Wirtschaft
27.07.2017

VW-Konzern: Skandale treffen bisher nur die Portokasse

Die Milliardenstrafen verringern zwar den Cashpolster. Die Verkaufszahlen sind aber gut, der VW-Konzern steigerte im Halbjahr den Umsatz sogar um 7 Prozent.

Trotz Abgasaffäre, drohenden Dieselfahrverboten und Kartellverdacht läuft es für den VW-Konzern erstaunlich gut. Zwar könnten weitere Milliardenzahlungen zukommen, sollte sich der Kartellverdacht erhärten. Im operativen Geschäft bilden sich die Skandalthemen für die Wolfsburger in der Halbjahresbilanz 2017 kaum ab - bisher. Eine deutliche Spur hinterlassen lediglich die Milliardenstrafen wegen des Abgasskandales: Der Cashpolster (Nettoliquidität) ist um 3,4 Mrd. Euro auf 23,7 Mrd. Euro geschrumpft.

Bei den Verkäufen läuft es aber überraschend gut, vor allem in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent. Der Konzernumsatz stieg von Jänner bis Juni auf 116 Mrd. Euro, ein Plus von 7,3 Prozent. Fürs Gesamtjahr wird nun mit gut 4 Prozent Plus gerechnet. Die Rendite wurde ebenfalls verbessert, der operative Gewinn kletterte von 7,5 auf 8,9 Mrd. Euro.

VW-Chef Matthias Müller sieht das operative Geschäft "solide aufgestellt". Das sei eine gute Grundlage, um den "Volkswagen-Konzern vom reinen Fahrzeughersteller zu einem weltweit führenden Anbieter nachhaltiger Mobilität zu transformieren".

Rüffel für schlechte Kommunikation

Einen Rüffel musste Müller am Donnerstag allerdings vom niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies hinnehmen. Dieser forderte VW angesichts von Diesel-Skandal und Kartellvorwürfen zu einer offeneren Informationspolitik auf. „Ich wünsche mir, dass der Volkswagen-Vorstand eine möglichst offene Kommunikation mit der Öffentlichkeit in dieser Angelegenheit führt“, sagte Lies, der dem VW-Aufsichtsrat angehört, im Deutschlandfunk.

Zugleich warnte er vor vorschnellen Urteilen wegen des Vorwurfs illegaler Absprachen unter deutschen Autobauern. Zunächst müsse geklärt werden, ob überhaupt Unerlaubtes geschehen sei. Dass sich die Hersteller über technische Fragen austauschten, sei erst einmal nichts Unrechtes. Dabei dürften aber keine rechtlichen Grenzen überschritten werden.

Daher sei es auch richtig, dass die deutsche Bundesregierung „nicht voreilig“ Schlüsse gezogen und Vorverurteilungen getroffen habe, sagte Lies. Zunächst müsse der ganze Sachverhalt geklärt werden. Das gelte auch für die Einzelfrage, welche Rolle die Größe von Harnstofftanks in den Gesprächen der Autohersteller gespielt habe und ob dabei wettbewerbswidrige Vereinbarungen getroffen wurden. Dazu sei maximale Transparenz nötig.

„Jetzt hilft nur: die Karten auf den Tisch legen“, forderte Lies.

Zweitgrößter Aktionär

Niedersachsen ist zweitgrößter Eigentümer bei VW und hält 20 Prozent. Hauptaktionärin ist die von den Familien Piech und Porsche kontrollierte Porsche SE.
Der Volkswagen-Aufsichtsrat hatte sich am Vortag bei einer Sondersitzung mit den Kartellvorwürfen beschäftigt.

Der Konzern verteidigte die Zusammenarbeit von Autobauern. Es sei in vielen Fällen erforderlich und nicht zu beanstanden, wenn Unternehmen die Machbarkeit und Standardisierung neuer Technologien erörterten, argumentierte das Unternehmen.