WTO-Generaldirektor Roberto Azevedo

© REUTERS/PIERRE ALBOUY

WTO- und IWF-Prognose
09/28/2016

Weltweiter Handel ist "dramatisch verlangsamt"

"Weckruf" und Warnung vor Protektionismus: Welthandel so schwach wie zuletzt nur in Krisenjahren.

Der globale Warenaustausch steckt in einer dauerhaften Schwächephase: 2016 werde der Welthandel nur um 1,7 Prozent wachsen, prognostizierte die Welthandelsorganisation WTO am Dienstag in Genf. Eine drastische Herabstufung: Noch im April hatte sie wie im Vorjahr ein Plus von 2,8 Prozent erwartet.

Damit würde der Handel, sonst ein zuverlässiger Konjunkturmotor, langsamer wachsen als die globale Wirtschaftsleistung. Das war bisher nur in Krisenjahren wie 2001 und 2009 der Fall. "Die dramatische Verlangsamung im Handel sollte als Weckruf dienen", sagte WTO-Generaldirektor Roberto Azevêdo. Der Brasilianer nannte als Gründe die schwächere Konjunktur in Schwellenländern wie China und Brasilien, aber auch die Verlangsamung der Importe in den USA.

Protektionismus ist in

Der weltweite Handel wachse seit 2012 nicht einmal halb so rasch wie in den drei Jahrzehnten davor, stellte der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington fest. US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump trifft mit seiner "USA zuerst"-Politik offenkundig einen Nerv: Hintergrund der Handelsschwäche sei nämlich die Zunahme des Protektionismus, also der nationalen Abschottung, betonten die IWF-Experten.

Obendrein stocke der Abbau von Handelshürden. Die Freihandelsabkommen wie TTIP zwischen USA und Europa könnten dem Welthandel neuen Schwung verleihen, glauben die Analysten.

Azevêdo bereitet die zunehmende Globalisierungskritik Sorge: Für Wachstum und Jobs brauche die Welt mehr Handel, nicht weniger. "Allerdings müssen die Gewinne breiter verteilt werden", forderte Azevêdo. "Wir sollten jetzt ein Handelssystem bauen, von dem die ärmeren Länder sowie Unternehmer, kleinere Firmen und Randgruppen in allen Volkswirtschaften profitieren ."

Zu wenige Investitionen

Der IWF sieht einen weiteren Grund bei den mangelnden Investitionen. Zu den Leidtragenden dieser Entwicklung werde auch Deutschland zählen, das zu den größten Handelsnationen gehört.

Besserung ist kaum in Sicht: Auch für das kommende Jahr erwartet die WTO jetzt nur noch eine Zunahme des globalen Waren- und Dienstleistungsverkehrs um 1,8 bis maximal 3,1 Prozent.

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