Wirtschaft
01.06.2017

voestalpine kämpft mit Unbill in den USA

Donald Trump droht mit Strafzöllen. Der Stahlkonzern hat eine eigene Taskforce gebildet.

Der Stahlkonzern voestalpine, der in den vergangenen Jahren massiv in den USA investiert hat, tritt dort jetzt auf die Bremse. Zum einen müssen die getätigten Investitionen sukzessive hereinverdient werden, zum anderen droht der neue US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen und bringt internationale Handelsabkommen ins Wanken. Die voestalpine hat bereits eine eigene Taskforce USA eingerichtet.

Eder: "Massiver Schriftverkehr"

"Der Aufwand ist ein enormer", raumte Konzernchef Wolfgang Eder am Donnerstag, im Zuge der Bilanzpressekonferenz ein. "Wir sind derzeit dabei, unsere Position rechtlich auszuloten." In den nächsten vier bis acht Wochen soll sich die Lage - auch mit Hilfe von Anwälten in Europa und den USA - klären. Es gebe "massiven Schriftverkehr und aufwendige Ermittlungsverfahren". "Parallel dazu sind wir dabei, Alternativkonzepte für die Produkte, die es betrifft, herauszuarbeiten", so Eder. "Es ist natürlich nicht eine einfache Situation, aber man sollte die Kirche im Dorf lassen." Mit dem Großteil der Investitionen in den USA habe die voestalpine "keine Probleme". Das Unternehmen stellt sich aber auf einen protektionistischen Kurs in der US-Wirtschaftspolitik ein.

Die voestalpine erzielt in den USA laut Eder derzeit einen Umsatz von 984 Mio. Euro - weltweit sind es über 11 Mrd. Euro. Vom Schwenk in der amerikanischen Wirtschaftspolitik betroffen sei "nur der geringere Umsatzanteil". "Im Wesentlichen geht es um 400 Mio. Euro an Umsatz", so der Konzernchef. "Von der Diskussion nicht erfasst" seien etwa die sieben Weichenstandorte und das neue Roheisenwerk im texanischen Corpus Christi, betonte Eder heute, Donnerstag, im Zuge der Bilanzpressekonferenz.

Große Investitonen in den USA

In den vergangenen fünf Jahren hat die voestalpine den Angaben zufolge 1,2 Mrd. Dollar in den USA investiert - gut 1 Mrd. Dollar davon floss in das neue Roheisenwerk in Texas (Corpus Christi).

In Cartersville ( Georgia) verstärkte der Konzern den Automotive-Bereich massiv - die dritte Ausbaustufe wird dort in den nächsten sechs Monaten abgeschlossen. "Wir können in dem Tempo in einem einzigen Markt nicht weitermachen; wir hätten - Trump hin und Trump her - in jedem Fall unsere Investitionen in den nächsten Jahren zurückgenommen", so Eder. Für einen Worst Case in den USA habe die voestalpine aber "keine Rückstellungen gebildet", sagte Finanzvorstand Robert Ottel auf Anfrage.

Werk in Texas seit 1. April in Vollbetrieb

Nach der Großinvestition in Texas - das Werk ist seit 1. April in Vollbetrieb - rechnet der Finanzchef konzernweit "mit einem signifikanten Rückgang der Investitionstätigkeit". Die voestalpine werde aber auch im laufenden Geschäftsjahr 2017/18 "über Abschreibung investieren". Nach über 1 Mrd. Euro 2016/17 dürften es heuer nur 850 bis 900 Mio. Euro werden.