Wirtschaft
10.04.2017

Warum Fussl im hart umkämpften Modemarkt gute Profite macht

Während viele Modeketten unter dem wachsenden Online-Geschäft leiden, geht Fussl in die Offensive und expandiert nach Bayern.

Ernst Mayr, der gemeinsam mit seinem Bruder Karl die oberösterreichische Modekette Fussl führt, hat von Trend-Experten noch nie viel gehalten. "Schon als mein Bruder und ich im Jahr 2000 die 17 Modefilialen meines Vater übernommen haben, sagte man uns: Dieses mittelgroße Segment im Modehandel ist nicht überlebensfähig", erzählt Mayr.

Heute haben die Brüder 150 Filialen in ganz Österreich, und die Expansion nach Bayern hat soeben begonnen. Anfang März wurde dort die zweite Filiale der Modekette Fussl eröffnet, bis Jahresende will Ernst Mayr in acht bayerischen Kleinstädten präsent sein. Und – wenn alle gut laufen – hat er sich die Erweiterung des Filialnetzes im benachbarten Deutschland auf 30 Standorte vorgenommen. Dann will er Südtirol erobern.

Über die Leiden der Konkurrenz kann er nur milde lächeln. "Unsere Renditen liegen unter den Besten der Branche", sagt er zufrieden. Wie er das macht? "Ich weiß, welche Miete ich mir für meine Standorte leisten kann", nennt er eines seiner Erfolgsrezepte. Lagen wie die Mariahilfer Straße in Wien sind für ihn deswegen tabu. Fussl zieht in Kleinstädte mit 10.000 bis 30.000 Einwohnern, die "modemäßig unterversorgt" sind.

Und: Mit Konkurrenzdruck ist Mayr groß geworden. Der Hauptsitz von Fussl liegt in Ort im Innkreis. Nach Passau ist es nicht weit und Einkaufen in Deutschland war immer günstiger als in Österreich. Also musste Fussl ebenso günstig sein, um im Grenzgebiet überleben zu können. Erfolgsrezept Nummer zwei ist "das Gefühl für den qualitativ und kostenmäßig besten Einkauf". Das macht Karl Fussls Ehefrau. "Wir müssen uns von den Modediskontern abheben. Aber wir wissen: Mehr als 29 Euro wollen die meisten Frauen nicht für T-Shirts zahlen und mehr als 69 Euro nicht für Jeans", sagt Ernst Mayr.

Europa statt Asien

Und wo kauft Fussl die Mode? "Vieles noch immer in Asien. Aber Europa ist im Kommen", erklärt Mayr. Litauen zum Beispiel sei ein kräftig wachsender Textilerzeugungs-Standort.

Aber auch in Asien wandelt sich die Texil-Landschaft derzeit kräftig. Große Modeketten verlagern ihre Produktion zunehmend weg von China in billigere Länder – Myanmar zum Beispiel und immer häufiger nach Afrika. Äthiopien ist eines der Länder, in dem fast täglich neue Textilnähereien eröffnet werden. Dort wird zu Niedrigstlöhnen produziert, so wie es vor Jahren noch in China der Fall war.

Mayr nutzt den Abzug der Großen aus China und lässt Teile seiner Mode in den Nähereien produzieren, die Aufträge verloren haben. "Sie haben lange Erfahrung und erzeugen daher die Qualität, die ich brauche", sagt er.