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Volkswagen
11/07/2016

VW-Skandal: Aufsichtsratschef Pötsch im Visier der Ermittler

Die Behörde geht dem Verdacht nach, dass Volkswagen möglicherweise bewusst verspätet über die finanziellen Folgen der millionenfachen Abgasmanipulation informierte.

In der Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen rückt Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch ins Visier der deutschen Ermittler. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittle nun auch gegen Pötsch, teilte Volkswagen am Sonntag mit. Am Montag wurde dies auch von der ermittelnden Behörde bestätigt. Das Verfahren beziehe sich auf die Zeit, als Pötsch Finanzvorstand des Konzerns war.

Die Behörde geht dem Verdacht nach, dass Volkswagen möglicherweise bewusst verspätet über die finanziellen Folgen der millionenfachen Abgasmanipulation informierte.

Der Anfangsverdacht der Marktmanipulation geht allerdings über den bloßen Zeitverzug hinaus: Laut deutschem Wertpapierhandelsgesetz ist eine Marktmanipulation unter anderem dann gegeben, wenn "unrichtige oder irreführende Angaben" gemacht oder Umstände verschwiegen werden, die zum Beispiel den Kurs einer Aktie erheblich beeinflussen können. Wird die Öffentlichkeit also bewusst nicht informiert, kann laut Gesetz eine Marktmanipulation vorliegen. "Eine Marktmanipulation im Sinne dieser Strafnorm des Wertpapierhandelsgesetzes kann nur vorsätzlich begangen werden", hatte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe Mitte des Jahres betont.

Aktienkurs

Die Ausweitung der Ermittlungen ist Wasser auf den Mühlen von Investoren, die Volkswagen auf Milliardensummen verklagen, weil der Aktienkurs nach Bekanntwerden des Skandals im September des vergangenen Jahres abgestürzt war.

Ermittlungen

Nach einer Strafanzeige der deutschen Finanzaufsicht BaFin ermitteln die Braunschweiger Strafverfolger bereits seit dem Sommer gegen VW-Markenchef Herbert Diess und den früheren VW-Chef Martin Winterkorn. Damals hatte die Staatsanwaltschaft ausdrücklich betont, dass sie nicht gegen Pötsch ermittle. Er war Finanzchef des Konzerns bis Oktober 2015, als er an die Spitze des Aufsichtsrats wechselte.

Der Wolfsburger Konzern hatte am 20. September auf Druck der US-Umweltbehörden zugegeben, Abgaswerte durch eine illegale Software manipuliert zu haben. Nach dem Geständnis brach die VW-Aktie um 20 Prozent ein. Am 22. September gaben das Unternehmen bekannt, dass weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge von dem Betrug betroffen seien und der Konzern deswegen 6,5 Mrd. Euro zur Seite legen müsse. Die Rückstellungen wurden später auf mehr als 16 Mrd. Euro erhöht. Der Konzern wies deshalb im vergangenen Jahr den höchsten Verlust seiner Firmengeschichte aus.

Volkswagen erklärte am Sonntag, man sei weiterhin der Auffassung, dass der Vorstand seine kapitalmarktrechtliche Publizitätspflicht ordnungsgemäß erfüllt habe. Dabei stütze sich der Konzern auf die sorgfältige Prüfung durch interne und externe Rechtsexperten.

Für Volkswagen steht viel auf dem Spiel: Allein am Landgericht Braunschweig sind Schadenersatzklagen über mehr als acht Mrd. Euro anhängig.

Von der Staatsanwaltschaft Braunschweig war am Sonntag zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Volkswagen wollte sich über die Mitteilung hinaus nicht äußern. Pötsch und der Konzern wollten die Ermittler "in vollem Umfang unterstützen", hieß es in der Aussendung.

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