Wirtschaft
23.01.2018

Was Mathematik mit Stahl zu tun hat

Die voestalpine wächst durch innovative Produkte, vor allem für die Automobilindustrie.

"Wir suchen immer mehr Mathematiker." Mit diesem Satz beschreibt Wolfgang Eder am besten die Ausrichtung seines Unternehmens. Bei der voestalpine geht es noch immer um Stahl, aber in seiner modernsten Form: Leicht und extrem hart zugleich, so wie es etwa die Automobilindustrie braucht. Als innovativer Technologiekonzern wurde die voestalpine in vielen Bereichen zum Marktführer. Das heißt Digitalisierung, und dafür sind bestens ausgebildete Experten, eben auch Mathematiker dringend notwendig.

E-Mobilität als Übergangstechnologie

Über ein Drittel des Umsatzes wird mit Zulieferung zu Autofirmen gemacht, Elektroautos brauchen extrem guten Schutz für die Batterien, aber auch bei den Karosserien geht die Entwicklung vom Aluminium zurück zum harten und gleichzeitig leichten Stahl. Eder glaubt, dass die E-Mobilität sich als "mittelfristige Übergangstechnologie" durchsetzen werde, an der Entwicklung der Brennstoffzellen werde aber intensiv gearbeitet.

Der Wachstumsmarkt Auto, die Digitalisierung und erfolgreiche Investitionen haben zum besten Halbjahresergebnis der voestalpine seit der Bankenkrise des Jahres 2008 geführt, erzählt Eder in einem Hintergrundgespräch.

10 Millionen von Trump

Die USA sind neben China der wichtigste Wachstumsmarkt der voestalpine. In den USA gibt es 47 Standorte, Donald Trump wird durch seine Senkung der Unternehmenssteuern das Ergebnis um rund 10 Millionen verbessern.

Von der österreichischen Bundesregierung wünscht sich Eder eine integrierte Energie- und Klimastrategie bis 2050, die Industrie müsse längerfristig planen. Und er bittet doch, auf das "golden plating" zu verzichten, also das Bemühen, alles noch etwas besser zu machen. Und dann brauche die Industrie dringend die jetzt schon lange diskutierte Arbeitszeitflexibilisierung. "IT-Techniker wollen halt einmal eine Nacht durcharbeiten." Immerhin: "Die innerbetriebliche Sozialpartnerschaft funktioniert besser als auf Bundesebene."

Der voestalpine-Chef kommt viel herum auf der Welt, umso intensiver ist seine Begeisterung für Europa. Es gibt viele gute Gründe, an die Zukunft unseres Kontinents zu glauben", so Eder, wir müssten aber erkennen, dass "die Industrie der stabile Faktor unserer Gesellschaft ist." Viele Unternehmen seien in den letzten Jahren entstanden und auch wieder verschwunden, aber Automobile, Bau und Maschinenbau seien in Europa noch immer führend, deutlich verbessert durch die Digitalisierung.

Keine Lust auf Ruhestand

Wolfgang Eder wird im Februar 66 Jahre alt, sein Vertrag läuft in einem Jahr aus. Lust auf den Ruhestand ist bei ihm nicht zu spüren. Ganz im Gegenteil. "Die voestalpine ist eines der tollsten Unternehmen, die es gibt," sagt einer, der noch die Verstaatlichte kannte und als Chef seit 2004 viel zu diesem Befund beigetragen hat.