Wirtschaft 31.03.2012

Weidwerk schafft 475 Millionen Euro Umsatz

Gerade in Zeiten des Misstrauens in Fleisch und Fleischprodukte explodierte europaweit der Bedarf an Wildfleisch.

Ich werde doch einen Menschen, der es in seinem Leben zu etwas gebracht hat, als Freund zur Jagd einladen dürfen!" Die schiefe Optik, die derzeit besteht, liege laut Erhard Brandstetter, dem stellvertretenden nö. Landesjägermeister, nicht an der Jagd, sondern an den handelnden Personen. Brandstetter: "Jagdeinladungen sind an sich nichts Böses. Jeder, der eingeladen wird, muss entscheiden, ob er die Einladung auch annimmt."

Jagd ist kein Hobby

Es seien vor allem die "Hobby-Jäger", die laut Brandstetter dem Weidwerk schaden würden. Wer pro Jahr nur zwei, drei Mal zur Jagd eingeladen wird, ist lediglich Jagdkarteninhaber: "Die Jagd ist kein Hobby, sondern eine Verpflichtung, und sie spielt eine bedeutende Rolle in der Wirtschaft."

Der jährliche Wirtschaftswert der Jagd in Österreich wird derzeit recht präzise mit 475 Millionen Euro angegeben. Den größten Anteil an dieser Summe machen mit etwa 199 Millionen Euro die Löhne und Gehälter der zahllosen Beschäftigten im Jagdwesen sowie der Berufsjäger und der Jagdaufsichtsorgane aus.

Ebenso liefern Österreichs Jäger jährlich hochwertiges Wildbret im Wert von ungefähr 24 Millionen Euro. Gerade in Zeiten des Misstrauens in Fleisch und Fleischprodukte explodierte europaweit der Bedarf an Wildfleisch, von dessen naturnaher Herkunft und auch ethisch einwandfreier Beschaffung die Konsumenten wirklich überzeugt zu sein scheinen.

Der Jäger ist jedenfalls stets bestrebt, sein Revier "zu verbessern", sprich den Lebensraum der Wildtiere besser, vielfältiger auszustatten. Das Wild erhält dadurch bessere Überlebenschancen, und die Zuwächse bedeuten auch höhere potenziell bejagbare Bestände, wovon auch zahlreiche Wildtierarten, die von der Jagd ausgenommen sind, profitieren.

42 Prozent Arbeiter

Wer behauptet, dass die Jagd in Österreich nur etwas für "Großkopferte" sei, den konfrontiert Salzburgs Landesjägermeister Josef Eder mit der aktuellen Statistik: 42 Prozent der rund 9000 Grünröcke in Salzburg sind Arbeiter, 33 Prozent sind Bauern, 12 Prozent sind Angestellte und lediglich sechs bis acht Prozent sind Unternehmer. Eder: "Das Wichtigste ist, dass die Gemeindejagden bei den Bürgern bleiben und nicht an den jeweils Meistbietenden verpachtet werden. Wer in einer Gemeinde wohnt, soll auch Gelegenheit erhalten, in seiner Heimatgemeinde zu jagen."

Volksnähe

Landesjägermeister Eder ärgert sich über die aktuelle Diskussion um Jagdeinladungen: "Wir haben derzeit ganz andere Probleme in Österreich. Warum soll ein Politiker nicht jagen dürfen? Wenn ein Politiker nicht mehr volksnah sein darf, dann wird es bald keine Politiker mehr geben. Ich bin nicht ,bedenklich", wenn ich mich als Politiker auf eine Jagd einladen lasse."

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( Kurier ) Erstellt am 31.03.2012