Wirtschaft 05.12.2011

Welt bezahlt für US-Schuldenkrise

Rund um den Globus sind die Folgen der US-Krise massiv zu spüren. Nur zwei Prozent der Amerikaner begrüßen den Deal. Putin beschimpft die USA.

Am Dienstag passierte der zäh ausverhandelte Schuldenkompromiss auch die zweite Kammer des US-Kongresses. Damit haben sich die USA Luft bis nach den Präsidentenwahlen im Herbst 2012 verschafft. Die weltweite Kritik an der US-Finanzpolitik reißt jedoch nicht ab. Die "Fluchtwährungen" Gold und Schweizer Franken haben neue Rekordstände erreicht. Zwar wurde die drohende Zahlungsunfähigkeit der USA abgewendet, doch die Sorgen um die Stabilität des Weltfinanzsystems wachsen eher noch.

Auch in den USA: Ökonomen wie Paul Krugman warnen vor der nächsten Rezession und einer höheren Arbeitslosigkeit, weil sich die USA kaputt sparen würden. Immerhin hängt die US-Wirtschaftsleistung - anders als in Europa - zu gut zwei Dritteln vom privaten Konsum ab. Die Stimmung in der Bevölkerung ist daher mitentscheidend. Die ersten Umfragen zeigen: Nur zwei Prozent der Amerikaner sind mit dem Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern zufrieden.

Mit der weltweiten Kritik an der US-Finanzpolitik kommt auch der Dollar – als Symbol der US-Wirtschaftsmacht – ins Gerede. Doch die Auswirkungen der US-Krise sind rund um den Globus zu spüren.
© Bild: Reuters

Zu einer drastischen Formulierung hat Russlands Premier Wladimir Putin gegriffen. Washington verhalte sich in der Finanzwelt "wie ein Parasit" und bringe mit der Monopolstellung des Dollar die gesamte Weltwirtschaft ins Wanken. Es sei Zeit für Alternativen zum Dollar, dies könne ein "fester Euro" sein.

Europa - Asien - USA

Europa Unter einer "festen" Währung leiden derzeit vor allem die Schweizer. Der Franken ist schon nahe der Parität zum Euro. Seit Wochen wird in der Schweiz über mögliche Gegenmaßnahmen wie eine Bindung an den Euro gestritten.
In der Eurozone rücken die Sorgenkinder Italien und Spanien in den Fokus. Weil klar ist, dass eine Lösung der US-Schuldenkrise - auch nach der prinzipiellen Einigung auf das historische Sparpaket von rund 2400 Milliarden Dollar - erst noch gefunden werden muss, kaufen hochnervöse Investoren den beiden Euro-Ländern Staatsanleihen nur noch zu Rekordzinsen ab. Das verschärft die Finanzprobleme in Spanien und Italien massiv.

Asien Mit China und Japan sitzen die größten US-Gläubiger aber in Asien. China übt seit Tagen heftige Kritik an der US-Finanzpolitik ("unmoralisch", "unverantwortlich"). Der US-Schuldenberg werde munter weiter wachsen. "Dies wirft einen Schatten auf die Erholung der US-Konjunktur und erhöht die Gefahren für die Weltwirtschaft, schreibt das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Chinas, Renmin Ribao. Und im schwer gebeutelten Japan muss wohl bald auf dem Devisenmarkt interveniert werden, um den für den Export schädlichen Höhenflug des Yen zu bremsen. Auch nach Beben und Tsunami ist Japan die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das "verlorene Jahrzehnt" Japans drohe nun den USA, schreiben Kommentatoren in Washington.

USA In den Staaten wird gestritten, ob sich Demokraten oder Republikaner durchgesetzt haben. Obamas Demokraten haben die Anhebung der Schuldengrenze erreicht sowie die massivsten Kürzungen im US-Militärhaushalt (850 Millionen US-Dollar) seit den Neunzigerjahren. Auch Kürzungen in der Krankenversicherung für Senioren wurden begrenzt. Die Republikaner konnten vor allem Steuer-Erhöhungen verhindern und hohe Einsparungen durchsetzen. Weil das Sparpaket aber bis November endverhandelt werden muss, droht hier eine Neuauflage des Gerangels.

Der US-Kompromiss: Die Details

Deal Die Einigung zwischen Demokraten und Republikanern sieht vor, dass die Erhöhung des gesetzlich erlaubten Schuldenlimits von derzeit 14.300 auf 16.400 Milliarden US-Dollar mit historisch hohen Sparmaßnahmen in Höhe von rund 2400 Milliarden Dollar über die nächsten zehn Jahre einhergeht.

Sparstift Rund 900 Milliarden Dollar an Einsparungen wurden bereits fixiert, weitere rund 1500 Milliarden Dollar müssen bis 24. November ausverhandelt werden, sonst treten automatische Kürzungen in Kraft. Daher droht ein heißer Herbst, weil die Demokraten weiterhin auf Steuererhöhungen pochen werden.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011