Uncle Sam ist eine Symbol-Figur für die Vereinigten Staaten von Amerika (USA)

© REUTERS/ERIC THAYER

Zinswende
12/18/2015

Wege aus der Krise: Daumen hoch für Uncle Sam

Überflieger oder heiße Luft? Was die USA den Europäern in Sachen Wirtschaft voraushaben.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Gerecht ist das nicht. Da verursachen die USA eine völlig verrückte Immobilienblase, die ab 2008 den Erdball in die Krise stürzt. Dennoch schlagen sie jetzt mit der Zinswende den Weg in Richtung Normalität ein (der KURIER berichtete). Europa hat noch hart an den Folgen zu kauen. Bestes Beispiel: Die Arbeitslosenrate der USA beträgt 5,3 Prozent. In der Eurozone ist sie mit 11 Prozent doppelt so hoch. Was haben die USA besser gemacht?

Krise, welche Krise?

Slogans wie "Just do it" (Tu’s einfach) oder "Yes, we can" (Wir schaffen das) zeigen deutlich: Optimismus ist eine Grundtugend der USA. Amerikaner stecken Pleiten und Niederlagen rascher weg. Der Konsum, der 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht, zieht nach Krisen rasch an. Wer den Job verliert, wandert mit Sack und Pack in den nächsten Bundesstaat. Und als Unternehmer wird nur richtig ernst genommen, wer seine erste Pleite gebaut hat. In Europa kann das ein unternehmerisches Todesurteil sein. Erfindergeist, Risikokapital, Ermöglichen statt Verhindern – da kann sich "Old Europe" vieles abschauen. Die hohe Flexibilität übertüncht so manche US-Schwäche. "Eigentlich wundert man sich, wie die Wirtschaft bei so schlechter Infrastruktur wachsen kann", sagt Helmut Hofer vom Institut für Höhere Studien.

Nicht lang fackeln

Egal, ob Republikaner oder Demokraten: In der Finanzkrise haben die US-Regierungen rasch gehandelt und riesige Pakete zur Ankurbelung der Wirtschaft geschnürt. Die US-Notenbank betrat ohne Zögern neues Terrain und beließ die Zinsen acht Jahre lang bei null Prozent. In Europa wurde unterdessen lange debattiert, was die Europäische Zentralbank darf oder nicht. So richtig entkoppelt hat sich der Erholungspfad allerdings im Jahr 2011: Mit den USA ging es weiterhin bergauf. In Europa drängte hingegen die Schuldenkrise ein Euroland nach dem anderen an den Rand der Pleite.

Fünf Jahre lang absorbierten Griechenland und Co. alle Aufmerksamkeit; die EU-Staaten mussten hart auf die Ausgabenbremse steigen, obwohl die Lage mehr Ankurbelung erfordert hätte. In den USA verschwendet trotz einer Schuldenquote von 105 Prozent des BIP niemand einen Gedanken daran, dass der Staat pleite gehen könnte. Was einfach zu argumentieren ist, wenn man das Privileg hat, die Weltwährung Dollar zu drucken.

Glück gehabt

Manches lässt sich nicht planen. Es war Zufall, dass der Boom von Schieferöl und -gas die Konjunktur genau zum richtigen Zeitpunkt mit billiger Energie befeuerte. Und weil Chinas Wirtschaftswandel Produkte aus Asien teurer machte, kehrten Industriejobs in die USA zurück. Man darf sich aber nicht täuschen: Die Industrieproduktion in Deutschland und Österreich war 2011 wieder auf Vorkrisenniveau. "Die USA hat das erst 2014 aufgeholt", sagt Marcus Scheiblecker vom Wirtschaftsforschungsinstitut.

Kräftig aufgeräumt

Hopp oder dropp galt auch für die Rettung maroder Banken und Konzerne. Sie wurden nicht lange gefragt, sondern genötigt, faule Papiere auszulagern und die Teilverstaatlichung zu akzeptieren. Die Anteile an General Motors, am Versicherer AIG oder der Citigroup brachten dem Finanzminister am Ende sogar kleine Gewinne. Europas Banken schleppen heute noch Rucksäcke mit faulen Krediten herum.

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