Geplant: Rotationsprinzip für wichtige Posten

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Industrie
12/20/2015

VW sagt "verkrusteten Strukturen" den Kampf an

Kein "Getrickse" mehr: Nach dem Abgasskandal sollen wichtige Posten im Rotationsprinzip besetzt werden.

Der Volkswagen-Konzern zieht erste strukturelle Konsequenzen aus der Abgasaffäre, die den Autobauer in den letzten Wochen schwer erschüttert hat. So sollen etwa Mitarbeiter an zentralen Schaltstellen in der Motorenentwicklung häufiger als bisher die Positionen wechseln, wie der neue Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch der Welt am Sonntag sagte.

"Wir planen bei bestimmten Funktionen ein Rotationsprinzip. Die entsprechenden Mitarbeiter bleiben nur noch eine gewisse Zeit an einer bestimmten Stelle und wechseln dann."

Kontrollmechanismen

Volkswagen will so verhindern, dass verkrustete Strukturen entstehen, die die Grundlage für ungesetzliches Handeln bilden könnten. Der Volkswagen-Konzern hatte im September zugeben müssen, dass weltweit bei rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Manipulationssoftware eingesetzt wurde, die den Stickoxid-Ausstoß im Testbetrieb als zu niedrig auswies.

Pötsch kündigte weiter an, die internen Kontrollmechanismen zu verbessern. "Wir werden Prozesse nachschärfen, Verantwortlichkeiten klarer regeln und die Möglichkeit der IT zur Überwachung von Abläufen besser einsetzen", sagte er. Darüber hinaus soll das Vieraugenprinzip gestärkt und dafür gesorgt werden, dass es strikter eingehalten wird.

VW: Winterkorns Vertrag läuft weiter, Auflösung zu teuer

Auch nach seinem Rücktritt infolge der Abgas-Affäre läuft der hoch dotierte Vertrag des ehemaligen VW-Chefs Martin Winterkorn weiter. Der Kontrakt sei bis Ende 2016 vereinbart und bisher nicht aufgelöst worden - diese Regelung sei deutlich günstiger als eine Auflösung des Vertrags. Seitens des Konzerns wurde am Freitag ein entsprechender Bericht von Handelsblatt und dem ZDF-Magazin Frontal 21 bestätigt. Der VW-Betriebsrat teilte auf Anfrage mit, dass man sich zu Vertragsangelegenheiten nicht äußern könne.

Dass die Auflösung von Winterkorns Vertrag deutlich teurer geworden wäre, hänge mit der Bemessungsgrundlage zusammen. Den Vertrag weiterlaufen zu lassen bedeute auch, dass in die fälligen Bonuszahlungen die Sonderbelastungen aus dem Diesel-Skandal einfließen. Die Bonuszahlungen sind unter anderem an die Höhe des VW-Ergebnisses gekoppelt. Die Gewinne dürften aber dürften in diesem Jahr wegen der immensen Kosten für den Abgas-Skandal deutlich geringer ausfallen.

Aus der Gewerkschaft heißt es dazu: "Moralisch stellt sich aus unserer Sicht die Frage, ob ein freiwilliger Verzicht nicht angebracht wäre."

15 Millionen Euro Jahresgehalt

Der 68-jährige Winterkorn war mit zuletzt über 15 Millionen Euro Jahresgehalt der bestbezahlte Manager eines Dax-Unternehmens. Deutlich mehr als zehn Millionen Euro davon waren Bonuszahlungen. Im September hatte er wegen des Abgas-Skandals sein Amt niedergelegt. Als Vorstandschef übernehme er die Verantwortung für die bekanntgewordenen Unregelmäßigkeiten, hatte er damals mitgeteilt. Sein Rücktritt erfolge "im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin". Auch der Aufsichtsrat hatte ihm damals bescheinigt, keine Kenntnis von den Manipulationen gehabt zu haben.

Unklar ist, ob Winterkorn noch eine zusätzliche Abfindung bekommt. Laut Geschäftsbericht wäre eine solche Zahlung aber auf maximal zwei Jahresvergütungen begrenzt. Neben einer Abfindung steht VW-Vorständen auch noch ein sogenanntes Ruhegehalt zu, sozusagen die Manager-Rente. Hier hat er theoretisch Anspruch auf 70 Prozent seines Grundgehalts. Insgesamt hatte VW für seine Altersbezüge zuletzt gut 28,5 Millionen Euro reserviert.

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