IWF-Chefin Christine Lagarde: Opern- und Fußballfan

© REUTERS/YURI GRIPAS

Finanz im Dialog
06/17/2016

Was Mozarts Zauberflöte über Europa erzählt

IWF-Chefin Lagarde in Wien: Eurokrise, Flüchtlinge, Brexit - Europas Bürger brauchen positive Perspektiven.

"Ich liebe die Oper. Und ganz besonders die Zauberflöte, die hier in Wien vor mehr als zweihundert Jahren erstmals aufgeführt wurde", sagte Währungsfonds-Chefin Christine Lagarde am Freitag bei ihrem Wien-Besuch bei Finanzminister Hans Jörg Schelling.

"Die Zauberflöte erzählt die Geschichte Europas", schlug die Französin einen Bogen zu aktuellen Problemen: "Sie zeigt, wie die Menschheit von der Natur zur Kultur finden konnte, vom Aberglauben zur Aufklärung, vom Chaos der Dunkelheit zum Anbruch einer friedlicheren Zeit."

Neue Grenzen und Nationalismen

Europas Realität sieht momentan freilich anders aus. Eurokrise, Flüchtlingszustrom, Brexit: All das stelle das europäische Ideal der "Einheit in Vielfalt" gerade auf eine harte Probe, sagte Lagarde bei ihrer Rede im Rahmen der Veranstaltung "Finanz im Dialog".

Viele Europäer seien besorgt um ihre kulturelle Eigenständigkeit, Sicherheit, Jobs, Einkommen und Lebensstandards - und suchten Zuflucht bei geschlossenen Grenzen und wirtschaftlicher Abschottung. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit verlören die Menschen das Vertrauen in traditionelle Eliten und Institutionen.

"Es ist höchst an der Zeit, dieser negativen Sichtweise neue Perspektiven entgegenzustellen. Nicht nur für ein paar wenige, sondern für alle Bürger - vor allem jene, die sich als Verlierer fühlen", sagte Lagarde.

Sie glaube fest daran, dass ein Europa, das zusammenarbeitet, stärker ist als eines, das getrennte Wege geht. Der alternde Kontinent müsse aber in einer Welt von 7 Milliarden Menschen bestehen, wo viele jung, hungrig und aufstrebend sind. Die IWF-Chefin griff zu einer Fußball-Metapher: "Europa muss sein Spiel auf ein höheres Niveau bringen, wenn es in der ersten Liga bleiben will."

"Alles Gute gegen Portugal"

Was die Europäer im Moment am dringendsten bräuchten, sei freilich "mehr Zeit zum Fußball-Schauen", schloss Lagarde mit einem Scherz. "Ich wünsche dem österreichischen Nationalteam alles gute für das morgige Match gegen Portugal."

Die Spieler beider Teams und ihre Vereine seien ein gutes Beispiel dafür, was Europa ausmacht. "Da können Sie gut sehen, was das eigentlich heißt, Einheit in Vielfalt."

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