Wirtschaft
09.03.2012

Weichenstellung bei Rail Cargo

Die defizitäre Güterverkehrssparte der Bahn setzt auf neue Kooperationen und sucht Partner für die Ungarn-Tochter.

Einst als potenzieller Börsekandidat gehandelt, hat sich die Güterverkehrstochter der Bahn mit dem Kauf der ungarischen MAV-Cargo ordentlich verhoben: 2008 um 391 Mio. Euro übernommen, wird der Wert nach heftigen Verlusten laut ungarischen Medien nur noch auf ein Drittel taxiert.

Nach einem Minus von 67 Mio. Euro 2010 wurde der Unternehmensberater Capital Partners dem Vernehmen nach mit der Suche nach einem Partner beauftragt. Rail-Cargo-Austria-Vorstand Erik Regter bestätigt nun offiziell: "Wir reden mit ausgewählten Partnern. Wie es jetzt ist, so wird es nicht bleiben." Die aktuelle Situation sei "nicht wirklich befriedigend".

Zunächst wolle man aber das Ergebnis weiter verbessern: 2011 schaffte die MAV Cargo, die heute als Rail Cargo Hungaria (RCH) agiert, einen hauchdünnen Betriebsgewinn von 0,4 Millionen. Einen exakten Fahrplan hat man bei der Partnersuche noch nicht, allerdings bevorzugt man einen Branchenpartner gegenüber einem Finanzinvestor: "Wir wollen uns in Südosteuropa weiterentwickeln. Dass Ungarn dabei ein Sprungbrett ist, ist klar. Wir sehen uns nun an, welcher Partner uns dabei unterstützen könnte."

Kooperationen

Die Probleme mit der MAV Cargo sowie die Wirtschaftskrise haben der RCA in den Vorjahren massive Verluste beschert. Mit Kooperationen versuchen Regter und sein Kollege Andreas Fuchs, die Kosten zu senken. In Ungarn etwa kooperiert man mit der Staatsbahn MAV bei der Wartung und Instandhaltung von Fahrzeugen, zugleich kooperiert man laut Regter im IT-Bereich. Nun will man die Zusammenarbeit mit den Ungarn ausweiten: "Wir wollen auch neue Projekte entwickeln im Sinne von neuen Güterterminals." Im Nordosten Ungarns gäbe es aus der Vergangenheit große, ungenutzte Anlagen: "Hier wollen wir Schwung reinbringen." Die Kosten seien überschaubar.

Auch in Italien will die RCA verstärkt punkten und der italienischen Staatsbahn künftig um die Ohren fahren. Zu diesem Zweck wurde soeben eine stärkere Kooperation mit dem Hafen Triest vereinbart: Die Zahl der Rail-Cargo-Züge, die den Hafen verlassen, soll jährlich auf 3000 verdoppelt werden. Den Großteil soll die Tochter Rail Cargo Italia abwickeln. Punkten will man mit der flexiblen Zusammensetzung von Waggons sowie drei neuen Verbindungen nach Budapest, München und Ulm.

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