner, deren Tochter ebenfalls die Tests macht: „Von einem Außenstehenden einen Blick auf die Stärken und Schwächen des Kindes zu bekommen, ist schon eine Entscheidungshilfe bei der weiteren Schulwahl.“

Was bei den Tests herausgekommen ist, besprechen später Psychologen in Einzelgesprächen mit den Schülern. In einigen Bundesländern sind auch die Eltern der Jugendlichen in die anschließende Beratung involviert. Die Ergebnisse werden aber nicht veröffentlicht, daher gibt es auch keine offiziellen Auswertungen.

Ganz uneigennützig ist das Angebot der Wirtschaftskammern freilich nicht. „Die Schüler haben die Chance, dass sie einen Bildungsweg wählen, der ihren Talenten entspricht. Das heißt für Unternehmen auch, dass sie weniger Fluktuation haben und weniger in Umschulungen investieren müssen“, erläutert Mang.

Jeden vierten Euro, den die Wirtschaftskammer Salzburg über die Kammerumlage einnimmt, steckt sie in Bildung, schlicht weil das eines der Top-Themen bei den Firmen ist.

Angst, dass die Schüler in Berufsrichtungen gelotst werden, die gerade schwer zu besetzen sind, müsse man nicht haben, versichert Mang: „Es handelt sich um eine komplett neutrale Beratung.“

Check für Maturanten

Ab 2020 wird das Angebot – zumindest in Salzburg – um den Karriere-Check für AHS-Maturanten erweitert. Ob andere Bundesländer nachziehen, ist offen. Theoretisch kann aber jeder vorbeikommen und sich (entgeltlich) austesten lassen. Der älteste Interessent in Salzburg war übrigens 65 Jahre alt. Er wollte eine Studienberatung. Was dabei rausgekommen ist, kann Mang nicht verraten.

Lieber erzählt er von den internationalen Delegationen, die zu Gast sind, etwa aus Südtirol, Luxemburg, Litauen und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Berlin und Bozen wurden bereits Talente-Checks nach dem Salzburger Vorbild realisiert.

Diese Serie wird in Kooperation mit der WKÖ aber unter redaktioneller Unabhängigkeit publiziert. Wir bedanken uns bei den Jugendlichen, ihren Eltern und den Unternehmen für die Mitwirkung.