Wirtschaft 12.03.2012

VW-Chef verdiente 17 Mio. Euro

© Bild: dapd

Volkswagen hat 2011 ein Rekordjahr hingelegt. Das machte sich auch für Konzernchef Martin Winterkorn bezahlt.

Martin Winterkorn zeigte sich auf der Bilanzpressekonferenz am Montag in der Konzernzentrale im deutschen Wolfsburg sichtlich gut gelaunt. Das kommt nicht von ungefähr. Der VW-Vorstandschef hat im Vorjahr 17,4 Millionen Euro verdient. Damit zählt er zu den bestverdienenden Vorständen Deutschlands. Bei seinen VW-Kollegen waren es jeweils zwischen 7,2 und 8,1 Millionen Euro. Insgesamt stiegen die Vorstandsgehälter bei VW um 88 Prozent auf mehr als 70 Millionen Euro. "In der Tat steigen sie ordentlich, aber das ist streng an das Vergütungssystem gebunden", sagt Personalchef Horst Neumann. Was Winterkorn mit dem Geld macht, wollte er nicht verraten.

Aber auch andere dürfen sich freuen. Die Dividende je Aktie soll von 2,20 auf 3,0 Euro steigen. Die Mitarbeiter erhalten mit 7500 Euro die höchste Bonuszahlung aller Zeiten. Grund für all die hohen Ausschüttungen ist das von Rekorden geprägte Geschäftsjahr. Der Umsatz kletterte von 127 auf 159 Milliarden Euro, der Gewinn von 7,2 auf den Rekordwert von 15,8 Milliarden Euro. Einen Beitrag dazu leistete auch Europas größter Autohändler, die Porsche Holding Salzburg, mit fünf Milliarden Euro Umsatz. Winterkorn: "Mit der Übernahme der Holding im Vorjahr haben wir die Schlagkraft im Vertrieb deutlich verstärkt."

 

2012 läuft gut an

Bisher hat sich der Volkswagen-Konzern darauf festgelegt, im Jahr 2018 die Absatzgrenze von zehn Millionen Einheiten zu knacken. Es könnte aber schon viel früher geschehen. Winterkorn sieht das Ziel "in Sichtweite rücken". Und Vertriebsvorstand Christian Klingler ergänzt: "Es kann uns passieren, dass es schneller geht. Niemand kann uns davon abhalten." In der Tat macht der Konzern mit seinen zehn Marken rasante Fortschritte. Wurden 2010 noch 7,2 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, so waren es im Vorjahr bereits 8,27 Millionen, ein Plus von 14,7 Prozent. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres geht der Erfolgslauf für die weltweite Nummer zwei hinter GM mit 1,3 Millionen Auslieferungen (plus 7,7 Prozent) weiter.

Für heuer ist Winterkorn verhalten optimistisch. Das operative Ergebnis soll auf dem hohen Vorjahres-Niveau liegen. Ein Grund sind hohe Investitionskosten von 15 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren für das modulare Baukastensystem. Dieses ermöglicht eine neuartige Fertigung von mehr als 40 Modellen. Winterkorn: "Mittel- bis langfristig bringt uns das substanzielle Einsparungen bei den Kosten und der Fertigungszeit."

Skoda und Seat

Ferdinand und Ursula Piëch lenken die Geschicke des VW-Konzerns
Den seit Jahren unangefochtenen ersten Platz belegen die beiden Familienclans Porsche und Piech, die mit ihren Anteilen die glei… © Bild: dapd Daniel Maurer

Bis 2013 soll auch die Marke Skoda wieder positiv bilanzieren. Der operative Verlust betrug 225 Millionen Euro. Klingler: "Seat ist vor allem von der Schuldenkrise betroffen." Neue Modelle sind für die zweite Jahreshälfte angekündigt. Einen "weißen Fleck" gibt es für Winterkorn noch im Kleinwagensegment. Der VW up! soll ab 2013 auch außerhalb Europas, etwa in Brasilien, zu haben sein.

Die geplante Integration von Porsche lässt indes weiter auf sich warten. Grund sind Klagen in Milliardenhöhe von Porsche-Investoren wegen angeblicher Marktmanipulation. Dennoch konnten durch verstärkte Zusammenarbeit bisher 200 Millionen Euro an Synergien erzielt werden. "Der integrierte Konzern von Volkswagen und Porsche wird kommen", ist Winterkorn zuversichtlich.

Er verteidigte auch den geplanten Einzug von Ursula Piech, die Ehefrau von VW-Patriarch Ferdinand Piech, in den VW-Aufsichtsrat. "Frau Piëch ist eine Frau, die ich seit vielen Jahren kenne und die eine sehr kompetente und unternehmerisch denkende Persönlichkeit ist."

Die VW-Dynastie

Der Stammbaum der VW-Dynastie
© Bild: KURIER GRAFIK BREINEDER

Der Volkswagenkonzern legte am Montag ein Rekordergebnis vor und verdiente mit elf Automarken 15,8 Milliarden €. Damit sind die Familien Porsche und Piëch wieder um eine Spur reicher geworden. Das Vermögen, der Salzburger wird auf 24 Milliarden oder mehr geschätzt. Die starke Frau des VW-Lenkers Ferdinand Piëch, Ursula ist mit 55 Jahren nicht nur seine Stellvertreterin in den Familienstiftungen, sie wird auch Aufsichtsrätin im Konzern und damit offizielle Nachfolgerin ihres 74-jährigen Mannes.

Ursula Piëch ist beliebt. Der Konzernbetriebsrat Bernd Osterloh attestiert ihr "hohe soziale Kompetenz". Mit Ferdinand Piëch hat sie drei Kinder, ihr Mann hat aus vier Beziehungen zwölf Nachkommen. Die ehelichen Kinder haben in zwei Stiftungen mehr Stimmrechte als die unehelichen.

Die Porsches und Piëchs, die jetzt das Sagen haben, sind die Enkel des Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche und alle über 60 Jahre alt. Sie haben mehr als 60 Erben.

Hungern muss niemand, doch Streit gehört zu diesem Clan genauso dazu wie der sagenhafte Erfolg. Ferdinand Piëch hat sich mit VW gegen den gescheiterten Übernahmeversuch von Porsche durchgesetzt und seinem Cousin Wolfgang Porsche damit eine herbe Niederlage beschert.

Ferdinand Piëch vertraut dem Vernehmen nach niemandem, und wenn, dann nur seiner resoluten Frau, die ihm als einzige auch vor versammelter Mannschaft (sanft) widersprechen darf. Sie soll jetzt mit viel Geschick die unterschiedlichen Familieninteressen zusammenführen.

Auf der Porsche-Seite gibt es in der Urenkel-Generation Oliver Porsche, 51. Der gebürtige Stuttgarter ist der Sohn von Ferdinand Alexander Porsche, dem Designer des legendären Porsche-Modells 911. Sein Vater gründete die Marke "Porsche Design". Oliver sitzt bei VW im Kontrollgremium. Doch ob er den seit den 1970er-Jahren bestehenden Streit zwischen den beiden Familien mit Ursula Piëch wird schlichten können, bleibt abzuwarten. Er ist seit 1995 mit einer Erbin der schwäbischen Maschinenbau-Familie Voith verheiratet und lebt in Zell am See auf einem Landgut.

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Erstellt am 12.03.2012