Wirtschaft 05.12.2011

Volksbank AG: Eine Milliarde fliegt davon

Bei der Volksbank AG überspringt der Verlust heuer die Milliarden-Grenze. Neues Staatsgeld könnte nötig werden.

Die Schreckensmeldungen aus der Österreichischen Volksbank AG (ÖVAG) reißen nicht ab: Erst Mitte Oktober hatte die Bank angekündigt, heuer ein 900-Millionen-Minus zu schreiben. Am Freitag hieß es schließlich, die Lücke werde rund 1,2 Milliarden Euro ausmachen.

Ausschlaggebend dafür sind hohe Verluste der Volksbank Rumänien mit griechischen Anleihen und anderen Ländern. Die Tochter Investkredit musste um rund 300 Millionen Euro abgewertet werden und das Partizipationskapital an der verstaatlichten Kommunalkredit um 108 Millionen Euro. Für Volksbank-Generaldirektor Gerald Wenzel ist es wichtig zu betonen, dass "all diese Abwertungen Einmaleffekte sind". Das eigentliche Bankgeschäft laufe gut und positiv.

Frisches Kapital

Gerald Wenzel: Der Chef der Volksbank AG musste eine neuerliche Erhöhung der Verluste verlautbaren.
© Bild: apa

Dennoch steht die Bank mit dem Rücken zur Wand. Denn die Verluste drücken das Eigenkapital. Von der laut Europäischer Bankenaufsicht (EBA) vorgesehene Kapitalquote von neun Prozent, die Mitte 2012 erreicht werden soll, liegt die ÖVAG weit entfernt. Gerade einmal 5,5 Prozent beträgt derzeit die Eigenkapitalquote der Bank laut EBA-Vorgaben. Die Kapitallücke dürfte daher die zuletzt von der EBA berechneten 972 Millionen Euro deutlich übersteigen. Die ÖVAG werde 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro brauchen, meinen Finanzexperten.

Doch woher soll die Bank diese Mittel bekommen? Es wird am Ende wohl wieder der Steuerzahler sein, lautet die Antwort von Bank-Experten. Eine Milliarde Euro hat der Staat der ÖVAG bereits nach der Finanzkrise 2008 gegeben. Die Republik hat das Recht, diese Mittel in Eigenkapital der Bank zu wandeln, wenn es nicht zeitgerecht zurückbezahlt wird. Das ist theoretisch ab Jahresende der Fall. Denn die ÖVAG hätte heuer 300 Millionen Euro Staatsgeld tilgen müssen.

Finanzministerin Maria Fekter aber hat schon klargestellt, dass sie der Bank Zeit zum Abbau von Risikobeteiligungen geben will.

Das dürfte aber nur die halbe Wahrheit sein. Die Republik will offenbar auch abwarten, ob die ÖVAG mit den 62 selbstständigen Volksbanken, die die Mehrheit halten, einen gemeinsamen Konzern bildet. Sobald das umgesetzt ist und der Volksbankensektor faktisch eine Bank mit 62 Filialen wird, könnte nicht nur eine Staatsbeteiligung sinnvoll sein, sondern auch frisches Staatskapital fließen.

Die ÖVAG selbst versucht, möglichst viele Beteiligungen zu verkaufen, um kleiner zu werden und damit den Kapitalbedarf zu verringern. Beim jüngsten Verkauf der Volksbank International an die russische Sberbank sind unerwartete Probleme aufgetreten. Die Russen versuchen den fixierten Preis von 585 Millionen Euro zu drücken.

Heimische Banken: Abschreibungen in Osteuropa

RZB/RBI
Die Raiffeisen Zentralbank bzw. ihre Tochter Raiffeisen Bank International liegen klar in den schwarzen Zahlen. Die RZB wies zum Halbjahr 615 Mio. Euro Gewinn aus. Bei der RBI, zu 78 Prozent Teil der RZB, waren es bis September 745 Mio. Euro. Verluste schreibt de facto nur die Ungarn-Tochter. Die Gruppe muss aber beim harten Kernkapital bis Juni 2012 noch 2,5 Mrd. Euro nachbessern. Dies soll durch 20 Maßnahmen erfolgen.

Erste Group
Wegen hoher Abschreibungen in Osteuropa und auf Staatspapiere sowie die Abwertungen bei Kreditversicherungen verbuchte die Bank nach neun Monaten 973 Mio. Euro Verlust. Im Gesamtjahr werden 700 bis 800 Mio. Euro Minus erwartet. Hohe Verluste gibt es in Ungarn und Rumänien. Die Erste muss 750 Mio. Euro aufstellen, um die Kernkapitalanforderungen zu erreichen. Eine Folge: Die Dividende für 2011 entfällt.

Bank Austria
Die UniCredit-Tochter weist nach neun Monaten einen Mini-Gewinn von 4,5 Mio. Euro auf (Konzern: 9,3 Mrd. Euro Minus). Im dritten Quartal gab es aber einen hohen Verlust von mehr als 600 Mio. Euro. Grund sind Abschreibungen in Kasachstan und der Ukraine von mehr als 650 Mio. Euro, zudem wurden Abschreibungen auf Griechenland-Papiere nötig. Mit 10,4 Prozent harter Kernkapitalquote ist kein weiteres Kapital nötig.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011