Wirtschaft 07.01.2017

Whistleblowing-Hotline kann sich auch für Unternehmen rechnen

Andreas Pollak ist auf Wirtschaftsstrafrecht spezialisiert. © Bild: /petsche pollak

Externe Betreiber vermitteln mehr Vertrauen.

Wie geht ein Mitarbeiter damit um, wenn er über unrechtmäßige Vorgänge in seinem Unternehmen stolpert und diese zu Fall bringen will? "Solange man einen guten Draht zu Eigentümern und Entscheidungsträgern hat und diese nicht involviert sind, dann ist es einfach, diese davon in Kenntnis zu setzen", sagt Andreas Pollak, Partner der Kanzlei petsche pollak im KURIER-Gespräch. Fehle aber das Vertrauen oder seien die Eigentümer dauerhaft nicht in Österreich, dann tue sich ein Problem auf. Zwar gibt es auch hierzulande behördliche Informanten-Systeme, wie etwa von der Finanzmarktaufsicht.

"Besser wäre es aber, Probleme intern abzufangen", so Pollak. "Je mehr Standorte und je globaler ein Unternehmen, desto sinnvoller ist eine eigene Informanten-Hotline", in der Fachsprache Whistleblower genannt. Die Hotline sollte am besten extern betrieben werden. Das sei nicht nur rechtlich besser, da das Unternehmen strukturell nicht eingebunden sei. Auch das Vertrauen der Mitarbeiter sei größer.

Mistkübel für Schwachsinn

Natürlich sei solch eine Hotline oft auch Mistkübel für Schwachsinn jeder Art und die Gefahr der Vernaderung groß. Die Anbieter dieser Hotlines (meist Wirtschaftsprüfer und Anwaltskanzleien) seien aber darauf spezialisiert, dies auszusieben. Eine externe Hotline kostet laut Pollak ein paar Tausend Euro im Monat.

Da es für Informanten in Österreich keinen arbeitsrechtlichen Schutz gibt, rät er, auf der Hotline seinen Namen nicht preiszugeben. Jeder Informant erhält aber einen Code zur Identifikation, um sich bei Aufdeckung des Falles erkennen geben zu können und so einer Strafe zu entgehen.

( kurier.at ) Erstellt am 07.01.2017