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Wachstumskaiser
05/07/2014

Wirtschaftswachstum: Burgenland dreht das große Rad

2013 hängte die Wirtschaft des Bundeslandes erneut alle anderen deutlich ab.

von Irmgard Kischko

Was macht das Burgenland, was Kärnten nicht macht? Erfolgreiche Betriebsansiedlungen, Wirtschaftsparks und erneuerbare Energie, lautet die Antwort. Diese drei Faktoren haben dem Burgenland, das lange die rote Laterne beim Wachstumsvergleich der österreichischen Bundesländer getragen hat, 2013 erneut den Titel Wachstumskaiser eingebracht.

Um 3,1 Prozent ist die Wirtschaft des kleinen östlichen Bundeslandes im Vorjahr gewachsen und damit deutlich mehr als der österreichische Durchschnitt von 0,4 Prozent, hat Bank-Austria-Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer ermittelt. Am anderen Ende der heimischen Wachstumsskala liegt Kärnten, dessen Wirtschaft im Vorjahr um 0,7 Prozent geschrumpft ist. "Das Burgenland hat nicht nur die EU-Fördermittel erfolgreich eingesetzt, sondern auch eine pro-Business-Einstellung, die dem Land guttut", lobt Bruckbauer die Wirtschaftspolitik des Landes. Zum überdurchschnittlichen Wachstum habe allerdings auch die Übersiedlung der Coca-Cola-Abfüllung von Wien ins Burgenland beigetragen.

Nachholbedarf

Das Bundesland hat das kräftige Wachstum allerdings auch nötig. Denn die Kaufkraft der Burgenländer betrage trotzdem nur 70 Prozent des österreichischen Durchschnitts, betont Bruckbauer. Die Kaufkraft der Salzburger etwa liege um 15 Prozent über dem Durchschnitt, obwohl die Wirtschaft im Vorjahr stagnierte und auch für heuer nur schwache Wachstumsaussichten bestehen.

Kärnten wurde im Vorjahr von der Schwäche der italienischen Wirtschaft mit nach unten gezogen. Dem Bundesland fehle es aber grundsätzlich an einer starken Industrie, sagte Bruckbauer. Und der Tourismus schwächle seit Jahren.

Industrie zieht davon

Heuer sieht es für Kärnten etwas besser aus, zumal Italiens Industrie aus dem Tal der Tränen komme, erwartet der Bank-Austria-Volkswirt. Mit einem prognostizierten Wachstum von 1,4 Prozent liegt das südliche Bundesland sogar vor Salzburg, das mit einem Prozent den Schluss des Wachstums-Rankings der Bundesländer bildet.

Der große Sprung an die Spitze aber dürfte heuer Oberösterreich gelingen. Das industriestarke Bundesland wird laut Bank-Austria-Prognose heuer 3,1 Prozent wachsen. Denn der Exportmotor brummt heuer wieder. Vor allem die Ausfuhren nach Deutschland und Italien, die beiden wichtigsten Exportmärkte Österreichs, dürften kräftig zulegen. Damit sollte die Konjunktur in ganz Österreich an Dynamik gewinnen.

Die Bank Austria rechnet mit einem Wachstum von zwei Prozent und ist damit optimistischer als die Wirtschaftsforscher von WIFO und IHS (1,7 Prozent). Eskaliert allerdings die Russland-Ukraine-Krise, dann stimmen alle Prognosen nicht.

Wachstum, aber nicht auf Pump

Österreichs Unternehmen beginnen heuer wieder stärker zu investieren. Die Nachfrage nach Krediten aber sei noch nicht in Schwung gekommen, berichtet Erste-Bank-Österreich-Vorstand Peter Bosek. Von der viel zitierten Kreditklemme, also der Verweigerung von Finanzierung durch die Banken, sei keine Spur zu sehen.

„Die Türen werden uns von den Unternehmen noch nicht eingerannt“, betont Bosek. Allerdings sei die Vergabe von Neukrediten heuer schon höher als im Vorjahr. Die verhaltene Kreditnachfrage der Unternehmen führt Bosek auf deren hohe Cash-Polster zurück. Sie finanzieren Investitionen großteils aus Eigenmitteln.

Mehr Dynamik

Mit zunehmendem Wirtschaftswachstum werde die Kreditnachfrage in Schwung kommen, erwartet der Erste-Bank-Vorstand. Das nominelle Wachstum von 3,1 Prozent für Österreich 2014 sollte einen Anstieg des Firmen-Kreditvolumens um 2,6 Prozent mit sich bringen, geht aus einer Studie von Macro Consult im Auftrag der Erste Bank hervor. 2015 sollte sich die Nachfrage nach Finanzierungen der Unternehmen auf 3,6 Prozent beschleunigen. Inklusive Privatkredite dürfte das Finanzierungsvolumen der Banken heuer nur um ein Prozent und 2015 um 1,7 Prozent wachsen. Die schwache Einkommensentwicklung der Privaten bremst die Kreditaufnahme. 2013 gingen die Gesamtkredite um ein Prozent zurück.

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