Wirtschaft 17.01.2012

Volksbanken vor Zerreißprobe

© Bild: APA/ROBERT JAEGER

Die Hälfte der Volksbanken soll 2011 nur unter Mühen bilanzieren können. Es fehlen Dividenden ihres Spitzeninstituts.

Die finanzielle Lage des heimischen Volksbanken-Sektors wird immer grimmiger: Vom Spitzeninstitut, Österreichische Volksbank AG (ÖVAG), bekommen die 62 regionalen Volksbanken für 2011 zum vierten Mal in Folge keine Dividenden und der Wert ihrer 60,8 Prozent ÖVAG-Anteile fällt und fällt. Fast die Hälfte der Volksbanken soll Schwierigkeiten bei der Erstellung der Bilanz 2011 haben.

Die Wirtschaftsprüfer haben vorsorglich „eine Verschärfung der Risikolage“ bei der Finanzmarktaufsicht gemeldet, verlautet aus gut informierten Kreisen.

Die Politik erhöht indes den Druck auf den Sektor, die Lösung der finanziellen Probleme selbst anzupacken. Im Ministerrat wurde am Dienstag extra für die Volksbanken eine Novelle des Bankwesengesetzes beschlossen. Diese erlaubt die Bildung eines Volksbanken-Verbundes, in dem die regionalen Volksbanken dennoch eine gewisse Selbstständigkeit behalten. Der Vorteil für die ÖVAG: Sie kann Eigenkapital der Volksbanken in ihrer Bilanz anrechnen. Die regionalen Volksbanken aber müssen eine Haftung für die ÖVAG übernehmen. Und das missfällt vielen, haben sie doch selbst genug Probleme. Im Volksbanken-Verband gibt man sich noch zuversichtlich: „Im ersten Halbjahr 2012 wird das Verbund-Modell auf die Beine gebracht“, heißt es dort.

Kompromisslos

Einigen sich die Volksbanken nicht auf das Verbund-Modell, droht es den Sektor zu zerreißen. Denn die ÖVAG wird früher oder später frisches Geld brauchen. Und die Republik Österreich, die dem Institut schon 2008 mit einer Milliarde Euro ausgeholfen hat, ist nicht gewillt, nochmals Geld in die Bank zu pumpen.

Nur wenn der Sektor in Form des neuen Verbundes zusammenrückt, könnte später Geld fließen – oder zumindest die Milliarde Staatsgeld in eine Beteiligung umgewandelt werden. So eine „Teilverstaatlichung“ fürchten die Volksbanker ganz besonders. Angesichts des düsteren Ausblicks hoffen manche Volksbanker auf die schützende Hand der Nationalbank. Die OeNB hat für ihre Mitarbeiter eigene Spar- und Kreditvereine und diese gehören zum Volksbanken-Sektor. Einen Zusammenbruch des Sektors werde die Nationalbank daher aus gewissem Eigennutz vermeiden wollen. In der Nationalbank wird das als „naiv“ abgetan.

Abverkauf: Immofinanz schielt auf Volksbank-Immobilien

Das Abverkaufskarussell bei der Volksbank gewinnt an Schwung: Die Abgabe der Osttochter an die russische Sberbank soll demnächst finalisiert werden, die Beteiligung an der Victoria-Versicherung wurde bereits an die deutsche Ergo verkauft. Der größte Brocken ist aber die Immosparte: Immobilienentwicklung, Immofonds sowie Leasing- und Finanzierungssparte wurden unter dem Namen Volksbank Real Estate Services gebündelt und sollen mittelfristig verkauft werden. „Wenn es Interessenten gibt, sind wir gesprächsbereit“, erklärt ein Bank-Sprecher. Der Osteuropa-Fokus der Firma macht einen Verkauf derzeit aber nicht gerade einfach. Die börsenotierte CA Immo hat auf Anfrage abgewunken, nur Immofinanz-Chef Eduard Zehetner kann sich vorstellen, dass die Osteuropa-Immobilien gut in sein 9,2 Milliarden Euro schweres Portfolio passen.

„Das werden wir uns sicher ansehen“, meint Zehetner zum KURIER. Bisher sei man aber noch nicht kontaktiert worden. Interesse hat Zehetner eher an Entwicklungs-Projekten in Osteuropa mit hohem Potenzial, Bestandsimmobilien oder die Leasing-Sparte interessieren ihn weniger.

Andreas Ridder, Chef des Büromarktexperten CBRE, hält eine Zerschlagung der Sparte für sinnvoll: „Dass einer die ganze Firma kauft, wird schwierig werden.“

Gute Bürohäuser in Warschau oder Prag könne man aber innerhalb von sechs Monaten verkaufen. „Doch Rumänien, Ungarn oder die Ukraine könnten schwer werden.“

Erstellt am 17.01.2012